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    <title>Index 1</title>
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    <description>Ein Spielzeugwaschbrett.&lt;br /&gt;
Die Holzbrücke über den kleinen Bach. (Jahre später wird sie morsch in sich zusammenfallen und ins seichte Wasser sinken.) Am &lt;i&gt;Ufer&lt;/i&gt; unseres Baches mit einer italienischen Espressokanne und feuchtem Sand Kaffee zubereiten, mit dem Schlitten ins Wasser rutschen und hin und wieder versuchen Fische zu fangen.&lt;br /&gt;
Die Katze kann besser Fische fangen als ich.&lt;br /&gt;
Die Katze fängt nicht nur Fische, sondern auch Vögel.&lt;br /&gt;
Die Katze legt die Mäuse zu meinen Gummistiefeln.&lt;br /&gt;
Eine rote Mädchenhandtasche aus Lack.&lt;br /&gt;
Das Kinderfahrrad des kleinen Bruders.&lt;br /&gt;
Sitzen bleiben, bis alles aufgegessen ist.&lt;br /&gt;
Vor Einbruch der Dunkelheit zuhause sein.&lt;br /&gt;
Die langen Haare der Mutter sind zu einem großen Knoten zusammengefasst.&lt;br /&gt;
Während alle Erwachsenen außer der immobilen Großmutter zu einem Begräbnis fahren, stürzt der ältere Bruder auf unserem Waldhügel und bricht sich beide Unterschenkel.&lt;br /&gt;
Begräbnisse sind immer eine gute Gelegenheit, ganze Ortschaften auszurauben.&lt;br /&gt;
Der betrunkene Nachbar am frühen Abend am Straßenrand.&lt;br /&gt;
Wenn ich, immer weniger ängstlich mit den Jahren, an ihm vorbeigehe, bemerkt er mich nicht.&lt;br /&gt;
Ich bin am Rücksitz unseres Autos eingeschlafen. Die Eltern unterhalten sich flüsternd. Erst nach einer Weile und vielleicht nur durch das ruhige, vertraute Gespräch der Eltern kann ich den hellen Lichtschein als brennendes Haus in der Nähe identifizieren.&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, ob es mir erlaubt ist, meine Großmutter zu duzen. (Meine Mutter sagt zu ihrer Stiefmutter: Wir werden Ihnen immer und ewig dankbar sein.)&lt;br /&gt;
Nachdem ein Kind im örtlichen Schwimmbad ertrinkt, bringe ich mir das Schwimmen selbst bei. &lt;br /&gt;
Wir hüpfen im abgedunkelten Elternschlafzimmer auf den Matratzen im großen Bett. Wer hatte das Cut auf der Stirn? Die große Schwester oder der kleine Bruder?&lt;br /&gt;
Beim Fußballspielen muss das Mädchen ins Tor, wenn es mitspielen möchte. Die großen Buben wollen gewinnen und schießen fest wie immer.&lt;br /&gt;
Der Landstreicher wohnt im Sommer in einem Heuschuppen auf der Nachbarwiese.&lt;br /&gt;
Bei W., dem Bauern, ist der Hund immer an die Kette gelegt. W. &lt;i&gt;hat&lt;/i&gt; eine Magd mit Sprachfehler.&lt;br /&gt;
Bei uns gibt es Saisonarbeiter, vor denen ich mich fürchte, obwohl sie &lt;i&gt;harmlos&lt;/i&gt; sind, wie die Erwachsenen sagen.&lt;br /&gt;
Jeden Sonntag in die Kirche.&lt;br /&gt;
Vor dem Pfarrer habe ich Angst. Später ist er mein Religionslehrer und erzählt ordinäre Witze, die ich nicht als solche erkenne. Bald habe ich keine Angst mehr vor dem Pfarrer, aber ich kann ihn nicht leiden.&lt;br /&gt;
Mit den Sternsingern in alle Wohnzimmer, Küchen oder wenigstens Vorhäuser und Flure der Nachbarn und Siedlungshäuser schauen.&lt;br /&gt;
Der Bub, den ich während des Sternsingens beeindrucken möchte, macht sich über ein Dialektwort von mir lustig. (Trotz oder wegen der dicken rotbraunen Schminke im Gesicht sieht niemand, dass ich weine.)&lt;br /&gt;
Ich fürchte mich vor den Hunden.&lt;br /&gt;
Ich gebe nicht zu, dass ich mich vor den Hunden fürchte.&lt;br /&gt;
Ich fange an, schön zu sprechen.&lt;br /&gt;
Die Gemeindebücherei hat einmal in der Woche zwei Stunden geöffnet. Ich vergesse immer wieder mein Ausleihbuch und sammle im Laufe der Jahre ein halbes Dutzend davon.&lt;br /&gt;
Ich darf nicht im Volkschulchor mitsingen, weil ich nicht schön genug schreibe.&lt;br /&gt;
Ich darf überhaupt erst mit sieben in die Volkschule, weil schon zu viele Kinder da sind. &lt;br /&gt;
Als ich süßen, weißrosa Speck im Geschäft neben der Schule zu stehlen versuche, erwischt mich der Kaufmann und hält mich so lange fest, bis er weiß, dass mein Schulbus abgefahren ist.&lt;br /&gt;
Meine Eltern bemerken nicht, dass ich eineinhalb Stunden später als sonst zuhause bin.&lt;br /&gt;
Der Scheiterhaufen der Großmutter, den sie im Rohr des neu gesetzten Tischherdes zubereitet.&lt;br /&gt;
Die blauen Schürzen der Großmutter. (Sie besitzt auch schwarze, glänzende Schürzen, aber die trägt sie so gut wie nie.)&lt;br /&gt;
Ihr dünnes Haar ist grau, weiß und gelblich und sehr dünn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der rotbraune Affe mit dem struppigen Fell.&lt;br /&gt;
Nachbarn und Zugezogene.&lt;br /&gt;
Brennt der Christbaum wirklich zu Weihnachten 1977? (Nein. Aber in diesem und im folgenden Jahr gibt es einen Christbaum mit elektrischen Kerzen. Es ist nicht klar, ob die wegen des Protests der Kinder wieder abgeschafft werden oder weil die Schnur nach ihrem Aufenthalt in dem alten Weihnachtsschmuckkoffer nicht mehr entwirrbar ist.)&lt;br /&gt;
Karsamstage mit feuchter schwarzer Erde auf den frisch geputzten Schuhen und das Gefühl, dass jetzt, dass auf einmal alles möglich sei. &lt;br /&gt;
Frühling!&lt;br /&gt;
Ungeklärte Verhältnisse im Haus der &lt;i&gt;oberen&lt;/i&gt; S. (Da lebt die verwitwete Mutter mit einem Freund, die beinahe erwachsenen Söhne kommen und gehen. Der Traktor neben dem Haus verrottet vor sich hin und die Hunde sind sehr mager.)&lt;br /&gt;
Und die Leute hinten im Wald? Ist bereits Märchenland und wird nicht betreten, sondern nur ausspioniert, es ist eigentlich nie etwas zu sehen. Das Haus verfällt still.&lt;br /&gt;
Abbey Road, 19 Class A Numbers, Alles was ich habe von Reinhard Mey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mine Puppe mag ich nicht besonders, aber dennoch nehme ich sie hin und wieder zum Mutter-Kind-Spielen bei den Nachbarsmädchen mit.&lt;br /&gt;
Deren Barbiepuppen kann ich nicht leiden.&lt;br /&gt;
Am dam des ja, Kasperl nein.&lt;br /&gt;
Sommerparties mit den beiden Mädchen bei zugezogenen Vorhängen. (Weil wir tanzen.)&lt;br /&gt;
Der Pool der Nachbarsmädchen wird jedes zweite, dritte Jahr ausgewechselt und dabei um mindestens eine Spur größer als sein Vorgängermodell.&lt;br /&gt;
Man darf nicht zu oft zum Baden in ihren Pool, damit man ihnen nicht auf die Nerven geht (sagt oder denkt sich meine Mutter?).&lt;br /&gt;
Die größeren Brüder dürfen samstagabends bei den Nachbarn fernsehen, ich nicht. &lt;br /&gt;
Wenn für die Nachbarin (die &lt;i&gt;untere&lt;/i&gt; Frau S.) jemand bei uns anruft, renne ich über die Brücke über unseren Bach, um sie zu holen. &lt;br /&gt;
Die Eltern wollen immer, dass ihre Gäste viel essen und viel trinken. &lt;br /&gt;
Wenn die Familie M. wieder abgefahren ist (großer Volvo-Kombi), staunen sie dennoch, wie viel die Eltern, aber auch die Kinder gegessen und getrunken haben.&lt;br /&gt;
Es gibt zwei Akademikerfamilien im Freundeskreis der Eltern. Ich verstehe erst viel später, dass wir diesen mindestens ebenso skurril scheinen müssen wie sie uns.&lt;br /&gt;
Nachbar F. organisiert für die Kinder des Dorfes Skirennen hinter seinem Haus. Es gibt Urkunden und Medaillen.&lt;br /&gt;
Gedichte aufsagen: Bei Muttertagen und Feierlichkeiten für die Seniorengruppe vor der versammelten Kirchengemeinde, bei Besuchen des Bezirks- oder Landeshauptmannes. &lt;br /&gt;
Danach soll man nicht herumrennen, weil das schöne Kleid schmutzig wird, wenn man im frisch gemähten Rasen ausrutscht. (Der Rasen ist bei allen Feierlichkeiten immer frisch gemäht.)&lt;br /&gt;
Theater spielen: An Muttertagen, bei Feierlichkeiten der Seniorengruppe und Festlichkeiten des kirchlichen Jahreskreises. Eine Frau aus dem Dorf schreibt Stücke in Dialekt. (Niemals wird sie deshalb Autorin oder Dramatikerin genannt.) Das Proben macht keinen Spaß, aber das Zusammensein mit den anderen danach. Die Aufführung (immer nur eine) macht noch weniger Spaß, aber die Geldgeschenke entschädigen ein wenig.&lt;br /&gt;
Beim Völkerballspielen als letztes Kind gewählt werden.&lt;br /&gt;
Beim Völkerballspielen den dicken A. als letzte Kind wählen. &lt;br /&gt;
Die Zeit des Hausumbaus als Sommer  fast ¬ ohne jede Regel. Es ist gleichgültig, wo mein kleiner Bruder und ich den Tag verbringen (Hauptsache, nicht im Weg und dass ich ihn nirgends verliere), wann wir nachhause kommen und beim Essen müssen wir auch nicht die fetten Ränder vom Fleisch essen. Um den Tisch herum sitzen meistens so viele Leute, dass man auf uns Kinder nicht achtet.&lt;br /&gt;
Der erste Fernseher ist sehr groß; ein Schwarzweißgerät.&lt;br /&gt;
Mit dem Fahrrad ins Freibad und um dreiviertel drei nachhause um Winnetou zu schauen. Wenn es niemand bemerkt, können wir danach noch für eineinhalb Stunde ins Bad zurück.&lt;br /&gt;
Den Frauen, die am Feld arbeiten, Apfelmost bringen.&lt;br /&gt;
Den Frauen, die am Feld arbeiten, mit Wasser verdünnten Most bringen.&lt;br /&gt;
Immer bloßfüßig.&lt;br /&gt;
Zwischen Zehen und an den Fersen kratzt die warme Erde des Ackers.&lt;br /&gt;
Der steinerne Fußboden im alten Vorhaus.&lt;br /&gt;
Die dunkelroten Vorhänge im Elternschlafzimmer.&lt;br /&gt;
Die drei Betten der großen Brüder in Reih und Glied.&lt;br /&gt;
Die Stiege zum Keller, die Stiege in den Dachboden.&lt;br /&gt;
Auf der obersten, breitesten Steinstufe vor der Haustür der tote Hund.&lt;br /&gt;
Die Kälte morgens, auch im neuen Haus. (Vor allem im neuen Haus. Das alte ist zu klein, da schlafen in jedem Raum mehrere Menschen.)&lt;br /&gt;
Im Dunkeln zum Schulbus ist in Ordnung, wenn viel Schnee liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bücher des Cousins in mehreren Regalen.&lt;br /&gt;
Nach der Agatha-Christie-Lektüre in der Volksschule nun Fruttero und Lucentini.&lt;br /&gt;
Von der vier Meter hohen Schaukel bei den Cousinen auf Matratzen springen.&lt;br /&gt;
Darf ich zum Jausnen bei den Cousinen bleiben?&lt;br /&gt;
Man darf nicht zu oft bei den Cousinen zum Jausnen bleiben, weil das die Tante und den Onkel nerven könnte. (Die Cousinen wollen leider nie bei uns zum Jausnen bleiben.)&lt;br /&gt;
Am ersten Schultag verliebe ich mich in einen neuen Mitschüler. C.&lt;br /&gt;
Am ersten Schultag werde ich von seiner Nachbarin von dem Platz neben ihm vertrieben.&lt;br /&gt;
Der Cousin zieht bald zum Studieren weg und seine Bibliothek bleibt zu. Nach ein paar Jahren Krimilektüre nun Mädchenbücher.&lt;br /&gt;
Ich kann Pferde nicht leiden, reite aber hin und wieder auf dem Haflinger einer Schulfreundin.&lt;br /&gt;
Alle Schwestern meiner Mutter schauen gleich aus, nur ihre Größe variiert um zirka zehn bis zwanzig Zentimeter, ich bemerke es erst mit zehn oder elf.&lt;br /&gt;
Die Vorankündung für die Samstagabendschau Wetten daß?&lt;br /&gt;
Skirennen am Nachmittag.&lt;br /&gt;
Heimatfilme, immer wieder.&lt;br /&gt;
Das dunkle Zimmer, obwohl es über dreißig Grad hat.&lt;br /&gt;
Fieberträume.&lt;br /&gt;
Lieder, kaum. (Außer Kirchenlieder.)&lt;br /&gt;
Im neuen Zimmer erste Gottesbeweis-Exerzitien.&lt;br /&gt;
Als ich bemerke, dass es keine Geburtstagstorte und meistens auch keine Geschenke zu meinen Geburtstag gibt, bin ich wahrscheinlich kein Kind mehr.</description>
    <dc:creator>agnesz</dc:creator>
    <dc:subject>Prosa</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 agnesz</dc:rights>
    <dc:date>2012-04-17T01:38:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://angelikaexpress.twoday.net/stories/selmas-brief/">
    <title>Selmas Brief</title>
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    <description>Selma träumt wenig, beim Aufwachen denkt sie an ihre Schwester Chiara und daran, was der Journalist über sie sagte. Wie kam er dazu? Ihr erster Reflex war, dass sie das nichts anging und Verwunderung, wie lange es gedauert hatte, sich an die andere zu erinnern. Schwester. Inmitten der weißen Bettwäsche, die auch beim Aufwachen gut riecht, weiß sie, dass ihn das nichts angeht. Schwester. Sie stellt fest, dass die Telefonnummer, die neben Eltern geschrieben steht, nicht funktioniert und besorgt sich Briefpapier. Chiara, geflüsterte Frage, auf die ich dir nie geantwortet habe. In M. geht Selma auf den jüdischen Friedhof, zum jüdischen Friedhof, dann schreibt sie darüber in einem Brief: Heute war ich auf dem jüdischen Friedhof. Stauden, höher als ich. Mitten auf dem Friedhof eine Mauer, darin sind Grabplatten eingelassen, Teile, Bruchstücke. Zwischen hohen Gräsern und verblühtem Violett und Weiß schauen Grabsteine hervor, darauf ein Davidstern, die Platten neu. Bei einem Eingang zum Friedhof liegen umgestürzte Äste. Überhaupt holt sich die Natur diesen Friedhof, seine Reste. Das Gras steht so hoch, dass man den Eingang gerade so benützen kann. Nachher muss ich mir anhören, dass einzelne Grabsteine für den Wiederaufbau einzelner Häuser verwendet wurden und bin froh, in älterem Gemäuer zu hausen. Der Gedanke an derlei Fundamente macht die Hässlichkeit des Ortes um einiges unglaublicher, schwerer zu fassen. Die Erleichterung allerdings bleibt. Berta, die Grande Dame meines zufälligen Aufenthaltes hier, hatte mir den Schlüssel gegeben. Ich spaziere immer herum, es ist schön. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selma spaziert immer herum, am nächsten Tag setzt sie den Brief fort: wo bist du gewesen? Nein, du hast nicht gefragt, wo ich war, das werden dir ja die Eltern erzählt haben. Wie es war, wolltest du wissen. Wo und wie? Ich bin im Krieg gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Ich im Krieg.) Diesen Satz konnte ich dir nicht sagen, diese Worte mit diesem unfassbaren Sinn konnte ich niemandem sagen. So unerhört war das für mich, dass ich es nicht aussprechen konnte. (Und auch jetzt, da ich daran denke, dir alles zu sagen, fühle ich mich wie der Aggressor, als würde ich dir zufügen, was damals passiert ist um mich herum.) Militärflugzeuge über der Stadt. Niedergewalzte Autos am Straßenrand, umgefahrene Laternenmasten, eingeknickt, verblüht, zersplitterte Gartenzäune.&lt;br /&gt;
Ich war schon ein paar Wochen im südlichsten Süden. Na, was wir halt Süden nannten oder besser die, die damit ihr Geld machten. Praktizierte meine Dienstbotenschaft. Dass die Landschaft schön ist, war mir gar nicht recht, diese Schönheit war mir auch zu protzig. Das Wasser war so klar, das man immer das Gefühl hatte, bis auf den Grund des Sees schauen zu können, obwohl der tief ist wie ein Meer, manchmal bin ich in der Mittagspause hinausgeschwommen. Wenn ich nicht aufpasse, gerinnen diese Wochen zu ein paar schönen Mittagsstunden. Das grüne Blau des Wassers ungeheuerlich. Die Frische jeden Tag neu und überraschend. Ich spürte meine Umrisse ganz deutlich. Da wurde ich eine Person mit Körper und Kopf. Klarheit, sicher. Bin an manchen Tagen ganz in mich hineingetaucht, das wusste ich aber erst viel später und später wusste ich auch erst von der Kontur, und wie wichtig es ist, dass Außen und Innen voneinander zu trennen sind. In einem langen schmalen Gebäude waren die Mädchenzimmer ganz hinten. Und obwohl immer die Sonne schien, obwohl ich mich gar nicht daran erinnern kann, dass es jemals regnete, weil Kälte oder Nässe oder ein Schauern nicht in die Stimmung, nicht in so einen Sommer passten, wie ich ihn da vorgefunden habe als etwas, das allen gehörte, aber hier nur denen, die dafür bezahlten, war mir kalt, wenn ich mich nicht bewegte. Höhlenartig die Konstruktion, eine dunkle Rezeption, Plastiktische auf der Terrasse, mit jedem Tag stieg die Wut auf diesen Schlurf, in dem wir hausten. In der Küche gab es keine Fenster, nur den sehr lauten Abzug und eine Tür ins Freie. Da standen der Koch oder seine Gehilfen, die Abwäscher und ein paar der Kellner, aber nur die Männer, und rauchten und schauten auf die Betonwand, die da mitten im Hof stand, ich habe nicht verstanden warum. Sie redeten alle nicht so viel, aber schauen konnten sie.&lt;br /&gt;
