Was ich lese
[Die Presse/Spectrum vom 2./3.6.2007]
Im Zug sitzend, auf dem Bett liegend lese ich vergnügt Jean-Philippe Toussaints Roman »Das Badezimmer«, von dem alle sagen, es handele sich dabei um einen jungen Mann (»im Alter von siebenundzwanzig, bald neunundzwanzig Jahren«), der beschließt, sein Leben fortan in der Badewanne zu verbringen. Dies ist die Ausgangslage (Paris, Badezimmer, darinnen die Wanne), und sie wird bereits auf den vorderen Seiten in Richtung eines Hotels (Venedig) verlassen – der (namen-, auch eigenschaftslose) Erzähler will den Zumutungen des Lebens entkommen, ein abstraktes Leben führen. Es ist aber auch ein Symbol für die Bewegungslosigkeit. In kleinen Erzählfragmenten führt der Text Bewegung (Erkenntnis?) und Stillstand (Tod?) vor.
Weiterhin lese und schaue ich in der literarischen Robert-Walser-Biographie Jürg Amanns, deren zahlreiche Schwarzweißbilder sehr eindrücklich, aber nicht schaurig-schön wirken; dafür sorgen noch mehr Zitate aus dem Werk Walsers und die literarische Annäherung des Biographen, die nicht so tut, als wüsste sie alles über einen, der doch sagte, »jedem verwehre ich, so über mich zu reden, als ob er mich kenne«.
Fast so befremdet wie die Erzählerin lese ich »Das ewige Leben der Albaner« von Ornela Vorpsi: Ein schauderhafter Märchenton zieht sich durch die Episoden, die (im Original auf Italienisch geschriebene) sehr lakonisch und raffiniert vom grausamen Alltag in Envers Hoxhas Regime erzählen, von einer archaisch-chauvinistischen Welt, in der alle unsterblich sind, weil sie in der Hölle (die sie lieben) leben.
Ornela Vorpsis Buch »Das ewige Leben der Albaner« wird neben Arno Geigers »Es geht uns gut« und Christian Gaillys »Letzte Liebe« am Montag, 4. Juni, 19 Uhr, im Lesezirke von readme.cc und der Hauptbücherei in Wien diskutiert. ZuhörerInnen, Mitdiskutanten sind herzlich eingeladen.
http://www.readme.cc
http://www.buechereien.wien.at/
Im Zug sitzend, auf dem Bett liegend lese ich vergnügt Jean-Philippe Toussaints Roman »Das Badezimmer«, von dem alle sagen, es handele sich dabei um einen jungen Mann (»im Alter von siebenundzwanzig, bald neunundzwanzig Jahren«), der beschließt, sein Leben fortan in der Badewanne zu verbringen. Dies ist die Ausgangslage (Paris, Badezimmer, darinnen die Wanne), und sie wird bereits auf den vorderen Seiten in Richtung eines Hotels (Venedig) verlassen – der (namen-, auch eigenschaftslose) Erzähler will den Zumutungen des Lebens entkommen, ein abstraktes Leben führen. Es ist aber auch ein Symbol für die Bewegungslosigkeit. In kleinen Erzählfragmenten führt der Text Bewegung (Erkenntnis?) und Stillstand (Tod?) vor.
Weiterhin lese und schaue ich in der literarischen Robert-Walser-Biographie Jürg Amanns, deren zahlreiche Schwarzweißbilder sehr eindrücklich, aber nicht schaurig-schön wirken; dafür sorgen noch mehr Zitate aus dem Werk Walsers und die literarische Annäherung des Biographen, die nicht so tut, als wüsste sie alles über einen, der doch sagte, »jedem verwehre ich, so über mich zu reden, als ob er mich kenne«.
Fast so befremdet wie die Erzählerin lese ich »Das ewige Leben der Albaner« von Ornela Vorpsi: Ein schauderhafter Märchenton zieht sich durch die Episoden, die (im Original auf Italienisch geschriebene) sehr lakonisch und raffiniert vom grausamen Alltag in Envers Hoxhas Regime erzählen, von einer archaisch-chauvinistischen Welt, in der alle unsterblich sind, weil sie in der Hölle (die sie lieben) leben.
Ornela Vorpsis Buch »Das ewige Leben der Albaner« wird neben Arno Geigers »Es geht uns gut« und Christian Gaillys »Letzte Liebe« am Montag, 4. Juni, 19 Uhr, im Lesezirke von readme.cc und der Hauptbücherei in Wien diskutiert. ZuhörerInnen, Mitdiskutanten sind herzlich eingeladen.
http://www.readme.cc
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agnesz - 2007.06.03, 22:02
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