[>>]

Montag, 6. April 2009

große Wolken

große Wolken, so hat sich’s bislang ergeben, da steck ich ständig drinnen. Es ist keine Frage von Jahreszeiten, und ja : es erstaunt mich selber, immer wieder. Um ehrlich zu sein, es sind natürlich immer (immer!) weiße oder schmutzig-weiße Wolken und muss also heißen : große weiße Wolken sind immer um mich herum, ich also mittendrin. Ist es eine Frage der Temperatur und des Lichteinfalls? Ein leeres Zimmer, Licht fällt auf den Fußboden, keine Notizbücher, auch keine Stifte, keine liegengelassenen Westen, natürlich keine Hausschuhe oder Strümpfe, die in der Hitze ausgezogen wurden. Ist es immer Sommer? Die großen weißen Wolken sind vielleicht ein Ergebnis des Klimas. Wenn du aus einer Familie stammst, in der alle anderen auch nicht dazugehören, dann sind Zimmer, Stockwerke und Bezirke einerlei. Wer kümmert sich da um einen Schattenplatz im Garten? Wer würde sich daran stören oder vor Freude daran erinnern, dass alles wuchert wie wild? Wenn du zu einer Familie zählst, die deinen Namen vergisst, weil sie ihn einmal zu oft oder überhaupt viel zu früh abgekürzt hat in ein unentwirrbares Kürzel aus Buchstaben und Stimmfetzen, dann wirst du nicht lange darüber nachdenken, ob du diesmal die Ferien verlängerst, um allen endlich wieder einmal beim Feiern zuzuschauen.
Du wartetest, bis über den Platz vor dem Haus eine Spur gezogen worden war, durch die sehr hohe Schneewand, eine Bahn durch das Schneefeld, die gerade so breit war wie die Schultern des Vaters, wenn er seine dicke Winterjacke anhatte. Schnee überall, Schnee. Wolken. Du schautest aus dem Fenster, und da war nichts zu sehen. Bestimmt hat es eine ganze lange Nacht gedauert, bis so viel Schnee lag, mehr als eineinhalb Meter. Jetzt nimmst du, wann immer dein Kind es zulässt oder wenn ihr über die Straße geht, seine linke Hand (steckt in einem Fäustling), die rechte hält es sich über die Augen. Vor ein paar Stunden hat es zu schneien begonnen. Gelborange leuchteten die Flocken im Licht der Straßenlaterne. Der Schnee fällt leicht, nicht sehr steil, doch auch nicht waagrecht. Schnee fällt. Gelangt in die Augen vom Kind, das sich aber zu schützen weiß. Ein Jammer, irgendwie, Wolken, Schnee, mühsam. Als ihr um die Ecke biegt, sagst du ihm, jetzt sei es besser, und das Kind nimmt seine Hand weg von den Augen und sagt : ja, stimmt.

Wegweiser in Richtung Salon Litéraire :
in|ad|ae|qu|at

archiv

April 2009
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 

user status

Du bist nicht angemeldet.

suche