Die Gäste (Männer) fuhren mit dem Boot auf den See, brachten Fische, die in einem kleinen Ofen auf der Terrasse gegrillt oder geräuchert wurden, eine Spezialität am Wochenende. Was sie mit den restlichen Fischen taten, Unmengen nach ihren Erzählungen, weiß ich gar nicht. Ihre Frauen lagen derweil in Liegestühlen, sehr braun, beschwerten sich über das ewige Fischen. Immer gleich. Das Haus war voll. Die wenigen Leute aus dem Ort, mit denen man sich unterhalten konnte, waren stolz darauf, dass sie in einer Gegend mit der höchsten Selbstmordrate lebten und taten so existenzialistisch um anzudeuten, dass auch sie dazu fähig wären. Ich glaubte ihnen allen nicht, brachte sie aber dazu, alten Wein aus den Weinkellnern ihrer Chefs oder Väter zu besorgen. Abends standen alle an der Bar. Die Gäste (Männer) redeten über das Fischen und ihre Frauen beschwerten sich darüber, dass die den ganzen Tag draußen waren zum Fischen und abends dann kein anderes Thema kannten zum Reden. Jeden Abend, jeden Tag. Jedenfalls, ich bin gefahren. Heute weiß ich nicht mehr, ob etwas Spezielles vorgefallen war oder ob sie nur ihre gewöhnlich rassistischen oder sexistischen Witze machten. Kurz vorher hatte der Landeshauptmann gesagt, dass die Regierung in der Hauptstadt, also weit, weit weg, keine ordentliche Beschäftigungspolitik zusammenbringe. Das wurde im Wirtshaus diskutiert wie eine Option. Auf einmal hatte ich es nicht mehr nur skurril gefunden, ich mitten im Grauen. Ich war 19, Berlin sollte die neue Hauptstadt Deutschlands werden, mein Freund wollte hin. Ich wollte in den Süden, in den wirklichen.&lt;br /&gt;
Bestimmt kannst du dich erinnern. Eine Blechkolonne floss bei glühender Hitze den Stränden zu. Wir fuhren ans Meer. In meiner Erinnerung sind wir ewig geblieben, hast du einen Sommer lang mit Steinen gespielt, unser Vater wollte dir das Schwimmen beibringen, aber du wolltest immer nur sitzen, im Sand hocken den ganzen Tag, das Wasser ist um dich herumgeflossen, und ich dachte da: ein komisches Kind, warum rennt es nicht herum? Heute denke ich, dass du einfach noch zu klein warst für meine Auffassung des Sommers oder für jenes unseres Vaters von Kindheit. Steine, eine schlabberige Kappe, die am Ende des Urlaubs ausgebleicht auf der Hutablage lag, die Mutter hob alles auf, um sich zu erinnern. Sie sagte dann: für euch Kinder. In meiner Erinnerung war ich goldbraun und meine Haut fühlte sich immer warm an, das war angenehm und prickelnd der Gedanke, dass die Burschen das auch bemerkten. Zum ersten Mal war ich in einer Disco. Da wollte ich jetzt hin und ich borgte mir von einer Arbeitskollegin ein Auto. Mein erster Text für die Öffentlichkeit, das heißt für meinen Chef und auch für die Kolleginnen ging so: Opa Schlaganfall, ich drei Tage Urlaub, einmal ihn noch sehen. Haben mir alle geglaubt.&lt;br /&gt;
Morgen geh ich auf die Burg. Machs du gut, inzwischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In M., drei oder vier Tage nach diesen Zeilen, kann Selme wieder einmal feststellen, dass sie keine gute Touristin ist. Hat keine Probleme, in der Papierhandlung ein- und auszugehen und sich alle Zeitungen zu holen, die es hier gibt. Aber den Wanderweg, also den offiziellen Wanderweg herausfinden, Öffnungszeiten bedenken und sich eine Dauerausstellung mit Interesse bis zum Ende anzuschauen, gelingt ihr nicht. Auf die Burg ging sie trotzdem und ungefähr dachte sie: eine Burg eben, eine Burg, aber das Marschieren tat gut und sie kehrte zurück zu den Zeilen an Chiara, kleine Schwester: Ein paar Tage war ich mit dem Auto unterwegs, ein roter Renault Kombi, der so groß war, dass man darin zu zweit gut übernachten konnte. Allerdings war das Auto voller Hundehaare, komplett voll und nach der ersten Etappe war ein halbes Kilo heller Haare auf meiner Rückseite affichiert, juckte es in den Kniekehlen und sonst auch überall. War aber egal. Ich war aufgebrochen in ein Land, das ich immer noch in den Farben der Super-8-Filme sah, die früher Onkel Heinz gedreht hatte. Erinnerst du dich an seine Freundin Gabrielle, die Französin? Kennst du die Filme? Keine Erinnerung an unsere Routen. Mir war in diesen Tagen nie in den Sinn gekommen, dass ich abgehauen war, davongelaufen. Ich fühlte mich heldenhaft, weil ich mich befreite, gleichzeitig herrschte in meinem Kopf die allergrößte Selbstverständlichkeit. Ging aber nur im Geheimen. Ich hätte diesen Männern (Gäste!) keine Wahrheit ins Gesicht sagen können. Die Männer waren die Arschlöcher und die Frauen kamen nicht vor. Die anderen Kellnerinnen waren hart im Nehmen, sie waren konsequent, aber sie waren Kolleginnen, von ihnen fühlte ich mich nie bedroht. Den rechten Politiker, vor dem uns in der Schule schon die Deutschlehrerin gewarnt hatte, haben sie zwar abgewählt, aber er kam ja immer wieder, brauch ich dir nicht zu erzählen. Einmal sagte er, dass seine Auferstehung nach der von Lazarus wahrscheinlich die spektakulärste war. Mittlerweile haben sie ihn selig gesprochen, das machen sie dort selber. Partei und Familie. Wie hatte ich in einem solchen Land leben können? (Dachte ich damals. Überzeugt, dass dieser Zustand nicht mehr lange andauern würde. Und lebe doch immer noch, lebe wieder hier.)&lt;br /&gt;
Den Laden der Eltern wollte ich nie übernehmen. Zwar haben sie mich nicht gezwungen, immer nur Vorschläge gemacht. Und einen angeschaut dabei, als müsste man ihnen sehr dankbar sein. Jetzt hatte ich mein Praktikum abgebrochen, ohne dass jemand davon wusste. Ich verbrachte ein paar Tage am Meer, eine kleine Halbinsel, Kleinstadtidyll, das gar nicht so sehr an jenen Süden von vor ein paar Jahren erinnerte. Wie nahe dieses harmlose Paradies dem Wahnsinn doch war, in den ich gerade eben noch wie eine Dienstbotin geschickt worden bin. Eine Familie gab mir ein Zimmer, das hatte ein Fenster auf den gerade noch blühenden Garten, der voller selbstgebastelter, windschiefer Möbel war. Das Land sollte ja unabhängig werden, in diesen Tagen. Ich habe nicht viel darüber nachgedacht. Verstand erst langsam jene Aufregung der Eltern, als die Mauer fiel, die Erleichterung, den Jubel. Sah erst nach und nach die größeren Zusammenhänge. Unabhängigkeit, das hat mir sehr gefallen. Panzer gegen junge Menschen, gegen Demokratie, gegen die freie Meinung, Zukunft. Die Bilder von Tiananmen hatten mich aufgeweckt aus meinem kindlichen Schlaf, vielleicht erst jetzt. Unruhe war zu spüren, auch eine leise Feierlichkeit; und auf einmal war ich ganz fröhlich, hier zu sein, war es etwas Besonderes und wir (mein Freund Markus, den du den Langen nanntest, und ich, die in Ljubljana auf ihn wartete) würden das erste Mal in unserem Leben an einem bedeutenden historischen Ereignis teilhaben. Nach Berlin können wir immer fahren, hatte ich ihn überredet: Es war schließlich Sommer. Ursprünglich wollten wir uns an seinem Zeugnistag in einer kleinen Stadt kurz vor der Grenze treffen und mit Zug und Autostopp weiter Richtung Kroatien. Jetzt gab es einen Plan B, Treffen in Ljubljana, eine Woche früher, Hotel Park, niemand durfte etwas davon wissen. Ein Geheimnis. Ins Weite, ins Blaue. Ich wollte nur dahin gehen, wo mir niemand etwas anzuschaffen hatte, weg von diesen Idioten, denen der Sabber um den Mund hing, wenn sie einen im Badeanzug trafen, weg von dem trotteligen Chef, dessen größte Freude frisch polierte Aschenbecher waren. Der seine Freundin oder Frau mit Freundinnen seiner Tochter verarschte und mit seinem Nazinachbarn Kreditraten verhandelte für den Zubau. Weg aus diesem braunen Sumpf. Kalkulierte Wiederbetätigung wurde süffisant bedauert. Es war so ekelhaft. Was für ein Geheimnis. Ich war 19 und hatte seit ein paar Wochen den Führerschein. Ich war in einer unübersichtlichen Stadt gelandet, alles war gut, es war sehr aufregend. Das Meer wartete auf mich und ich wartete auf meinen Freund und wir würden den Sommer in Jugoslawien verbringen und ich würde meinen ersten Roman schreiben oder Gedichte und vielleicht würden wir gar nicht mehr zurückkommen. &lt;br /&gt;
Am Mittwoch sollte die Unabhängigkeit ausgerufen werden, einen Tag vorher war ich in L. angekommen. Einer redete von den tausendjährigen Träumen, die nun in Erfüllung gehen sollten, auf Deutsch. Der Platz vor dem Parlament war voll mit Menschen, es war ein warmer Sommerabend und als die Feier begann, donnerten Militärflugzeuge im Tiefflug über die Stadt. Die Stimmung blieb freundlich, die Leute waren aber nicht so ausgelassen, wie sie es hätten sein sollen, es war auch ein bisschen gespenstisch, aber ich dachte, am nächsten Tag würde alles vorbei sein und das Land frei. In der Früh erzählte der Kellner in der Hotelbar von den Soldaten, die mit Waffen zur Panzerabwehr auf den Plätzen der Stadt unterwegs waren, von den Rekruten mit Maschinenpistolen im Anschlag, nichts war vorbei. Panzer rollten auf die Stadt zu. Straßensperren. Ich hatte ein Zimmer im 8. oder 9. Stockwerk, ein Doppelzimmer, in dem die Betten nicht nebeneinander, sondern Kopf an Kopf standen, ein schmales Zimmer mit einem winzigen Bad. Ich saß am Fenster und schaute auf die Burg, dann wieder, immer wieder auf den kleinen Platz, über den man von der Lobby aus das Restaurant erreichte. Wenn ich das Fenster aufmachte, war nichts zu hören. Alles ruhig. Eine Stadt ohne Geräusche. Diese Stille machte mich sensibel für meine Angst. Ich wusste nicht, wie viel davon in einem drinnen sein kann. Die Telefonleitungen im Hotel funktionierten die ganze Zeit. Auch das Faxgerät. Ich rief niemanden an. Ein Geheimnis. Ich wünschte mir eine Idee, wie es weiterginge, per Fax oder telefonisch, ich rechnete damit, dass Markus mir absagen würde. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass jemand von außen sich vorstellen konnte, wo ich mich wirklich befand. Dieser Ort war jetzt kein Geheimnis mehr, dieser Ort und ich mit ihm hörte auf zu existieren. Reise in den Süden. Ein paar Urlauber waren noch im Hotel. L. war eine belagerte Stadt. Die Tiefgarage des Hotels wurde zum Luftschutzkeller. Ich dachte an den Krieg, den ich peripher über den Fernseher konsumiert hatte. Die Straßen waren verbarrikadiert und über dem Zentrum war ein Hubschrauber abgeschossen worden. Im Kopf Schwarzweißbilder von Luftschutzkellern mit kleinen Buben, die Hosenträger zu den kurzen Hosen trugen. Verschüttete. Einige der alten Frauen in der Tiefgarage dachten auch daran und ich glaube, sie redeten immer wieder darüber. Im Zentrum der Stadt in einem Land, das sich im Krieg befindet. Da gab es auch keine Farben mehr, vor allem aber gab es keinen Weg ins Freie für mich.&lt;br /&gt;
Denke ich jetzt daran, ist es eher wie in meiner Wohnung oder in meinem Leben und das ist das Gleiche: Ich versinke immer. Die Mutter hatte damals gesagt, sie habe mich, von einem Panzer überfahren, in einem fremden Auto, am Straßenrand, an der Autobahn gesehen. Auch abgeschossen durch ein Seitenfenster; getroffen von Granatsplittern. Ich war ihr vorher schon abhanden gekommen. Oder sie mir. Zurückkommen war dann nicht mehr möglich. Zu dir hätte ich durchdringen wollen, aber was wissen wir voneinander? Du warst ein kleines Mädchen, das ich beschützen wollte vor der Welt, vor all dem Bösen, das dir Sterntalerin nicht zuzumuten war, vor den Eltern, dieser grimmigen Einheit, gegen die nicht anzukommen war. Nach einer Weile hätte ich nur mehr sehr viel schlechtes Gewissen für dich gehabt und was hättest du damit angefangen. Später sah ich dich auf der Elternseite, vollkommen infiltriert, dabei wusste ich gar nichts von dir. Wieso hatten wir immer nur Fremdheit füreinander übrig, als hätte es die ersten zehn Jahre nicht gegeben? Von da an war ich ja ausgestoßen und, cara Chiara, ich habe auch dir die Schuld gegeben. Weil du immer meine kleine Schwester geblieben bist, die im kommenden Herbst mit dem Gymnasium anfängt. Mit der erfolgreichen jungen Frau, die so oberflächlich und gut organisiert, aber in erster Linie zielsicher ihre Zukunft ansteuerte, wollte ich nichts zu tun haben. Ich sah in deinem Gesicht das Funkeln unserer Mutter, deren Überzeugung, alles richtig zu machen und ich erkannte auch den Vater, geschwätzig und stur und doch immer kleingeistig dabei. Was ich nicht alles sah in dir.&lt;br /&gt;
Im Hotel Park kam nie ein Fax für mich an und weißt du, Markus habe ich auch nie wieder gesehen. Ich habe ihn verstanden, sicher, wer wollte schon ins Kriegsgebiet reisen?, aber ich konnte nie begreifen, dass er sich gar nicht bemühte, unser Geheimnis, das dann eben nur mehr meins war, für sich zu behalten. Ich hatte auf ihn gewartet, am Freitag kam er nicht, am Samstag kam er nicht. Die anderen Österreicher und Deutschen waren alle abgereist, bis auf einen, der den Kriegshelden spielen wollte, ich hatte Angst vor ihm und für ihn, so etwas wie Abscheu fühlte ich auch. Er konnte sich auf Serbokroatisch unterhalten, aber Slowenisch sprach er nicht, immer lief in der Bar der Fernseher und es war schwer auszuhalten, dass das, was man auf dem Bildschirm sah, draußen und um einen herum Realität war. Auf einem deutschen Radiosender redeten sie von dem Pulverfass. Was ich auf die Stadt und ihre unmittelbare Umgebung bezog. Wie groß und tief dieses Fass war, konnte ich im Hotel Park in Laibach überhaupt nicht erkennen. Der Flughafen nahe der Stadt wurde bombardiert und angeblich wurden auch private Autos beschossen. Zivilfahrzeuge, was für ein Wort. Ich war auch mit einem Zivilfahrzeug unterwegs, und zwar mit dem roten Renault Kombi von Marlies, einer freundlichen und immer gut gelaunten Kellnerin, die bis in den Oktober Riesentabletts zehn oder mehr Stunden täglich in den Gastgarten, in die Gaststube schleppen würde und zusätzlich an zwei Abenden in der Woche in einer Diskothek auf der anderen Seite des Sees hinter der Bar stand, um im Winter nach Indien zu reisen, wie schon in drei Jahren vorher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altweibersommer. Selma trinkt in dem Kaffeehaus, das zu einer Blumenhandlung gehört, regelmäßig Tee, nur wenig überrascht, dass er ausgezeichnet schmeckt, sie gar nicht an den russischen Tee erinnert, den ihre Eltern vor vielen Jahren in der Speisekarte stehen hatten und der fast immer mit Zitrone oder Rum getrunken wurde. Die Veranstalterin und ihren Mann oder das junge Paar trifft sie nie in diesen Tagen, das verwundert sie, und dann auch wieder nicht, mag an den verschiedenen Tagesabläufen zu tun haben. Niemand, der einem Beruf oder einer Ausbildung nachgeht, kann so viel spazieren und wandern wie sie in diesen Tagen. Und die Pensionistinnen, die ihr immer wieder über den Weg laufen und die auch im Café beim Blumengeschäft verkehren, würden das konditionell nicht schaffen. Außerdem sehen sie darin wahrscheinlich keine besondere Notwendigkeit, haben ihre Wege, die kleinen. Nach einer Woche, in der sie keine Zeile geschrieben hat, ruft sie ihren Verleger an und erzählt ihm von dem Roman, den sie gerne so schnell wie möglich veröffentlichen würde und sie verabreden sich, sobald er und sie wieder in der Stadt sind. Es ist nicht wahr, dass sie keine Zeile geschrieben hat, aber ihre Zeilen an die Schwester werden nicht in das Buch hineinfinden, da gehören sie nicht hin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cara Chiara, ich mache hier regelmäßige Spaziergänge und darüber ist eigentlich kein Aufhebens zu machen, aber wenn wir uns besser kennen würden, wüsstest du, was es mir bedeutet, jeden Tag in dieses saubere übersichtliche Zimmer zurückzukehren. Ich esse regelmäßig und gut, wehre mich aber, mich von Berta, meinem Schutzengel, vollends mästen zu lassen. Ich fühle mich wohl und bin gar nicht erschrocken über eine Art des dezenten Familienanschlusses oder auch meine Funktion als Ersatz, denn ihre Enkelkinder, die auch schon in meinem Alter sein müssen, sind in alle Winde verstreut und auch wenn sie sie regelmäßig besuchen, fehlen sie doch sehr. Sie glaubt, ich schreibe. Als ich ihr Wirtshaus betrat, hat sie mich angenommen, unter ihren Schutz und Schirm. Ich hatte ihr erzählt, dass ich ein bisschen frische Luft tanken will, bevor es wieder weiterginge. Ein bisschen den Kopf auslüften. Sie schickt mich auf verschiedene Wege, ich kenne schon einiges an Gegend. Die Trafikantin kennt mich mit Namen und mir ist das gar nicht unangenehm. Ich habe mir Turnschuhe besorgt und seither marschiere ich eher als dass ich flaniere. Manchmal denke ich an unsere Mutter, aber es interessiert mich nicht besonders, wie sie ihre Tage verbringt. Was ist mit der Wirtschaft? Schon verkauft? Verpachtet? Das hat nichts mehr mit mir zu tun und ich bin wirklich froh. Es würde mir leid tun, wenn ich dir alles aufgehalst habe, was wir uns doch teilen hätte können. (Wenn ich diesen Satz lese, kommt er mir falsch vor, entschuldige. Ich mag aber nicht mehr versinken, ich mag nicht mehr untergehen. Deshalb wähle ich jeden Tag einen neuen Weg, einen, bei dem es etwas zu schauen gibt. Obwohl das gestern Gesehene ebenso neu ist und unbekannt. Ich will nicht untergehen.)&lt;br /&gt;
Der Kriegszustand hatte sich in mir breitgemacht. In der zweiten Nacht war ich in ein großes Zimmer im ersten Stock gezogen, eigentlich waren es zwei Zimmer, mit protzigen, hässlichen Möbeln, einem großen Badezimmer ohne Warmwasser und ohne Aussicht. Da wartete ich noch auf meinen Freund. Später wartete ich darauf, dass etwas geschehen würde. Etwas, dass die Situation verändern würde. Ich wartete natürlich auf das Ende, ich lernte aber in diesen Tagen und Stunden, dass immer Krieg sein würde. Wie lächerlich war, was hinter mir lag und wie sinnlos würde sein, was noch kommen konnte. Wenn ich jemals aus diesem Zimmer, aus der Hotelbar, aus der Parkgarage hinauskommen würde. Ich verbrachte vier Tage im Hotel Park, das den offiziellen Betrieb in diesen Tagen eingestellt hatte und das sich gar nicht wie Europa gelegen anfühlte, aber in Wahrheit hatte ich damals und auch heute keine Ahnung, was das sein sollte, Europa. Was es sein wollte. Da dies möglich war und um mich herum geschah. Heute exportiert Europa seine Grenzen in diese Nachbarländer. Die erledigen unsere Polizeiarbeit. Dafür dürfen sie teilnehmen.&lt;br /&gt;
Ein paar der Kellner und Kellnerinnen, Zimmermädchen lebten jetzt in dem Hotel wie ich. Wir blieben aber Fremde. Manche sorgten sich um mich, rieten mir endlich abzureisen, es gab auch misstrauische Blicke oder solche, die ich nicht verstehen konnte. Ich war in ein Loch gefallen, ein paar schauten mir nach, wir verstanden uns ja alle nicht. Bis zu dem Tag der Unabhängigkeitserklärung hatte ich ein Tagebuch geführt. Ich wollte ja Dichterin werden und ich brauchte Stoff und Inhalt und alle meine Gedanken musste ich festhalten, damit sie in meine Texte eingehen können und Großartiges auslösen. Ob ich Gedichte schreiben würde oder Romane, darüber hatte ich nie nachgedacht. Jetzt blieben die Seiten leer. Schade, aber das denke ich erst heute. Ich weiß, dass die Vorurteile dir gegenüber auf der Tatsache beruhen, dass du das Kind unserer Eltern bist, und dass das ziemlich unfair ist, insgesamt. Vielleicht führe ich ja ein Selbstgespräch. Dennoch erwische ich mich in den letzten Tagen bei dem Gedanken, ein Nachhausekommen könnte möglich sein. Zu dir. Was für eine Zumutung das sein muss für dich, verzeih mir.&lt;br /&gt;
Früh ging es am Sonntagmorgen aus der Stadt hinaus, wir fuhren in Richtung Norden, und dann irrten wir den halben Tag um die Stadt herum. So kams mir vor: Als umkreisten wir Ljubljana, dabei wollte ich doch weg. Wollte ich das? Zertrümmerte Lkw am Straßenrand, wie hätte ich wissen sollen, was alles zerstört werden konnte. Wie hätte ich wissen sollen, wie das ist: Ferngesteuert durch eine Landschaft fahren, die ganz und gar versehrt ist und damit meine ich gar nicht die Reste der Barrikaden und die angeschossenen Wracks, aber die meine ich auch. Wir waren unsicher, wohin es gehen sollte. Den ganzen Tag verbrachten wir, denn ich hatte den Kriegshelden mitgenommen, der mich doch nur beschützen wollte, der genausowenig wie ich wusste, was als nächstes passieren würde, den ganzen Tag verbrachten wir fahrend, dann wieder wartend und mit anderen Fliehenden redend, auf und vor allem neben der Straße. Übernachteten in einem Wald. Am nächsten Tag änderte ich die Richtung, kurz nach Mittag traf ich in Triest ein. Allein. An der Grenze kontrollierten sie uns gar nicht, winkten uns durch und riefen nur, auf Italienisch und dann in einem Deutsch, das mich an unsere Großtante erinnerte und an ihr deitsches Reich, schauts, dass aussi kummts. Der Kriegsheld hatte mich nach der Grenze verlassen, wir hatten uns die Hand gegeben und gar nichts gesagt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe Chiara, ich bin immer noch hier, ich weiß in Wahrheit nicht, warum, es tut nur so gut. Mit der heutigen Übernachtung habe ich mein Honorar von der Lesung in dem Kulturzentrum aufgebraucht, ich lebe über meine Verhältnisse und mache mir keine Gedanken, wie es weitergeht, so war es seit jeher. Es kommt mir wie ein Geständnis vor, wenn ich dir erzähle, dass ich ein paar Jahre kaum mehr aus der Stadt hinausgekommen bin. Hin und wieder eine Lesung, sogar zu Podiumsdiskussionen werde ich eingeladen, auch jetzt noch, obwohl meine letzte Veröffentlichung schon fast fünf Jahre her ist. Aber spätestens am nächsten Morgen sitze ich wieder im Auto oder im Zug, treibt es mich nachhause, dieses Zuhause ist schrecklich. In diesem Zuhause sind die Schwierigkeiten, sich auszubreiten, die allergrößten. Seit ich den Kampf gegen das Erinnern aufgegeben habe, wächst mir alles über den Kopf, sprichwörtlich. Da konnte ich zu dir nicht mehr hindurchschauen, und dieser Blick wäre der einzige mögliche gewesen. Schwestern. Ich weiß, dass diese biologische Verbindung für dich nicht wichtig ist. Familie. Keine Ahnung, was das noch soll. Aber wir haben ein paar Jahre gelebt, zählt das? Vielleicht haben wir sogar nur uns. Pathetische Worte denke ich, wie ich sie nie schreiben würde. Was alles. Hinschreiben, denn es ist nur ein Brief? Du bist die Einzige, mit der ich reden will. Es sollte keine Ausrede sein für mein jahrelanges Abtauchen, für mein Verschwundensein. Ich habe versagt als große Schwester, das weiß ich. Ich wollte dennoch erzählen. Der Rest ist nicht mehr so wichtig. Ich kam zurück, nachdem mein erstes Buch erschienen ist und ich, wie es sich für eine junge Schriftstellerin, naiv und hoffnungsvoll, gehört, geglaubt habe, jetzt würde meine große Karriere starten. Dass ich immer noch als Schreibende lebe, erstaunt mich immer wieder, es ist eine Form des Alltags geworden. Ich habe mir bald geleistet, weder Vorlesungen zu halten noch sonst zu unterrichten, aber das war vielleicht nur meine Angst vor der permanenten Konfronta¬tion mit den immer jungen Leuten, mich hat es nach ein paar Jahren immer disparater gemacht, dieser stete Beginn, dieser Anfang vom Anfang und es ist doch schon alles verloren. &lt;br /&gt;
Sei mir gut, trotz allem, was ich dir erzählt habe und trotz meines Schweigens, das ziemlich lange gedauert hat. Deine Selma&lt;br /&gt;
PS : Als ich das erste Couvert an dich schicken wollte, stellte ich fest, dass ich deine Adresse nicht habe. Wenn das keine Schande ist. Unsere Mutter weiß die genaue Anschrift nicht, auch nicht besser. Ich werde Detektive losschicken, um dir diese Zeilen zukommen zu lassen. Ach, Chiara, es sollte sich alles ändern zwischen uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Aufbruch aus dem Gasthof Stadtkrug fällt Selma schwer und leicht. Wie lange nicht hat sie das Gefühl, neu anzufangen, woanders anzusetzen, diesmal. In Selmas Nase vermischen sich ein Parfum aus ihrer Kindheit und der Geruch von Wirtshausküche und altem Holz, der drahtige Körper scheint sich zu dehnen, als Berta darauf besteht, dass eine Umarmung zu ihrem Abschied gehört. Wenig später fährt Selma durch den runden Bogen des Hoftores, die Wirtin steht in der Tür, die Hände auf der tadellos weißen Schürze übereinandergeleg und die Abreisende ist fast ein wenig enttäuscht, dass die alte Dame ihr nicht winkt, dann muss sie lachen und fährt davon. Zu dem Kindheitsparfum und der Wirtshausküche, zu dem alten, ein bisschen schmierigen Holz gesellt sich die Erinnerung an geschnittenes Heu, an warmes Reisig, an die Luft beim Auftauchen aus dem kühlen Wasser. Fährt nachhause. Ohne sich vorzunehmen, dass alles anders werden muss, sie anfangen müsse, auszuräumen, endlich sortieren. Sie könnte ein paar Pflanzen wegschmeißen, das ja. Das wird kurz nach der Auffahrt auf die Autobahn ein Entschluss, den sie vorsichtig, vorsichtig für sich formuliert, mach dich nicht lächerlich, mach dich nicht krank. Einfach nur die toten Pflanzen. Tote Tiere würdest du auch nicht aufheben, siehst du. Sie imaginiert den Tonfall ihrer Schwester. Sie erfindet deren besänftigenden Monolog in dieser Sache. Hätte sie gern. Und wirklich, nachdem sie angekommen ist, geht sie in ihre Wohnung und schafft zwei Palmen, einen Gummi¬baum (bescheuerte Pflanze, auch ausgetrocknet) und mehrere Kakteenge¬wäch¬se in ihren Kofferraum. Stellt fest, dass sie die Rückbank umlegen kann und dadurch den Kofferraum wesentlich vergrößert. Wieder steht sie in ihrem Vorraum, streift durch Küche und Wohn-/Schlafzimmer und Bad und packt die kleinen Blumentöpfe, in denen vor Jahren etwas geblüht hat, in eine Plastikkiste. Die befüllt sie dreimal. Sie räumt sogar einen sehr hohen Stapel Zeitungen zur Seite, um an ein Gewächs, das wahrscheinlich seit sehr langer Zeit keine Blätter mehr hat, zu gelangen. Parcours. Dann sitzt sie mit der Post der vergangenen Tage im Auto und schaut die paar Rechnungen durch, Kopien von Besprechungen und eine japanische Ausgabe ihres ersten Romans. Wie schön. Fast hätte sie nicht die Kraft, das vertrocknete Grünzeug wegzuschaffen, aber der Gedanke, dass der Innenraum des verlässlichen Gefährts zuwächst wie ihre Wohnung, bestärkt sie denn doch, den Mistplatz anzusteuern, den Weg dahin lässt sie sich von ihrer Freundin am Telefon erklären. Es fühlt sich gut an, ein sportlicher Mann in oranger Latzhose hilft ihr äußerst charmant beim Ausladen und bietet an, sie könne den Staubsauger benutzen, er sieht freundlich über die Abfälle im Vorderen des Wagens hinweg, die immer noch da sind, als Selma und er bereits alle Pflanzen in den großen Container geschmissen haben, aber Selma sagt: Ach, ich muss sowieso an der Tankstelle vorbei zu einer Generalreinigung. Und weil sie einigermaßen erstaunt ist, wie leicht ihr dieser Satz über die Lippen gekommen ist, macht sie das auch. Sie fährt zu einer Tankstelle, entmüllt ihr Auto, saugt gründlich und wischt mit einem Spezialtuch, das sie im Shop kauft, die Armaturen und die Fenster innen, dann fährt sie noch in die Waschstraße. Diese Aktion kostet sie ihr letztes Bargeld, sie ist guter Dinge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selma sitzt im Kaffeehaus, das sich in direkter Nachbarschaft zu ihrer Wohnung befindet. Hier kann sie ihren Kaffee auch ein andermal bezahlen, was sie nicht häufig macht, weil es ihr unangenehm ist, aber hin und wieder ist es schon vorgekommen. Sie will mindestens dreitausend mehr Vorschuss als beim letzten Mal, wenn sie davon ausgeht, dass ungefähr gleich viele Bücher verkauft werden, ist das Geld nach zwei Jahren, spätestens drei hereingespielt, kein besonderes Risiko für den Verlag also. Sollte der Verleger nicht einverstanden sein, würde sie das Angebot einer jungen Verlegerin andeuten, mehr nicht. Sie war zu früh gekommen und je länger sie wartet, desto unsicherer wird sie. Nicht doch viertausend mehr? Dann Panik, vielleicht gibt er nur so viel wie für die letzten beiden Bücher. Es ist lange her, dass sie sich gesehen und gesprochen haben, sie weiß auch nicht mehr, wie er tickt. Selma bestellt Schwarztee. Mit leuchtend weißem Hemd und im schwarzen Anzug entert der Verleger das Kaffeehaus, er sieht nicht aus, als wäre er eben acht Stunden im Zug gesessen oder hätte einen halben Tag mindestens auf der Autobahn verbracht. Er wirkt auf Selma jünger als beim letzten Mal und sie sieht nicht nur die Vorschusshöhe gefährdet, sondern überhaupt eine weitere Zusammenarbeit, darauf war sie nicht vorbereitet, sie fühlt sich zerknittert und alt. Der Verleger strahlt sie an, er ist sehr freundlich, will sofort eine Flasche Sekt oder Champagner bestellen um auf das neue Buch anzustoßen, aber sie haben weder Sekt noch Champagner im Kaffeehaus, der Verleger sagt: Dann brauchen wir aber den besten Weißen, den ihr habt und die Kellnerin bringt ihnen den Wein, den Selma manchmal trinkt, wenn der Hauswein aus ist. Das Geheimnis seiner Jugendlichkeit liegt anscheinend in seiner zweiten Karriere als Marathonläufer, über die Literatur habe er zum Laufen gefunden, aber jetzt könne ihn nichts mehr retten. Autoren schreiben Bücher, fangen dann an zu rennen, zwangsläufig folgen Bücher, in denen es ums Laufen geht, um den langen Atem, run. Dann liest ein Leser ein Buch übers Laufen und fängt selber damit an. Freundschaft zwischen Autoren und Verlegern ist nur auf der Laufstrecke möglich, immerhin über vierzig Kilometer, das ist nicht wenig. Heute verlegt der Verleger selber Bücher über diese Rennerei, nur er selber hat noch keins geschrieben, kann sich nur um ein Versehen handeln. Selma fragt sich, ob er mit seinem Gesicht etwas hat machen lassen. Sie soll erzählen. Selma redet über vergangene Sommer, über Aufbrüche oder den Wunsch, alles hinter sich zu lassen, damit es anfangen kann. So wie es oft gewesen ist. Die Geburt Chiaras und das Kriegsrecht in Polen hingen unmittelbar miteinander zusammen, auch wenn für sie zuerst die Ankunft der kleinen Schwester mehr und sichtbare Veränderung brachte. Sie hat sofort die Bilder vom Stubenwagen im Kopf. Bis zur Geburt lag ihre Puppe darin und ein kleiner Hase, alles in Sepia gehalten, die großen Ornamente auf den Röcken oder Kleidern ihrer Mutter, deren Schwester, die Bilder aus Danzig kennt sie nur aus der Zeitung, und das muss ja auch später gewesen sein. Wie alles zusammenhängt, wie alles zusammengehört, wie es aufeinanderfolgt, auch wenn Jahre dazwischen liegen. Damals hatte schon eine Zukunft angefangen, es lag an diesem kleinen Baby, mit dem nichts anzufangen war, es lag daran, wie die Erwachsenen miteinander redeten, warme Strahlen auf der Haut und ein paar Menschen, von denen du weißt, sie sind in der Nähe. Aber die Älteren brauchten auch ein Immer, um die nächste Zeit halbwegs würdevoll zu überstehen oder zu begleichen. Allem mussten sie ein Pickerl draufkleben, lebenslang. Wie sie Häuser gebaut haben und im Garten saßen ganze Wochenenden, die Plastikpools aufgestellt haben, alle paar Jahre einen etwas besseren, etwas stabileren, aber für ein in den Rasen eingelassenes Betonbecken hat es dann doch nie gereicht. Ist alles nicht mehr kompatibel, sagt Selma, der Rest ist bekannt. Rienne va plus. Das Strahlen des Verlegers verrutscht um keinen Millimeter. Er holt aus zu einer weitgeschwungenen Rede (denkt Selma): Zuerst einmal. Du hast einfach keine Lust über einen unfertigen Text zu sprechen, stimmts? Weißt ja, was ich davon halte. Es ist so wichtig, dass sich die Künstler damit auseinandersetzen. Und nicht vor den Karren spannen lassen, das ist meine Meinung. Du gehörst zu den allerwichtigsten Autoren unseres Hauses, auch wenn wir nicht immer den gleichen Ausgangspunkt haben, unterstütze ich dich voll und ganz, keine Kompromisse, das bleibt das Wichtigste, ich stehe voll hinter dir, wollte ich noch einmal gesagt haben. Das war die Rede? In einem Roman von dir wird das ja vielleicht weniger realistisch daherkommen, kann das sein? Ich bin sehr gespannt, sehr neugierig. Ich bin froh, dass du wieder schreibst. Wieder was veröffentlichen willst. Ich hab übrigens einen Vorschlag. Wie wäre es, wenn du wieder einmal in diese Maison Raymond fahren würdest? Da kannst du vollkommen ungestört und konzentriert den Text fertigmachen. Und wenn du, er tippt etwas in sein I-Phone, gut vorankommst, könnten wir den Roman im nächsten Herbst bringen. Ich weiß, das ist jetzt kurz. Selma unterbricht ihn, sie sei schon so gut wie fertig, der Text müsse noch ein wenig liegen, dann würde sie noch einen Durchgang machen, zu Weihnachten liege ihr Manuskript auf seinem Gabentisch. Und, Maison Raymond? Wie wäre das für dich? Da hast du schon einmal einen Bestseller geschrieben. &lt;br /&gt;
In dem wunderschönen Dorf im schweizerischen Jura, wo sie immer wieder gedacht hatte, sie sei ja eigentlich in Frankreich und es ist ja auch die Grenze nicht sehr weit weg, ein paar Kilometer nur. Sie hatte alle Restaurants in dem kleinen Dorf aufgesucht (es gab wahrscheinlich nur eines oder zwei) und die in den umliegenden Nestern, Bauerndörfern, keinen Städten, die früher von der Eisenindustrie, vor allem aber von der Landwirtschaft gelebt haben, und in den Gemeindewirtshäusern und Restaurants, in den Boulangerien und Cafés aß sie günstig und gut wie in Frankreich, immer Plat du Jour; stundenlang streifte sie durch die Wälder, anfangs irritiert über die Vielzahl an Möglichkeiten und auch die legere Beschriftung, die sie immer wieder, vor allem in den ersten Tagen leicht nervös gemacht hatte, aber sie verirrte sich nicht und wenn sie sich verirrte, wenn sie an einer anderen Stelle aus dem Wald herauskam, als sie erwartet hatte, dann war es auch gut. Die Wälder erinnerten sie an jene ihrer Kindheit, aber vielleicht waren es eher die Wiesen, die sie so sentimental werden ließen, dass sie sich, wenn sie aus dem Wald auf eine blühende Wiese schritt, sich fühlte wie eine Märchenfigur, stundenlang konnte sie alleine gehen ohne einen Menschen zu sehen und die Wälder waren in einem guten Zustand, wurden genutzt, das sah man, so dass sie sich manchmal ein paar hundert Jahre zurück wähnte, und also im Märchen, da sie ja an die Geschichte nicht glaubte. Einmal pflückte sie sogar einen Wiesenstrauß, konnte gar nicht anders, und den Strauß von Wiesenmargariten und anderen Blumen, die sie seit urlanger Zeit nicht mehr auf einer Wiese mit hohem Gras blühen gesehen hatte, stellte sie auf ihren Schreibtisch. Auf jenes kleine Holztischchen, an dem sie in der ganzen Zeit nie saß, nur manchmal verfasste sie vor dem Haus eine Notiz, an die sie keine Erinnerung hat und die bestimmt nicht in den Roman, den sie danach veröffentlichte, hineingefunden hat, wahrscheinlich kontemplative Gedanken über die gut erhaltenen Wälder, über die Männer, die sie beim Holzschlag (Coup des Bois) angetroffen hatte oder über die Rehe, die nicht besonders scheu knapp vor ihr ins Gestrüpp gesprungen waren, dunkelbraune Rehe mit schwarzen Haaren auf dem Kopf. Ein Dichter arbeitete in derselben Zeit ein paar Tage oder eine Woche in der Maison, ein dezenter, genauer Mensch, der am Ende seines Aufenthaltes voller Freude erzählte, dass er jetzt den Roman, an dem er ein oder zwei Jahre gearbeitet habe, vernichten werde, in den Mistkübel seines Computers damit. Richtig fröhlich war er und Selma freute sich mit ihm über seine Großzügigkeit, seine Courage, die beiden doch auch sofort wieder ganz selbstverständlich war. Mit guter Farbe im Gesicht und auf den Armen von den stundenlangen Wanderungen fuhr sie wieder nachhause, aber ohne eine einzige Zeile, ohne ein Konzept oder eine Idee, die einen Anfang gemacht hätte für den Roman, den sie ein paar Wochen später dem Verlag schickte und von dem der Verleger nach ein einigen Gläsern Wein sagte, er spüre die Luft des Jura und er rieche die Walderde, wahrscheinlich hatte sie ihm davon auf einer Ansichtskarte geschrieben. Und Selma wollte ihm entgegen: Du riechst die Moneten, oder? Aber sie konnte ihn nicht kränken, er war ein umsichtiger Verleger, der sie machen ließ, was sie wollte. Eine gute Entscheidung für alle Beteiligten. Sie hatte ihm sicher auch geschrieben, dass sie fleißig arbeitete und viel ging und am Schluss des Textes hatte sie hingeschrieben: verfasst in der Maison Raymond, April 2002. &lt;br /&gt;
Aber wenn du meinst, dass du das wieder einrichten kannst für mich, spricht sicher nichts gegen einen Arbeitsaufenthalt in der Westschweiz. Was war denn das zweite? Zum zweiten. Zum zweiten, ich hab ja gar nicht gewusst, dass du eine Schwester hast!&lt;br /&gt;
Eine Obdachlose, wie ich.&lt;br /&gt;
Nach der Flasche Wein lädt der Verleger sie ins Restaurant gegenüber ein und während des Essens besprechen sie die finanziellen Belange. Selmas Forderung winkt der Verleger zwar nicht ab, aber er beteuert, das noch mit seinem Finanzchef abklären zu müssen (als sei nicht er der Verleger, sondern sein Angestellter, der für ihn die Kalkulationen machte), er sei aber einigermaßen zuversichtlich, sie solle ihn nicht auf den Cent festnageln, er tue auf jeden Fall, was er könne, schließlich erwarte er das auch von ihr. &lt;br /&gt;
Selma hat die Briefe an ihre Schwester zwei Tage zuvor weggeschickt, nachdem sie nach unzähligen Telefonaten auf eine ehemalige Arbeitskollegin Chiaras getroffen war, die ihr den Namen ihres Vermieters sagen konnte. Der stand im Telefonbuch, wohnte anscheinend im selben Haus. Weil sie sich auf das locker dahinfließende Gespräch mit einem Mal nicht mehr konzentrieren kann, was ihr Verleger als Schreibkraft auslegt, die anscheinend in ihr arbeite, verabschiedet sie sich. Der Verleger hat dafür vollstes Verständnis, wirkt auch nicht unfroh über ihren spontanen Aufbruch.&lt;br /&gt;
Selma überlegt kurz, ob sie in ihr Auto steigen soll, sie kennt ja jetzt die Adresse ihrer Schwester, weit ist das nicht.&lt;br /&gt;
Sie geht aber in ihre Wohnung zurück und wühlt lange in ihren Zettelkästen und Notizen, überall in der Wohnung wachsen Zettelstöße, sie sucht immer weiter, ergänzt hie und da; das dauert zehn Tage. So hat sie es schon beim letzten Roman gemacht. Sie setzt sich hin zum Schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuerst erschienen in &lt;a href=&quot;http://www.manuskripte.at/&quot;&gt;Manuskripte 194/2011&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>agnesz</dc:creator>
    <dc:subject>Prosa</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2011 agnesz</dc:rights>
    <dc:date>2011-12-21T22:09:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://angelikaexpress.twoday.net/stories/among-us-excerpt/">
    <title>among us (Excerpt)</title>
    <link>http://angelikaexpress.twoday.net/stories/among-us-excerpt/</link>
    <description>unter uns, Angelika Reitzer&lt;br /&gt;
(Auszug aus dem Roman, Residenzverlag 2010)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
01 &lt;br /&gt;
The old people are strolling across the field; an unremarkable choreography, effective. Klärchen has latched onto her sister, the two are wearing vests or sweaters of the same colour and it looks like they were at the hairdresser together. Theyve taken off their glasses, and this makes the resemblance especially obvious. Just behind them is the old man with the twins. Long since grown up, but boyish as always. The parts in their hair shine towards her, and already from a distance they are indicating something like a path or a route or at least the light. They walk, hands in the pants pockets, as always, in the same stride, as always they give their answers half at the same time. As always they are as always, its been like that their whole life. The father treads over the clipped grass, hes lost a lot of weight and his tummy is now only very large. Deer after a performance slowly emerge from the woods, Clarissa the audience. Satisfied with their efforts, they dont bother bowing. They gather in a group around the garden furniture, which disappears behind and among them. Uncle Heinz stands behind Klärchen, hes laid his hand on her purple shoulder. She would call it lilaccoloured, right darling? Lilac.&lt;br /&gt;
Clarissas driver has switched sides, entered the picture frame, looking for room at the back. But maybe its just the other way around, thats more likely. He only fell out of the picture for a moment, always does what is asked of him, and changes sides, thats the easiest way. Hes at the ready. Just as Clarissa is getting out of the train, her phone rings. The train was full, and then the platform is full, people streaming towards the exit, pulling their luggage behind them, the entire platform a pushing, noisy throng in which each persists in his lane, which is why they all get in each others way, their hurrying slows them down. Clarissa rummages in her bag and moves forward, or rather, is pushed forward. She is carrying her leather travel bag over her shoulder and over the travel bag her handbag, which is unwieldy and makes her walk bent over because the bag is heavy and because she is misshapen and cant gauge how much room she needs. She would like to act as if this was all just a routine, bothersome but familiar, would like to think about the next appointment, about the people who will be there, about her presentation, and about whether all of her documents are tidy and ready and in the correct order in the cowhide folder. Its always the same, she cant find the phone and gets worked up because she already knows whos calling at this moment. Then she finds the phone, which has stopped ringing, in a book, right at the bottom of the bag, and her premonition is confirmed, naturally, and then her bag slips off her shoulder, she gets even angrier and if the people around her Angelika Reitzer · 231 are wrinkling their brows or looking right past her, she doesnt want to see it. The caller is on the platform, they havent seen each other for at least two years, they greet each other with a handshake. Amazed, he says, you look really good. They drive together to the country inn where the party is to take place. In the car he wants to retract his amazement, but its too late now. Clarissa felt good. Somewhat. He doesnt mean it that way, surely he doesnt. Her skin feels pimply, she knows exactly where she should apply more cover-up and she can feel a burning on her chin, surely theres a big red spot there in spite of the make-up. He fiddles with the radio dial, wants to call someone that cant be reached. He leaves no message. Her hair is stringy even though right before leaving she washed and dried it. Maybe she should have worn a dress. Maybe she should change right after arriving. When Clarissa changes the station without asking, he looks at her for a moment, shocked. Then he grins. He talks about work, the many appointments, responsibility and weight on the shoulders, and as they are getting out, Clarissa suddenly thinks that perhaps he means her work, and that confused her at first, and when she addresses him about it, carefully, as if in passing, he hands her a small folder with information about the area and its modest attractions, a pamphlet with the programme points for the meeting; shes calm for a moment, as if she were up to speed, as if she knew what was now coming. Clarissa wants to ask him about the list of participants, but doesnt. Point one (individual arrivals) and Point two (short walk in the nearby pine woods, discovering and re-establishing family relations) are already taken care of. But dinner, boat trip, volleyball game, free time in the indoor pool and sauna are still ahead of her, and her driver now takes her hand and laughs broadly in her direction and their heads bump together. While he still helps, what remains is only a sense of disturbance. Her driver looks at her and earnestly retrieves her bag, now hes the porter and if she asked him to he would go into the foreign kitchen and fetch bread for her or juice or a piece of cake from the locked display case and so on. He carries her bag upstairs and pulls her behind him, and right away lets go of her hand, and thats the way it was before, he always did everything for everyone and no one thanked him and he went right ahead doing it and sometimes he reminded someone of some greater deed and then he was the one with the bad conscience. And yet at the same time he can also slight someone and then act as if he didnt notice it, as if he had not realized that he had just badly insulted someone. He can outfit his broad face with a grin or with complete harmlessness, which is a bit hurtful. It suits him perfectly. Only when he is taking about what he can do well is he serious. When he knows for sure what the other person now wants, that right now he is doing the right thing, then his look, no, his gazing, is truthful. Thats him. He stands on the small balcony of her room and gives a report on the morning, seems cheerful, entirely natural; he himself has already driven twice to the train station and back, she is the third person 232 · Angelika Reitzer hes picked up. Nobody has ever taken him into consideration, that doesnt occur to anyone. In the family photos he is often only seen as a blur, or he is covered by someone, hes always standing at the back, is at every party, but he cant be made out. Only after having counted several times does somebody say, Hannes, where is Hannes? And yet he is also there. Hannes made an extra trip with a larger car, hes playing shuttle bus for the grandmas. Or hes helping to set up and rearrange furniture. Hes sorting out the childrens beds. Setting up the volley ball net, and isnt he the one in charge of marking off the court lines? Exactly. He picks up the little cousin from the airport. Hannes is always there. Not to be seen and yet perhaps blatantly obvious. Now hes already gone again, the others have come from the woods and perhaps he has disappeared in it. As if he wanted to catch up on the walk. He speaks briefly with her father, probably to receive a few directives, and doesnt reappear until he takes Clarissa to the train. For a while she stands on the small balcony, the room smells like fabric softener or cleaning detergent, perhaps both, not unpleasant. The folder is lying on the turned-back bedspread, these are not documents for a seminar, and shes known the people shes about to meet since childhood. For most of them she is not the bosss assistant. But neither can she be for them the girl who has a promising future ahead of her. Clarissa has to laugh. Thats what they want from us: a demonstration of the future; and yes the laughter is brief and silent, and she almost chokes on it. This, said her mother on the phone, should be the last big reunion and after that they want to withdraw from their duties and their family.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Translated by Jason Blake)</description>
    <dc:creator>agnesz</dc:creator>
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    <title>med nami (odlomek) - unter uns</title>
    <link>http://angelikaexpress.twoday.net/stories/med-nami-odlomek-unter-uns/</link>
    <description>unter uns&lt;br /&gt;
(Roman, Angelika Reitzer, Residenz Verlag 2010;&lt;br /&gt;
Auszug; Übersetzung ins Slowenische: Ana Grmek)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1&lt;br /&gt;
Stari se sprehajajo po polju, nevpadljiva postavitev, u&#269;inkovito. Klärchen se je pod roko oklenila sestre, oble&#269;eni sta v brezrokavnika ali puloverja enake barve in videti je, kot bi bili skupaj pri frizerju. Sneli sta si o&#269;ala, podobnost je zdaj e bolj o&#269;itna. Tesno za njima stari gospod z dvoj&#269;koma. e zdavnaj odraslima, a dekima kot vedno. Njuni pre&#269;i se ji ble&#269;ita naproti, e od dale&#269; kaeta nekakno pot ali smer ali pa vsaj svetlobo. Sprehajata se, z rokami v hla&#269;nih epih; kot vedno vtric, kot vedno bi odgovarjala na pol sinhrono. Kot vedno sta pa&#269; kot vedno, tako je e vse njuno ivljenje. O&#269;e stopa po pokoeni travi, njegov trebuh ni ve&#269; tako velik, zelo je shujal. Srne, ki se po predstavi po&#269;asi prikaejo iz gozda, ob&#269;instvo je Clarissa. Zadovoljni s prikazanim se odpovejo priklonu. V skupinicah postavajo med vrtnim pohitvom, ki izginja za in pod njimi. Stric Heinz stoji za Klärchen, roko je odloil na njeno vijoli&#269;asto ramo. Ona bi rekla: Barve panskega bezga, sr&#269;ek, saj ve? panskega bezga. Clarissin ofer je zamenjal stran, stopil je v sliko, si poiskal prostor zadaj. Toda morda je prej celo nasprotno, to bo bolj dralo. Za kratek hip je izpadel iz slike, vedno stori, kar mu naloijo, in zamenjati stran, to je od vsega najlaje. Na voljo je. Medtem ko Clarissa stopa z vlaka, ji zazvoni telefon. Vlak je bil poln in takrat je vedno poln tudi peron, ljudje se valijo proti izhodu, za sabo vle&#269;ejo kov&#269;ke, ves peron je prerivajo&#269;a se, glasna mnoica, v kateri vsi vztrajajo na svoji poti, zato so drug drugemu kar naprej v napoto, zaradi hitenja napredujejo po&#269;asneje. Clarissa brska po torbi, gre naprej; to pomeni, pusti se potiskati naprej. Na rami nosi usnjeno potovalno torbo, &#269;ez njo e ro&#269;no torbico, neudobno je in sili jo, da hodi postrani, ker je torba teka in ona brezobli&#269;na in ne more presoditi, koliko prostora potrebuje. Rada bi se pretvarjala, da je to e vedno rutina, zoprna, a znana: razmiljati o naslednjem sestanku, o ljudeh, ki bodo prisotni na pogovorih, o svoji predstavitvi in o tem, da jo vsa dokumentacija, urejena in v pravilnem vrstnem redu, &#269;aka v mapi iz govejega usnja. Vedno je enako, ne najde telefona in se jezi, kajti kdo jo zdaj kli&#269;e, to e ve. Najde telefon, ki ne zvoni ve&#269;, v knjigi, &#269;isto na dnu torbe, in njeno predvidevanje se potrdi, seveda, nato ji torba zdrsne z ramena, e bolj je jezna in sama sebi se zazdi kot lik v burleski. Ali ljudje okoli nje gubajo &#269;elo, se smejijo ali gledajo mimo, tega sploh no&#269;e vedeti. Ta, ki je klical, stoji na peronu, dobri dve leti se nista videla, v pozdrav si stisneta roko. Za&#269;uden re&#269;e: prav dobro si videti. Skupaj se odpeljeta v podeelsko gostilno, kjer bo slavje. V avtu bi za&#269;udenje raje preklical, a to ne gre. Clarissa se je dobro po&#269;utila. Kolikor toliko. Ne misli tako, prav gotovo ne. Toda na koi takoj za&#269;uti mozolje, natanko ve, na katerih mestih je mo&#269;neje nali&#269;ena, in po &#269;emenju na bradi ve, tam je gotovo velika rde&#269;a lisa, li&#269;ilu navkljub. Vrti gumb na radiu, ho&#269;e priklicati nekoga, ki se mu ne oglasi. Sporo&#269;ila ne pusti. Lasje so trenasti, &#269;eprav si jih je umila in posuila tik pred odhodom. Morda bi morala priti v obleki. Morda bi se morala takoj po prihodu preoble&#269;i. Ko Clarissa zamenja radijsko postajo, ne da bi ga vpraala, jo za trenutek zgroeno pogleda. Nato se zarei. Govori o slubi, o tevilnih sestankih, o odgovornosti in bremenu, ki ga ima na ple&#269;ih, in ko izstopita, Clarissa nenadoma pomisli, da je imel v mislih morda njeno delo, in to jo sprva malce zmede, ko pa ga nagovori o tem, previdno, bolj mimogrede, ji pomoli mapico s podatki o okoliki pokrajini in njenih skromnih zanimivostih, zgibanko z glavnimi to&#269;kami sre&#269;anja; za hip je pomirjena, kot bi vedela, kot bi poznala to, kar bo sledilo. Clarissa ga ho&#269;e vpraati po seznamu udeleencev, a se zadri. Prva to&#269;ka (posami&#269;ni prihodi) in druga to&#269;ka (kratek sprehod v blinji borov gozdi&#269;, odkrivanje in obnovitev druinskih vezi) sta e za njimi. Toda ve&#269;erja, vonja z ladjo, odbojka, prosti &#269;as v pokritem bazenu in savni jih e &#269;akajo in ofer jo zdaj prime za roko, se ji iroko zasmeji, nato pa njuni glavi tr&#269;ita. e vedno je tako, da ti pomaga, toda ostane zgolj ob&#269;utek, da te je zmotil. ofer jo pogleda in resno vzame njeno torbo, zdaj je njen portir, in &#269;e bi mu rekla, bi el v tujo kuhinjo in ji prinesel kruh ali sok ali kos peciva iz zaklenjene vitrine in tako naprej. Njeno torbo odnese gor in jo potegne za sabo, takoj spet spusti roko, tudi prej je bilo tako, da je vsem izpolnil vsako eljo in se mu ni nih&#269;e zahvalil, pa je preprosto nadaljeval in v&#269;asih koga opomnil na kakno ve&#269;jo uslugo, ta pa, ki je imel nato slabo vest, je bil kar on. Zato pa zna &#269;loveka tudi prizadeti, a se delati, da tega sploh ne opazi, kakor bi se mu sploh ne posvetilo, da je nekoga pravkar globoko ualil. Na obraz si lahko narie irok posmeh ali pa skrajno blagost, to malce boli. Njemu odli&#269;no pristaja. Le kadar govori o tem, kar mu gre dobro, je resen. Ko z gotovostjo ve, kaj ho&#269;e od njega, da bo zdaj storil natanko pravo, je njegov pogled, ne, njegovo gledanje resni&#269;no. To je on. Stoji na malem balkonu njene sobe in poro&#269;a o preteklem dopoldnevu, zdaj je veder, povsem spro&#269;en; e dvakrat se je peljal na postajo in nazaj, ona je tretja, po katero je el. Nih&#269;e se nikoli ne ozira nanj, to nikomur ne pade na pamet. Na druinskih slikah je pogosto zgolj on zabrisan ali pa ga nekdo zakriva, vedno stoji zadaj, na nobenem slavju ne manjka, toda skoraj nikoli ga ni mogo&#269;e prepoznati. ele po ve&#269;kratnem pretevanju nekdo re&#269;e: Hannes, kje je Hannes? Saj je tudi on zraven. Hannes je posebej za to prilonost priel z ve&#269;jim vozilom, zdaj igra avtobus za babice. Ali pa pomaga pri premikanju in razvr&#269;anju pohitva. Priskrbi otroke postelje. Name&#269;a mreo za odbojko, in ali ni on zadolen za pravilno zamejitev igri&#269;a? Pa&#269;. Na letali&#269;e gre po malega bratranca. Hannes je vedno zraven. Neviden in morda preo&#269;iten. Ga e ni ve&#269;, drugi so prili iz gozda, on pa je morda izginil vanj. Kot bi hotel nadoknaditi zamujeni sprehod. Za trenutek govori z njenim o&#269;etom, najbr je priel po navodila, in se spet pojavi ele, ko je na vrsti Clarissa. Nekaj &#269;asa stoji na majhnem balkonu, v sobi dii po meh&#269;alcu ali &#269;istilih, morda po obojem, ni neprijetno. Na odgrnjenem pregrinjalu lei mapa, v njej ni zapiskov za seminar, in ljudi, ki jih bo kmalu sre&#269;ala, pozna od otrotva. Za ve&#269;ino ni efova asistentka. Toda ne morejo je imeti ve&#269; za majhno deklico, ki ima pred sabo obetavno prihodnost. Clarissa se mora nasmehniti. To je vendar, kar ho&#269;ejo od nas: predstavitev prihodnosti; in ja, smeh je kratek in tih in skoraj se ji zaleti. To bo, tako je rekla njena mama po telefonu, zadnje veliko slavje, nato pa se bosta umaknila iz svojih obveznosti in svoje druine. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prevedla Ana Grmek</description>
    <dc:creator>agnesz</dc:creator>
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    <title>Hybrid!</title>
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    <description>&lt;b&gt;Yorick, Ein Mensch in Schwierigkeiten. Hybridroman von Philip Hautmann, Trauma Verlag Wien 2010.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Roman des in Wien lebenden Philip Hautmann, Yorick  Ein Mensch in Schwierigkeiten ist ein ausufernder Akt des Referierens, wobei sich Bezeichnetes und Bezeichnende immer wieder überlappen, mehrere Figuren mit einer Stimme sprechen bzw. die Stimmen ineinander übergehen, und das hat folgenden Grund: Das Buch besteht aus drei Teilen, man könnte sagen, drei Büchern ineinander, die alle jeweils auf den großen zu schreibenden Roman referieren  und dabei wiederum auf sich selbst bzw. das vorliegende Buch zurückverweisen. Sein Referenzsystem reicht von Laurence Sterne über Epikur bis Beckett.&lt;br /&gt;
Yorick, so beginnt es immer wieder, sei ein witziger Kerl, etwas dick, gutmütig und leutselig bzw. ziemlich aufdringlich, der immer dann daherkommt, wenn man ihn nicht eingeladen hat und den man auch nicht loswird, verlässt man die eigene Wohnung etwa. Nachdem man Yorick in seiner wiederkehrenden Art kennengelernt hat, sind die Freunde dran, die Feinde  die Gesellschaft; und zu dieser gehören auch die Milliardäre, einen von ihnen (Mearsheimer) lernt Yorick näher kennen: Im Zuge einer kurzfristigen Anstellung in einer Unternehmensberatung, deren Ziel es war, Yoricks bankrotten finanziellen Zustand zu verändern, das Ergebnis allerdings, dass der angestellte Yorick immer die Wahrheit sagt (so der Autor), wenn von ihm Einschätzungen zu Religion und Neoliberalismus gefragt sind. So kommt Yorick zwar zu Schriften (wenngleich nicht zu dem großen Roman), verliert allerdings auch die Stelle innerhalb kürzester Zeit wieder, gewinnt dann wiederum Zutritt zum Club der Milliardäre, die Yoricks Auslassungen durchwegs begeistert aufnehmen, da sie ihnen entgegenkommen. Mearsheimer und Yorick werden nun Gesprächspartner, was bedeutet, dass der Milliardär monologisiert (Freitod, Kindheit, die Zukunft der Welt usw. usf.), Yorick in die Rolle des Zuhörers verwiesen, und beim ersten Stichwort wieder fallen gelassen wird. Teil eins kommt als Künstler- und Intellektuellen-Roman daher, Teil zwei besteht vor allem aus den Exposés Yoricks und den Betrachtungen Mearsheimers (und ist exemplarisch für die Aggressivität der Kursivierung), im dritten Teil wird der Text zu einem Entwicklungsroman der Psychologin Sabine, einer Freundin Yoricks, deren Familien- und Fallgeschichten und den ersten Versuchen, den großen Roman zu schreiben, als der sich Yorick letzten Endes herausstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Land, in dem Hautmann Lewis Carrols Alice wähnt  das Wunderland der Kindheit , wird im dritten Teil (in dem die Teile eins und zwei teilweise wieder aufgenommen werden) mehr und mehr zu einem Land der Wunderkinder (Sabine und deren Geschwister) als Garant für eine schwierige Erwachsenenexistenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Roman schert sich nicht um Widersprüche (das permanente Kreisen um sich selbst wird der Forderung nach Achtsamkeit für andere gegenübergestellt) und ist in seiner Ausführlichkeit äußerst konsequent. Yorick ist gleichzeitig Karikatur auf den Künstler- und Intellektuellenroman und Parforce-Ritt durch die Weltliteratur. An einer Stelle beschreibt Yorick den Roman, den er nach acht Jahren denn doch geschrieben zu haben scheint, in einem Anschreiben an die zwei größten und renommiertesten Verlage seines Sprachraums:&lt;br /&gt;
() Mit all dem gebotenen Respekt vor der Tradition Ihres ehrwürdigen Verlagshauses übermittle ich Ihnen folgenden Yorick-Roman. Er umfasst gut achthundert Seiten Papier sowie ein kompliziert angelegtes Inhaltsverzeichnis. Schnell werden Sie bemerken, dass die Angelegenheit herkömmlicher Erzählstrategien sich verweigert sowei herkömmlicher Muster und Versuchen der literarischen Deutung und Hermeneutik sich entzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist Yorick im Trauma Verlag Wien erschienen  als Hybridroman. Die Bezeichnung bezieht sich auf Icons, die auf einzelnen Seiten unterhalb der Paginierung angebracht sind und die etwas machen, wenn man seinen Computer oder sein Handy darauf hält (man bekommt Einblick in die Bibliothek des Autors und dergl.)  und nicht, wie die Rezensentin annahm, weil der Text im besten Sinne übermütig und anmaßend ist, zügellos und ein sich austobender. Witzig und größenwahnsinnig, breitet sich der Roman vollständig aus, ohne dabei auszufransen. Klein ist er nur an jenen Stellen, an denen der (ehemalige) Finanzminister in persona (einmal sogar in Funktion eines Verlegers) auftaucht. Mit Bernhard könnte man fragen, ob Yorick ein philosophischer Mensch ist oder ein Philosoph. Über Hautmann kann man sagen, dass es ihm nicht um den Menschen geht und auch nicht um Philosophie allein, sondern um die Welt anhand der Figur des Yorick, der ein Hofnarr bleibt, in diesem Fall aber sehr lebendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuerst erschienen im &lt;a href=&quot;http://literaturhaus.at/index.php?id=195&quot;&gt;Buchmagazin des Literaturhauses Wien&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>agnesz</dc:creator>
    <dc:subject>Über Texte</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2011 agnesz</dc:rights>
    <dc:date>2011-06-09T09:08:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://angelikaexpress.twoday.net/stories/sommersachen/">
    <title>Sommersachen</title>
    <link>http://angelikaexpress.twoday.net/stories/sommersachen/</link>
    <description>Ein Mann und eine Frau warteten im Schatten vor dem Haus auf den Makler. Grell war das Licht auf der anderen Straßenseite, wo ein ausgebleichtes kleines Cabrio einparkte, mit einem braungebrannten kleinen Mann hinter dem Steuer, der beschwingt die Fahrertür öffnete, Handy und Schlüsselbund in der einen, Zigarettenschachtel in der anderen Hand. Sonnenbrille die ganze Zeit über im Gesicht. Begrüßung mit Handschlag, Grinsen und Konversation über das Wetter. (Die Frau dachte, dass seine Bräune von Solariumsonne herstammen musste, dieser Sommer hatte doch noch gar nicht wirklich begonnen.) Hinter dem Makler stiegen sie in den zweiten Stock, den Schlüssel für den Lift konnte er nicht finden, es machte nichts. Vorzimmer, ach, die Fenster sind verhängt und der Strom ist jetzt nicht eingeschaltet. Da kommt bestimmt sehr viel Licht herein, schauen Sie: das Stiegenhaus ist ja besonders hell. Hier geht es in die Küche, die zeig ich Ihnen nachher, ein echtes Juwel; kommen Sie zuerst ins Wohnzimmer, hier geht noch eine Tür ab. Ja, der Boden, sehr alt. Sehr schön. Dahinter Ihr Schlafzimmer. Grinste er denn wirklich schon wieder? Er schritt den großen Raum ab und zeigte auf die französischen Fenster wie auf eine neuartige Erfindung. Extrem hell. Ja, sicher. Da muss schon etwas getan werden, aber da werden wir uns schon einig. Im Kabinett nannte er den Preis, der niedriger war als das Paar erwartet hatte, vielleicht eine falsche Erinnerung, ein zweckpessimistischer Irrtum, umso besser, sie erwähnten es nicht. Der Mann und die Frau standen in der Küche, die groß war und vollgerammelt mit abgegriffenen Möbeln, zusammengestellt in einem anderen Jahrzehnt, einer Zeit, die mit ihnen nur wenig zu tun hatte. Der Makler telefonierte im Wohnzimmer. Er hatte die Nase gerümpft und in allen Zimmern die Fenster aufgerissen. Wir können hier einen großen Tisch hereinstellen, die Küche ist ja riesig und dann kann das große Zimmer hinten das Kinderzimmer werden. Wir schlafen natürlich im Kabinett. In der Wohnung war es angenehm kühl und bemerkenswert ruhig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
Das Rauschen wurde nach Mitternacht noch einmal lauter. Vielleicht. Um das Licht, das an der Wand montiert war, flatterten Dutzende Falter, manche schienen an der grob verputzten Wand zu kleben, dann veränderten sie auf einmal ihre Position; es waren zu viele, um sie im Auge zu behalten. Sie hatten etwas Schmieriges, Abstoßendes. Die kleinen Kerzen in dem weißlackierten Windlicht waren erloschen. Auf der anderen Seite des Hauses saß Georg, trank sein Glas Ouzo aus. Ouzo. Marianne hatte erst abschätzig getan, aber den Ouzo, den ihnen Kostas hingestellt hatte, genommen und getrunken. Rupert auch. Rupert lag auf dem Bett auf der anderen Seite der Wand, wahrscheinlich las er. Marianne roch die Luft, hatte die bloßen Sohlen auf dem Steinboden der Terrasse, sie spürte den Sand, ihre Fersen waren rissig, das gefiel ihr. Am Nachmittag hatten sie sich von Georg das Schlauchboot geborgt, seine Tochter wollte mit, aber Rupert vertröstete sie auf den nächsten Tag. Für einen Augenblick war ihr die Enttäuschung anzusehen und Daria marschierte zum Haus hinauf. Sie war das einzige Kind unter vier Paaren, wollte meistens lieber mit den Freunden ihrer Eltern sein als mit anderen Kindern spielen, die sie nicht kannte. Marianne verstand die Fünfjährige. Sie war witzig und charmant. Ruperts kleine Muskeln waren gut zu erkennen, er ruderte die Strecke allein, hinter dem Felsen öffnete er Mariannes Bikini und als sie miteinander schliefen, schwappte Wasser ins Boot, das fühlte sich angenehm an und lästig zugleich.&lt;br /&gt;
Als Marianne aus dem Apartment über ihnen derbes Husten hörte, stellte sie sich ans Geländer, schaute auf das Licht, das der Mond auf die Wasseroberfläche warf, löschte die Terrassenbeleuchtung und ging ins Zimmer. Rupert war am ganzen Rücken zerstochen, manchmal kratzte er sich und fluchte im Halbschlaf. Sie las in dem Buch, das verkehrt neben ihrem schlafenden Freund lag. Las von der aufgeschlagenen Seite an weiter, das zweite Abenteuer des Don Quixote. Am nächsten oder übernächsten Tag würde sie Rupert daraus vorlesen und sich unterbrechen und nach einer Pause (Daria rief nach ihrer Mutter, als die nicht antwortete, nach Georg; eine Liege wurde über den Steinboden gezogen) sagen: wir werden nie wissen, ob unser Kind im Meer oder am Meer gezeugt worden ist. Es fühlte sich ganz selbstverständlich an, keine außergewöhn-liche Tat, diese Entscheidung für eine neues Leben, ein anderes. Sie gab das Lesebändchen zwischen die Seiten und drehte sich zu Rupert. Fing an, ihn um seinen Nabel herum zu streicheln. Rupert wachte sofort auf. Auf seinem Nachtkästchen lag eine ungeöffnete Kondomschachtel. Über ihnen surrte eine Gelse. Rupert drehte sich auf dem sandigen Leintuch zu ihr, griff Marianne zwischen die Beine, sie lachte laut und spürte, wie in ihr das Meer noch immer wogte. Ihr fiel der Streit ein, den Georg mit seiner Frau gehabt hatte und wischte ihn auf der Stelle weg, es war ihr nicht bewusst, dass sie dabei dumme Kuh murmelte, Rupert hörte es nicht. Später stieß Rupert mit dem Kopf an das Nachtkästchen, er hatte seine Hände auf ihrem Hintern, sie kam zuerst und lachte wieder (das hatte sie früher nie gemacht), es war ein heiseres Lachen und tief. Er schrie auf und sie hielt ihm lachend den Mund zu, da biss er sie. Fest. Später kam Rupert aus dem Bad, seine Brust glänzte vom Wasser, das er sich über das Gesicht geschüttet hatte, eine Wasserflasche für sie hatte er in der linken, eine brennende Zigarette in der rechten Hand, die rauchten sie gemeinsam, quer auf dem Bett liegend. Bevor er auf die Terrassentür trat um die Fensterläden zu schließen, war Marianne schon eingeschlafen, sie wiegte sich mit den Wellen, hinter ihrer Stirn, so träumte sie, lärmten die ganze Nacht die Zikaden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
Räume ausgeschritten, so und so viele Meter lang und breit und hoch, über weiteren Raum, der zu schaffen ist, staunend. Marianne verspachtelte geschätzte 200 Quadratmeter Wand, Quadratzentimeter für Quadratzentimeter, Innenspachtel fein, Gips, Spachtelmasse, Fugenfein, je nachdem, was gerade verfügbar war. Das ging so dahin, morgens schlüpfte sie in alte Sportsocken und eine Hose und ein Leiberl mit Farbflecken aus dem Jahre Schnee (das war noch in einer anderen Stadt, die Flecken wahrscheinlich von der Renovierung anderer Woh¬nun¬gen, es waren doch über all die Jahre so viele), spachteln, Radio Ö1, spachteln, FM 4, Stille, Spachtelmasse neu anmi¬schen, die drei Meter hohe Leiter hinauf, hinunter und schon war eine Woche vergangen, vielleicht auch zwei. &lt;br /&gt;
Leitungen stemmen, um Licht und Wärme und den Geräten für kabellose Verbindungen die Wege zu weisen. Mobiliar aus den letzten zwanzig oder dreißig Jahren entsorgen. Ausgleichs¬masse, Natur¬stein und Platten zweiter Wahl. Ausflüge an die Peripherie und immer wieder an die wahren Schau¬plätze der Realitätsausstatter (Baumärkte oder: es gibt immer was zu tun). Irgend¬wann, es waren schon ein paar Wochen vergangen, fing sie an, die Überreste des Boden¬untergrundes im Kinderzimmer zu beseitigen. Rote Krähe und Stechbeitel als Hilfsmittel, es verging eine weitere Woche, mittlerweile hatte sie neue Muskel an Oberarmen und -schen¬keln entdeckt. Der Bankbe¬amte, der für die Kreditvergabe zuständig hätte sein können, war ein Top¬berater (so stand es auf seiner Visitenkarte), er trug die Hemdsärmel wie auf den Plakaten, die für den Aufschwung seiner Bank werben sollten, verstand die schwierige Lage von Freischaffenden, musste aber darauf verwei¬sen, dass für die Bank nur Ziffern in Schwarz auf Weiß zählten.&lt;br /&gt;
In ruhigeren Momenten pflegten sie ihre Grätzl-Rituale, die schon das Adjektiv Abschied tru¬gen. Gingen zu ihrem Wirt Edi, noch einmal und einmal noch, auf den alten Spielplatz, die alten Wege, Marianne fuhr die Brache entlang und bedauerte, Genugtuung mischte sich aber unter die minimal traurigen Regungen, weil sie Kinderwagen und Fahrrad bald nicht mehr durch den engen Eingang und die schmale Treppe hinauf und eine steile Treppe hinunter in den Hof wür¬de schleppen müs¬sen und auf einmal bemerkte sie, dass die kleine alte Frau von gegenüber, deren Mann im letzten Winter gestorben war, sie vielleicht vermissen wird, wenn sie sich zum Rau¬chen auf den kleinen Bal¬kon stellte und ein bisschen an ihrem Familienleben teilnahm.&lt;br /&gt;
Einmal saß Marianne in einer Rauchpause am Fenster des neuen Kinderzimmers. Die Wärme schwapp¬te in Wellen zu ihr herein. Sie hatte Schweiß auf der Stirn und die Achseln seit einiger Zeit nicht rasiert, wozu auch. Sie fühlte sich gut. Von der Straße herauf gratulierte ihr ein alter Herr im Anzug zu der Entscheidung, eine zu rauchen. Er verschwand im Haus gegenüber und Marianne freute sich, ihren ersten Nachbarn kennengelernt zu haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
Die Apartments im ersten Stock waren diesmal nicht bewohnt. Der Sockel des Hauses war neu mit Steinen verkleidet, der Grill im Garten sah noch schäbiger aus als vor zwei Jahren, sie benutz¬ten ihn nie. Bei ihrem Wirt (Kostas) hatte Deniz andere Kinder kennengelernt, mit einem Geschwisterpaar spielte er am Strand. Sie waren Nachbarn, obwohl die Häuser alleine standen. Oliven¬bäume, sandige Wege. Deren Eltern waren nett, Marianne hatte keine Lust, sich lange mit ihnen zu unterhalten, wusste bereits einiges von ihnen. Einmal ging Deniz mit den Nachbarn nachhause. Marianne und Rupert schliefen bei weit offen stehenden Türen miteinander. Es war das erste Mal in diesem Sommer am Meer, sie redeten die ganze Zeit kein Wort, Marianne stöhnte nicht, keiner schrie. Rupert kam schnell und hart und befriedigte Marianne dann noch einmal mit der Hand. Wenig später weckte sie ein Auto, Marianne brauchteSommersachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mann und eine Frau warteten im Schatten vor dem Haus auf den Makler. Grell war das Licht auf der anderen Straßenseite, wo ein ausgebleichtes kleines Cabrio einparkte, mit einem braungebrannten kleinen Mann hinter dem Steuer, der beschwingt die Fahrertür öffnete, Handy und Schlüsselbund in der einen, Zigarettenschachtel in der anderen Hand. Sonnenbrille die ganze Zeit über im Gesicht. Begrüßung mit Handschlag, Grinsen und Konversation über das Wetter. (Die Frau dachte, dass seine Bräune von Solariumsonne herstammen musste, dieser Sommer hatte doch noch gar nicht wirklich begonnen.) Hinter dem Makler stiegen sie in den zweiten Stock, den Schlüssel für den Lift konnte er nicht finden, es machte nichts. Vorzimmer, ach, die Fenster sind verhängt und der Strom ist jetzt nicht eingeschaltet. Da kommt bestimmt sehr viel Licht herein, schauen Sie: das Stiegenhaus ist ja besonders hell. Hier geht es in die Küche, die zeig ich Ihnen nachher, ein echtes Juwel; kommen Sie zuerst ins Wohnzimmer, hier geht noch eine Tür ab. Ja, der Boden, sehr alt. Sehr schön. Dahinter Ihr Schlafzimmer. Grinste er denn wirklich schon wieder? Er schritt den großen Raum ab und zeigte auf die französischen Fenster wie auf eine neuartige Erfindung. Extrem hell. Ja, sicher. Da muss schon etwas getan werden, aber da werden wir uns schon einig. Im Kabinett nannte er den Preis, der niedriger war als das Paar erwartet hatte, vielleicht eine falsche Erinnerung, ein zweckpessimistischer Irrtum, umso besser, sie erwähnten es nicht. Der Mann und die Frau standen in der Küche, die groß war und vollgerammelt mit abgegriffenen Möbeln, zusammengestellt in einem anderen Jahrzehnt, einer Zeit, die mit ihnen nur wenig zu tun hatte. Der Makler telefonierte im Wohnzimmer. Er hatte die Nase gerümpft und in allen Zimmern die Fenster aufgerissen. Wir können hier einen großen Tisch hereinstellen, die Küche ist ja riesig und dann kann das große Zimmer hinten das Kinderzimmer werden. Wir schlafen natürlich im Kabinett. In der Wohnung war es angenehm kühl und bemerkenswert ruhig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
Das Rauschen wurde nach Mitternacht noch einmal lauter. Vielleicht. Um das Licht, das an der Wand montiert war, flatterten Dutzende Falter, manche schienen an der grob verputzten Wand zu kleben, dann veränderten sie auf einmal ihre Position; es waren zu viele, um sie im Auge zu behalten. Sie hatten etwas Schmieriges, Abstoßendes. Die kleinen Kerzen in dem weißlackierten Windlicht waren erloschen. Auf der anderen Seite des Hauses saß Georg, trank sein Glas Ouzo aus. Ouzo. Marianne hatte erst abschätzig getan, aber den Ouzo, den ihnen Kostas hingestellt hatte, genommen und getrunken. Rupert auch. Rupert lag auf dem Bett auf der anderen Seite der Wand, wahrscheinlich las er. Marianne roch die Luft, hatte die bloßen Sohlen auf dem Steinboden der Terrasse, sie spürte den Sand, ihre Fersen waren rissig, das gefiel ihr. Am Nachmittag hatten sie sich von Georg das Schlauchboot geborgt, seine Tochter wollte mit, aber Rupert vertröstete sie auf den nächsten Tag. Für einen Augenblick war ihr die Enttäuschung anzusehen und Daria marschierte zum Haus hinauf. Sie war das einzige Kind unter vier Paaren, wollte meistens lieber mit den Freunden ihrer Eltern sein als mit anderen Kindern spielen, die sie nicht kannte. Marianne verstand die Fünfjährige. Sie war witzig und charmant. Ruperts kleine Muskeln waren gut zu erkennen, er ruderte die Strecke allein, hinter dem Felsen öffnete er Mariannes Bikini und als sie miteinander schliefen, schwappte Wasser ins Boot, das fühlte sich angenehm an und lästig zugleich.&lt;br /&gt;
Als Marianne aus dem Apartment über ihnen derbes Husten hörte, stellte sie sich ans Geländer, schaute auf das Licht, das der Mond auf die Wasseroberfläche warf, löschte die Terrassenbeleuchtung und ging ins Zimmer. Rupert war am ganzen Rücken zerstochen, manchmal kratzte er sich und fluchte im Halbschlaf. Sie las in dem Buch, das verkehrt neben ihrem schlafenden Freund lag. Las von der aufgeschlagenen Seite an weiter, das zweite Abenteuer des Don Quixote. Am nächsten oder übernächsten Tag würde sie Rupert daraus vorlesen und sich unterbrechen und nach einer Pause (Daria rief nach ihrer Mutter, als die nicht antwortete, nach Georg; eine Liege wurde über den Steinboden gezogen) sagen: wir werden nie wissen, ob unser Kind im Meer oder am Meer gezeugt worden ist. Es fühlte sich ganz selbstverständlich an, keine außergewöhn-liche Tat, diese Entscheidung für eine neues Leben, ein anderes. Sie gab das Lesebändchen zwischen die Seiten und drehte sich zu Rupert. Fing an, ihn um seinen Nabel herum zu streicheln. Rupert wachte sofort auf. Auf seinem Nachtkästchen lag eine ungeöffnete Kondomschachtel. Über ihnen surrte eine Gelse. Rupert drehte sich auf dem sandigen Leintuch zu ihr, griff Marianne zwischen die Beine, sie lachte laut und spürte, wie in ihr das Meer noch immer wogte. Ihr fiel der Streit ein, den Georg mit seiner Frau gehabt hatte und wischte ihn auf der Stelle weg, es war ihr nicht bewusst, dass sie dabei dumme Kuh murmelte, Rupert hörte es nicht. Später stieß Rupert mit dem Kopf an das Nachtkästchen, er hatte seine Hände auf ihrem Hintern, sie kam zuerst und lachte wieder (das hatte sie früher nie gemacht), es war ein heiseres Lachen und tief. Er schrie auf und sie hielt ihm lachend den Mund zu, da biss er sie. Fest. Später kam Rupert aus dem Bad, seine Brust glänzte vom Wasser, das er sich über das Gesicht geschüttet hatte, eine Wasserflasche für sie hatte er in der linken, eine brennende Zigarette in der rechten Hand, die rauchten sie gemeinsam, quer auf dem Bett liegend. Bevor er auf die Terrassentür trat um die Fensterläden zu schließen, war Marianne schon eingeschlafen, sie wiegte sich mit den Wellen, hinter ihrer Stirn, so träumte sie, lärmten die ganze Nacht die Zikaden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
Räume ausgeschritten, so und so viele Meter lang und breit und hoch, über weiteren Raum, der zu schaffen ist, staunend. Marianne verspachtelte geschätzte 200 Quadratmeter Wand, Quadratzentimeter für Quadratzentimeter, Innenspachtel fein, Gips, Spachtelmasse, Fugenfein, je nachdem, was gerade verfügbar war. Das ging so dahin, morgens schlüpfte sie in alte Sportsocken und eine Hose und ein Leiberl mit Farbflecken aus dem Jahre Schnee (das war noch in einer anderen Stadt, die Flecken wahrscheinlich von der Renovierung anderer Wohnungen, es waren doch über all die Jahre so viele), spachteln, Radio Ö1, spachteln, FM 4, Stille, Spachtelmasse neu anmischen, die drei Meter hohe Leiter hinauf, hinunter und schon war eine Woche vergangen, vielleicht auch zwei. &lt;br /&gt;
Leitungen stemmen, um Licht und Wärme und den Geräten für kabellose Verbindungen die Wege zu weisen. Mobiliar aus den letzten zwanzig oder dreißig Jahren entsorgen. Ausgleichsmasse, Naturstein und Platten zweiter Wahl. Ausflüge an die Peripherie und immer wieder an die wahren Schauplätze der Realitätsausstatter (Baumärkte oder: es gibt immer was zu tun). Irgendwann, es waren schon ein paar Wochen vergangen, fing sie an, die Überreste des Bodenuntergrundes im Kinderzimmer zu beseitigen. Rote Krähe und Stechbeitel als Hilfsmittel, es verging eine weitere Woche, mittlerweile hatte sie neue Muskel an Oberarmen und -schenkeln entdeckt. Der Bankbeamte, der für die Kreditvergabe zuständig hätte sein können, war ein Topberater (so stand es auf seiner Visitenkarte), er trug die Hemdsärmel wie auf den Plakaten, die für den Aufschwung seiner Bank werben sollten, verstand die schwierige Lage von Freischaffenden, musste aber darauf verweisen, dass für die Bank nur Ziffern in Schwarz auf Weiß zählten.&lt;br /&gt;
In ruhigeren Momenten pflegten sie ihre Grätzl-Rituale, die schon das Adjektiv Abschied trugen. Gingen zu ihrem Wirt Edi, noch einmal und einmal noch, auf den alten Spielplatz, die alten Wege, Marianne fuhr die Brache entlang und bedauerte, Genugtuung mischte sich aber unter die minimal traurigen Regungen, weil sie Kinderwagen und Fahrrad bald nicht mehr durch den engen Eingang und die schmale Treppe hinauf und eine steile Treppe hinunter in den Hof würde schleppen müssen und auf einmal bemerkte sie, dass die kleine alte Frau von gegenüber, deren Mann im letzten Winter gestorben war, sie vielleicht vermissen wird, wenn sie sich zum Rauchen auf den kleinen Balkon stellte und ein bisschen an ihrem Familienleben teilnahm.&lt;br /&gt;
Einmal saß Marianne in einer Rauchpause am Fenster des neuen Kinderzimmers. Die Wärme schwappte in Wellen zu ihr herein. Sie hatte Schweiß auf der Stirn und die Achseln seit einiger Zeit nicht rasiert, wozu auch. Sie fühlte sich gut. Von der Straße herauf gratulierte ihr ein alter Herr im Anzug zu der Entscheidung, eine zu rauchen. Er verschwand im Haus gegenüber und Marianne freute sich, ihren ersten Nachbarn kennengelernt zu haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
Die Apartments im ersten Stock waren diesmal nicht bewohnt. Der Sockel des Hauses war neu mit Steinen verkleidet, der Grill im Garten sah noch schäbiger aus als vor zwei Jahren, sie benutzten ihn nie. Bei ihrem Wirt (Kostas) hatte Deniz andere Kinder kennengelernt, mit einem Geschwisterpaar spielte er am Strand. Sie waren Nachbarn, obwohl die Häuser alleine standen. Oliven &lt;br /&gt;
eine Weile, bis sie verstand, wo sie war. Sie wischte mit der Hand über das zerknitterte Leintuch, das blassgelbe Flecken von Sonnencreme hatte. Sand unter den Nägeln. Der Vermieter brachte Olivenöl und Weintrauben und frische Bettwäsche. Am nächsten Tag würden sie Georg und Daria vom Flughafen abholen. Georgs Frau würde in diesem Sommer nicht mehr dabei sein. Sie wanderten über den Weg zwischen den Olivenbäumen, um ihr Kind abzuholen. Marianne hatte ihre Sandalen gesucht und nicht gefunden, dann die Flipflops angezogen, die auf der Terrasse herumlagen. Später kam die Nachbarsfamilie zum Abendessen. Ein Abend mit viel Wind, die Wespen gaben bis zum Einbruch der Dunkelheit keine Ruhe. Deniz saß zwischen den Mädchen und spielte den Gastgeber. Er trug einen Pullunder zur abgeschnittenen Jeans. Eines der Mädchen bewunderte den gestreiften Pullunder und Deniz sagte: das ist mein Sensenmann. Der gestreifte Pullunder war sein Lieblingsstück, er hatte ihn zusammen mit seinen Lieblingsstofftieren selber in den Koffer gesteckt. Marianne und Rupert hatten gestritten, weil sie sich aufgeregt hatte: was macht der Pullunder denn überhaupt bei den Sommersachen? Auf der ganzen Überfahrt hatte er ihn getragen, was ideal war, denn es war sehr warm und dennoch windig. Rupert hatte Deniz von den Schauerleuten erzählt, die die Frachtschiffe be- und entluden. Früher mussten sie durch die See waten, und die Lasten von oder an Bord tragen. Ein Schauermann musste wissen, wie man Stückgut verstaut, damit die Ladung während einer Seereise nicht verrutscht. Eines der Nachbarmädchen vergaß seine Schuhe unter dem Tisch, es wurde schlafend nachhause getragen. Um das Haus herum verteilten sich Spielzeug, Schnorchel, Flossen, Sonnenbrillen, Handtücher. Deniz schlief in diesem Urlaub jede Nacht in seinem Bett, spielte morgens neben dem schlafenden Rupert mit seinen Tieren oder blätterte in dem kleinen Atlas, während Marianne über den Strand joggte und hinausschwamm. Warum ist Wasser durchsichtig?&lt;br /&gt;
Das Kind ist doch ein Fisch geworden, schrieb Marianne auf die Ansichtskarte, die Deniz ausgesucht hatte. Weiß getünchte Mauern, ein blaues Tor, auf der Mauer eine Katze. Er fragte, was er denn sonst hätte werden können und Marianne erzählte ihm, dass er nach den Berechnungen des Arztes im Sternzeichen des Fisches zur Welt kommen sollte, aber dann noch zwei Tage auf sich warten ließ. Sie rauchte jetzt manchmal am Nachmittag eine Zigarette. Reden über Tierkreiszeichen, Deniz verstand es nicht, aber das Wort Zodiak speicherte er ab. Marianne musste schreiben: ich schnorchle viel, schwimme den ganzen Tag und sonst nix. Sagte: sag ich ja  ein Fisch. Deniz wollte kein Widder sein, er wollte sowieso nie ein Tier sein, höchstens manchmal vielleicht eine schnurrende Katze. Hörner, das zeigte er immer wieder, indem er seine Haar durchwuschelte, hatte er aber auf keinen Fall am Kopf. Ruppert lästerte über den Kitsch, das Kind schrieb mitten auf die Karte seinen Namen in großen Blockbuchstaben. Meer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
Die Regale mit den Büchern und den Schubladen für Spielzeug, Schienen, Autos und Stofftiere sind ordentlich aufgeräumt. Ein Regalbrett voller Steine, Muscheln und Schnecken. Die Türen des weiß gestrichenen Kastens stehen offen, da sind Bretter montiert und die Kleiderstange ist unbenutzt. T-Shirts, Pullover, Unterhemden und Hosen. Zwei blaue Holzknöpfe zum Öffnen der Schublade unten. Marianne denkt an einen trüben Tag, an dem sie mit ihrem Sohn in der Kleinstadt ihrer Eltern einkaufen war und an die eigenartige Stimmung, ohne Touristen auf den Straßen des Skiortes. Das Kind hatte Spaß mit den Großeltern und ließ sich, wie jeden Winter, Socken, Handschuhe und diesmal einen Pullunder stricken. Irgendwo nannten sie den dépardeur. Niemand von ihren Romanistenfreunden kannte das Wort und Marianne oder Rupert schauten nach und lasen: Pullunder; Schauermann. Sie hat wohl den restlichen Tag halb schlafend und mit Zeitungen verbracht und sah, während Deniz Apfelspalten aß, Lego spielte oder den Opa durch das ganze Haus jagte, den dépardeur größer werden, was friedlich wirkte. Deniz wuchs stark in diesem Winter, und Marianne wollte, dass ihre Mutter den Pullunder ein paar Nummern größer strickte, sie wünschte sich den Frühling herbei und ging davon aus, dass das lustige, rot-blaue Kleidungsstück ihrem Sohn im nächsten Winter nicht mehr passen würde. Rupert beschwichtigte, ein Pullunder sei etwas für den Frühling, vielleicht auch für laue oder frische Sommerabende. &lt;br /&gt;
Ein lederner Hausschuh, Größe 30, in Rot, der andere liegt unter dem Tischchen. Ein rotes Bobbycar parkt mitten im Raum, Einsatzfahrzeuge (Feuerwehr, Polizei, Rettungswagen der Feuerwehr) sind an der Wand geparkt. Die Palme, die Deniz bei einem ersten Ausflug in die nahe liegende, leicht verkommene Einkaufsstraße ausgesucht hatte, schien das Wachsen eingestellt zu haben. Auf dem Teppich, der zum Autospielen verwendet werden kann (Straßen und Häuserschluchten, Verkehrszeichen und ein paar Bäume und Sträucher, Gehsteige) stehen zwei große durchsichtige Plastikkisten mit Deckel. Auf den Etiketten in geschwungenen Buchstaben: Sommer und Winter. Beide stehen offen da, Marianne wusste nie, in welche der Kisten ein Pullunder einzuordnen war, es war jetzt nicht mehr nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
Auf dem knallblau gestrichenen Deck steht eine Frau. Sie ist nicht alt, sie ist nicht jung. Ihr halblanges Haar fällt ihr ins Gesicht, immer wieder. Der Wind macht das. Das Haar ist strähnig, vielleicht kommt das auch vom Wind. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt, weit geschnitten, das flattert, und einen schmalen Jeansrock. Aus der einen Tasche hängt ihre Brille heraus, in der anderen steckt eine Zigarettenschachtel. Sie vergisst zu rauchen, obwohl sie es sich vorgenommen hat. In einer Bar am Hafen hat sie auf Italienisch Zigaretten und ein Päckchen Streichhölzer verlangt, einen Kaffee getrunken. Dann ist sie auf die Straße getreten (grober Asphalt), der Kellner machte sich keine Gedanken, aber wahrscheinlich vermutete er, die Frau würde jetzt eine rauchen. Er machte sich keine Gedanken.&lt;br /&gt;
Das war gestern.&lt;br /&gt;
Sie steht direkt an der Reling. Früher hätte sie ein Ziehen gespürt. Angst oder Lust zu springen. Sie weiß nicht, wie viel sie für ihre Kabine bezahlt hat. Sie denkt nicht darüber nach, dass die Kreditkarte auf dem Tisch im Wohnzimmer liegen geblieben ist. Die Frau trägt rosarote Flipflops, auf den weißen, mittlerweile ergrauten Stoffbändern zwischen den Zehen und der rosaroten Gummioberfläche vor den Zehen weiße Spritzer von Farbe. Sie geht ein paar Schritte, vorbei an den Reisenden, die in weißen Plastikstühlen sitzen, Bier trinken, Sudokus lösen, lesen. Die Leute schauen sie an. Für die älteren ist sie eine junge Frau; kein Mädchen, eine junge Frau. Für die Jugendlichen, die sich auf und um Schlafsäcke drapiert haben, ist sie eine Frau. Keine alte Frau; eine Frau. &lt;br /&gt;
Sie sieht den Hafenarbeitern zu. Weiß nicht, ob das das Entsetzliche ist: dass die Sommer einfach so vorüber gingen und sie davon ausging, sie würden immer diese fröhliche Familie sein, die ein paar Wochen am Meer verbringt, in der Nähe des Hafens.&lt;br /&gt;
Schauerleute.&lt;br /&gt;
Sensenmänner.&lt;br /&gt;
War das Entsetzlichste vielleicht aber, dass sie Deniz gar keine Zukunft zugeschanzt hatte, dass sie einfach glaubte, er hätte selbstverständlicherweise eine? Harte Arbeit und kein Lohn, Arbeitslosigkeit, eine schwere Depression, die ihn über Jahre hinweg vom Leben, wie es ihr selbstverständlich war, fernhalten würde. Und die Zeit, die noch gar keine Rolle für ihn spielte. Manchmal hatte er am Nachmittag gefragt, ob sie bald zu Mittag essen würden. Es ist Abend, Kind. &lt;br /&gt;
Ihr ist kalt jetzt und sie denkt: es ist in jeder Beziehung Herbst. Marianne geht nach innen, zu den Sofas, über der Rezeption wird auf einem Monitor angezeigt, wo sich das Schiff gerade befindet. Sie geht daran vorbei. &lt;br /&gt;
Sie denkt, dass es die falsche Jahreszeit ist oder die falsche Richtung. &lt;br /&gt;
An den nackten Beinen bemerkt sie das leichte Frösteln der Haut, um die Schultern herum ist ihr warm. Sie findet ihre Kabine nicht wieder und geht noch einmal nach draußen. Die Passage hat sie vor drei Tagen telefonisch gebucht, danach hat sie sich am Computer ein Zugticket ausgedruckt und einen Rucksack gepackt. Ein paar Sommersachen; Turnschuhe, eine Hose. Als sie die frische Luft am Hafen bemerkte, stellte sie fest, dass sie eine Fleecejacke trug, den ganzen Weg schon. Sie kann sich nicht erinnern, sie eingepackt oder angezogen zu haben.&lt;br /&gt;
Sie wird an der Bar am obersten Deck Greek Coffee trinken und vergessen, dass sie warten muss, bis das Kaffeepulver zu Boden gesunken ist. Sie wird sich von einem der grauweiß gekleideten, stoischen Stewarts das Deck und den Gang zeigen lassen, in dem sich ihre Kabine befindet. Die Leute werden zuerst sie, dann den Stewart anschauen. Ihre Blicke werden an ihm hängen bleiben oder sich gleich wieder verlieren. Der Stewart hat schwarzes Haar, er ist nicht älter als sie. In der beigefarbenen Nasszelle ihrer Kabine duscht sie lange und ärgert sich über die Seife, weil sich die Haut auf einmal unangenehm anfühlt. Sie wird vergessen sich abzutrocknen, bevor sie sich in das Bett legt. Sie wird frieren und die halbe Nacht daran denken, dass über ihr eine Decke in dem hockgeklappten Bett steckt wie in den Schlafwagons, wenn ein Fahrgast noch nicht zugestiegen ist. Sie wird nicht nachsehen. Die viersprachigen Durchsagen werden in ihren scheinbar traumlosen Schlaf dringen, sie aber nicht aufwecken. Der Motor, der das riesige Schiff antreibt, ist die ganze Nacht zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angelika Reitzer, Sommersachen&lt;br /&gt;
zuerst erschienen in &lt;a href=&quot;http://www.lichtungen.at/default.asp&quot;&gt;Lichtungen 125/XXXII. Jg./2011&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>agnesz</dc:creator>
    <dc:subject>Prosa</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2011 agnesz</dc:rights>
    <dc:date>2011-05-26T08:45:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://angelikaexpress.twoday.net/stories/wilhelm-genazino-abschaffel-roman-trilogie/">
    <title>Wilhelm Genazino, Abschaffel (Roman-Trilogie)</title>
    <link>http://angelikaexpress.twoday.net/stories/wilhelm-genazino-abschaffel-roman-trilogie/</link>
    <description>Genazino lotet in seinen Romanen und Erzählungen die Dimension des Alltag aus und das sein Universum enthält tatsächlich (u.a.): Alltag, Dimension, Lot. Die Realität seiner Figuren ist in ihrer Hinlänglichkeit auf ebenso erschreckende Weise präzise gezeichnet wie es die Phantasie des Autors ist; nie kommt den Texten jene Tragikomik abhanden, die ja die Tragödie des Lebens mitbestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschaffel nun ist ein Angestellten-Roman und ein Alltagsdiagramm eines jungen Mannes in den 1970ern. Sein Leben ist starr und verhärtet  oder läuft es eben einfach dahin?  er bewegt sich kaum zwischen kleinem Frankfurter Appartment, dem Schreibtisch in einer Import-Export-Firma, wenigen sozialen Kontakten zu Frauen und regelmäßigen Bordellbesuchen. Er flaniert knapp an seinem Leben vorbei, denn eine der wenigen Gewissheiten ist die des verpassten echten Lebens, des Scheiterns an der Realität. Was ihn aber vom Flaneur unterscheidet ist die Grenzenlosigkeit seiner Traurigkeit, die als Gleichgültigkeit, Isoliertheit unermessliche Dimensionen annimmt. Er ist nicht nur ein Anti-Held, der mit seinem ereignislosen Alltag irgendwie umgeht, sondern einer, der uns die Verkommenheit der Alltäglichkeit des menschlichen Lebens deutlich macht.&lt;br /&gt;
In dieser Trilogie passiert nicht nur nichts, sondern es nichtet einiges: im 2. Teil (Vernichtung der Sorgen) hat Abschaffel sogar eine Beziehung zu einer Frau, kann Verlust erleben und Momente aufbringen, in denen wohl etwas geschieht, und im 3. (Die falschen Jahre) wird er aus seinem Leben hinauskatapultiert in eine Kuranstalt auf dem Lande: mit dem Körper einer alten Frau (einer schweren Osteoperose, einigem an Psychosomatie) und der großen Begabung, über die Kränkungen seines Lebens zu sprechen (so der Kur-Therapeut Buddenberg) heißt es umzugehen und  am Ende vielleicht doch ein anderes Leben anzufangen, aber wahrscheinlich entschied er sein Leben erst am Montagmorgen an Ort und Stelle. Das paßte ihm zwar nicht, aber er konnte es nicht ändern.</description>
    <dc:creator>agnesz</dc:creator>
    <dc:subject>Über Texte</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2011 agnesz</dc:rights>
    <dc:date>2011-05-26T08:38:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://angelikaexpress.twoday.net/stories/gisela-elsner-die-riesenzwerge-19642002/">
    <title>Gisela Elsner, Die Riesenzwerge (1964/2002)</title>
    <link>http://angelikaexpress.twoday.net/stories/gisela-elsner-die-riesenzwerge-19642002/</link>
    <description>Schon nach seinem Erscheinen schrieben Kritiker wie Reich-Ranicki den Erfolg von Elsner satirischem Roman Die Riesenzwerge dem Aussehen der Autorin zu, das vom Rowohlt-Verlag geschickt eingesetzt worden wäre. Elsner, die für ihr Debut den renommierten Formentor-Literaturpreis erhielt, war bei Erscheinen des Buches 27 Jahre alt. Gerade noch bzw. damals umso mehr ein Fräuleinwunder  jene Rezeptionskategorie, die nicht erst seit den Neunzigern und Judith Herrmann besteht. An den anfänglichen Erfolg konnte sie nie mehr anschließen.&lt;br /&gt;
Jener Rezeptionsmechanismus, den Schriftstellerinnen viel häufiger zu spüren bekommen als männliche Kollegen  autobiographische Versatzstücke in der Literatur, Alkohol- und Tablettenkonsum, eine gewisse Exzentrik in der Persönlichkeit , wird im Nachwort der Neuauflage von Hermann Kinder verantwortlich gemacht für das radikale Vergessen dieser Autorin (Evelyne Polt-Heinzl). Ingeborg Bachmann verliehen gerade diese Attribute und Zuschreibungen  zumal nach ihrem gewaltsamen Tod  eine gewisse mythische Aura, die jedenfalls der Rezeption nicht hinderlich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Riesenzwerge ist ein strenges Sittenbild des bundesdeutschen Kleinbürgertums. Als Humorist des Monströsen bezeichnete Enzensberger die Autorin und der kleine Lothar Leinlein, aus dessen Perspektive erzählt wird, wurde immer wieder mit dem Grassschen Oskar Matzerath verglichen. &lt;br /&gt;
In einzelnen Bildern (Das Essen, Der Knopf, Die Proszession ) stellt Elsner das Kleinbürgerdasein nach dem 2. Weltkrieg aus. Distanziert und kalt ist ihr Blick, der sich auch dann nicht abwendet, wenn es unerträglich wird. Die Machtphantasien eines Kriegsveteranen (der Krüppel Kecker), die er tyrannisch auslebt, das Essen als wiedererlangte Normalität nach dem Krieg &amp; der in sich hineinschlingende Vater als Mittelpunkt-Instanz, die bigotte und gleichsam blasphemische Großmutter, die verhuschte Mutter, die nur halbe Sätze sagen kann &amp; an einem Knopf scheitert, den sie ihrem Mann in morgendlicher Eile (&amp; als immer wiederkehrendes Ritual) an den Leib (resp. ans Hemd, das er dafür nicht ablegt) nähen soll: Elsner protokollisiert den Alltag in seiner grausamen Banalität bzw. banalen Monströsität. In seiner Gesamtheit entsteht vor der Leserin ein Sittenbild eines George Grosz oder Hieronymus Bosch. Vermittelt aber wird das durch die Kind-Muttersohn-Augen, deren Träger durch seinen Blick zugleich sehr klein, aber nicht weniger bedrohlich ist als die Ausgestellten. (Das hört auch da nicht auf, wo der kleine Junge vom Bandwurm besetzt wird &amp; droht, von innen ausgehölt zu werden  wenn seine Umgebung seine Schmächtigkeit hervorhebt als einen praktischen Vorteil, wird der Bedrohte selbst zu einer Bedrohung für seine Umgebung, die damit nicht umzugehen weiß.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit erschreckender Akribie werden wie im Nouveau Roman die beobachteten Details aneinandergereiht, ohne Kommentar, ohne Wertung und ohne kausale Verbindungen, doch die Zielrichtung ist evident: Es geht um die Bloßlegung von Herrschafts- und Gewaltsverhältnissen. (Zeitlos, Evelyne Polt-Heinzl) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Groteske, präzise Beobachtung und ein bitterböser Blick: Elsners Riesenzwerge sind sperrig  aber das war ja nicht zu allen Zeiten die übelste Einschätzung, die einem Text passieren kann. Das realistische Schreiben hat auch mittlerweile eine ganz andere Gangart eingelegt, der Hyperrealismus der sechziger Jahre hatte schon im darauf folgenden Jahrzehnt kein leichtes Standbein mehr in der Rezeption.&lt;br /&gt;
In allen Kritiken, Nachrufen, Statements zu Gisela Elsner wird verwundert darauf hingewiesen, dass sie von der feministischen Literaturkritik übersehen oder übergangen oder schlicht nicht beachtet wurde. Argumentiert wird mit das mit dem Fehlen von Identifaktionsangeboten bzw. fehlender erbaulicher Authenzität (Jutta Sommerbauerl, Context XXI). Elsner hat  auch in ihren konventionelleren Werken  auf ganz eigene Art quergeschrieben: In der Zähmung (1970, vom &lt;a href=&quot;http://www.verbrecherverlag.de/start&quot;&gt;Verbrecher Verlag&lt;/a&gt; 2002 wieder aufgelegt) erzeugt der Rollentausch innerhalb einer Künstlerehe nicht subversives Potenzial noch entsteht daraus eine Geschlechterposse. Elsners Literatur löst Unbehagen aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Rutschky schrieb in der Frankfurter Rundschau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist Gisela Elsner mit ihrer ungebändigten Lust an der Groteske und ihrem Insistieren auf einem apsychologischen Konstruktivismus nicht eine ältere Schwester von Elfriede Jelinek, die mit dieser Methode und teilweise vergleichbaren Inhalten bis heute erfolgreich ist? (&lt;a href=&quot;(http://www.perlentaucher.de/buch/8954.html&quot;&gt;Perlentaucher&lt;/a&gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im April 2006 erscheint ebenfalls im Verbrecher Verlag eine Neuauflage von Elsners Das Berührungsverbot. Der Ankündigungstext lässt jedenfalls auch ein wenig an Michel Houellebecqs Beschreibungen des postmodernen Beziehungselends denken: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Roman Das Berührungsverbot, der erstmals 1970 erschien, widmete sich Gisela Elsner, diese genaue Beschreiberin der deutschen Verhältnisse, einem Modethema: der sexuellen Befreiung. In ihrem Anti-Porno (Emma) wollen mehrere Paare sich im so genannten Gruppensex üben, um der Spießigkeit ihres bisherigen Lebens zu entfliehen. Doch der Ausbruch, der nie einer war, endet nur in einem Akt unglaublicher Rohheit, die versuchte Befreiung von der bürgerlichen Enge wird zur Gewalttat. (Verbrecher Verlag)</description>
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    <dc:subject>Über Texte</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2011 agnesz</dc:rights>
    <dc:date>2011-05-26T08:37:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://angelikaexpress.twoday.net/stories/der-tod-in-rom-wolfgang-koeppen/">
    <title>Der Tod in Rom, Wolfgang Koeppen</title>
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    <description>Als Denkmal der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur wird dieses Buch bezeichnet, dabei ist es viel lebendiger, lebender: Nach 1945 treffen in Rom einige Menschen aufeinander  Opfer, Täter, Vorbereiter und Nachgeborene des Schreckens , die aber auch durch die Sippe und durch die direkten Auswirkungen ihrer Täterschaft und dem, was davon nie auszulöschen ist, miteinander verbunden sind. Sie sind mit schrecklich-deutschen (&amp; mitunter gehaßten) Namen ausgestattet (Friedrich Wilhelm und Siegfried Paffrath, Gottlieb und Adolf Judejahn), gegen die sie sich kaum, ebensowenig wehren können wie gegen ihre Vergangeneit und Gegenwart. Die Distanz der Figuren (und des Textes) zu sich selbst macht diese tiefe Verstricktheit deutlich und strahlt eine Kälte aus, die einen an keiner Stelle gleichgültig lässt. Verzweifelt und auf faszinierend klare Weise erzählt der Roman auch von Versuchen des neuen Anfangs (die Erlösung der Schuldigen durch die Religion; die Erneuerung der Seele durch die Musik). &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Der Tod in Rom&lt;/i&gt; ist ein Zeitroman; ein Buch über Fremde (Deutsche?) &amp; ihre Wahrnehmungen in Rom, dessen Ewigkeit &amp; den Abschürfungen durch die Vergänglichkeit auch am Ewigen: wie zeitgenössisch das Bild der Stadt auch sein mag, so farbig und intensiv ist aber das Licht, in dem man Rom liest bei Koeppen, auch wenn die kapitolinische Wölfin längst tot und nur die Touristen geblieben sind. Dringende Leseempfehlung!</description>
    <dc:creator>agnesz</dc:creator>
    <dc:subject>Über Texte</dc:subject>
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    <dc:date>2011-05-26T08:35:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://angelikaexpress.twoday.net/stories/jahrestage-uwe-johnson/">
    <title>Jahrestage, Uwe Johnson</title>
    <link>http://angelikaexpress.twoday.net/stories/jahrestage-uwe-johnson/</link>
    <description>Das Leben der Gesine Cresspahl &amp; ihrer Tochter Marie in New York in 365 Tagesberichten mit ihrer mecklenburgischen, ostdeutschen, sozialistischen, westdeutschen, kapitalistischen Vergangenheit. Anhand von Zeitungszitaten, eigenen Kurznotizen, Tonbandaufzeichnungen (für wenn ich tot bin) und Dialogen wird ein Jahr im Leben der Hauptfigur Gesine Cresspahl in New York erzählt. Es beginnt am 20. August 1967 und endet mit dem Einmarsch der russischen Truppen in die Tschechoslowakei am 21. August 1968. Hier wird nicht gedichtet, ich versuche dir etwas zu erzählen. Der Erzählton ist liebevoll, der Ton oft groszartig, fast schelmisch dabei, nicht unformal. Monologe &amp; Dialoge sind immer viel mehr als die Aussage, wer was spricht  &amp; das ist ja immer wieder auch Thema, Johnsons Zwiesprache mit Gesine Cresspahl : das Erzählte weist auf den Sprecher hin &amp; nicht umgekehrt. Das Geburtsdatum Gesines (1933) und der letzte Tag im Roman (20.08.1968) geben den Rahmen für die Welt- und Zeitgeschichte  das ist eine Unmenge an Fakten, sperrig oder auch erratisch dargeboten, &amp; dabei so etwas wie eine kollektive Erinnerungsleistung im Brennpunkt einer privaten Lebensgeschichte, eines der bedeutendsten epischen Unternehmen der Nachkriegszeit, Hauptwerk des Autors &amp; wohl auch Zentrum der sogenannten deutsch-deutschen Literatur. Weltliteratur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uwe Johnson, Jahrestage. Aus dem Leben der Gesine Cresspahl&lt;br /&gt;
Suhrkamp (1. Auflagen 1970-1983 in 4 Lieferungen)</description>
    <dc:creator>agnesz</dc:creator>
    <dc:subject>Über Texte</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2011 agnesz</dc:rights>
    <dc:date>2011-05-26T08:33:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://angelikaexpress.twoday.net/stories/bei-den-bieresch-klaus-hoffer/">
    <title>Bei den Bieresch, Klaus Hoffer</title>
    <link>http://angelikaexpress.twoday.net/stories/bei-den-bieresch-klaus-hoffer/</link>
    <description>(urspr. 1979: Halbwegs; 1983: Der große Potlatsch)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So meint die Tante zu Hans:&lt;br /&gt;
Auf uns liegt der Fluch seit dem allerersten Tag! Jede Zeile, jedes einzelne Wort in unseren Schriften verflucht den Bieresch.  Heimweh gibt es nur zuhause, sagen wir, weil wir nicht fort können von hier, weil wir auf ewig ins Labyrinth unserer unglücklichen Biereschgeschichte eingesperrt sind. Wir haben Heimweh nach uns selber, weil keiner sein kann, wie er ist, jeder bloß die Eigenschaft seiner Umgebung spiegelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rund 25 Jahre nach Erscheinen des Kultbuchs von Klaus Hoffer gibt der Literaturverlag Droschl den Doppelroman Bei den Bieresch wieder heraus: Hans wird zum Stellvertreter seines verstorbenen Onkels  dafür reist er nach Zick, einem Dorf im Osten des Reiches, wie es heißt, das irgendwo im Südburgenland zu verorten ist, in einer pusztaähnlichen Landschaft gelegen, zum Volk der Bieresch. Hans muss dessen Identität annehmen, zieht in sein Haus, arbeitet als Briefträger. Das ist schon fast alles, was man über die Handlung dieses Doppelromans sagen kann, denn die Bieresch leben ihr Leben nicht, sie versuchen, es zu erklären: Jeder Bieresch ist ein zänkischer, bessserwisserischer Philosoph. (P. Handke in einer Spiegel-Rezension Anfang der 1980er Jahre) und: Nichts war einfach, alles hatte Bedeutung. Hans erfährt von den Göds in sieben wichtigen Gespräche, die Monologe und sich im Großen wie im Kleinen widersprechenden Belehrungen die Geschichte der Bieresch und ihr Schicksal, soll so seiner Bestimmung zugeführt werden. Diese Diskurse über die eigene Vergangenheit und ihre Regeln bestimmen den Roman: Die Monologe, Geschichten, Fabeln, Mythen und Legenden verstehen diese besessenen Erzähler (die zu keiner bindenden Identität finden, obwohl sie sich doch in einer Art Sisyphusarbeit unaufhörlich selbst befragen, als Verfluchte der Zeit P. Landerl) oft selber nicht. &lt;br /&gt;
Am Ende des ersten Teils erhält Hans einen sprechenden Namen (Halbwegs): das ist ein Zeichen zugleich der Anerkennung und der Ausweglosigkeit.&lt;br /&gt;
Ein Jahr lang haben die Bieresch  sie sind so was wie vage Anarchisten  die Erlaubnis, dem Stellvertreter alles zu nehmen: gesetzlich legitimierter Diebstahl, um den Urfrevel (Landbesitz und also Besitz überhaupt) zu sühnen  der große und der kleine Potlatsch, den Indianern entlehnt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in Kafkas Prozess ist Bei den Bieresch eine latente Schuld spürbar, mitunter scheinen die Grenzen zw. Opfern, Angeklagten und Anklägern fließend, wie im Schloß ist das Neue für Hans/Halbwegs nur auf den ersten Blick vertraut, erforscht einer die Rituale, die ominöse Bürokratie  aber das hat keinen wissenschaftlichen, sondern für den Fremden (Hans, K.) einen existenziellen Grund. Der letzte Satz ist ein Schlüssel zum Verständnis des Romans: Nichts zeigt sich so, wie es ist. Oder, wie das Motto zu Der große Potlatsch zu erklären versucht: Unsere Geschichte ist der Knoten, der sich knüpft, wenn man ihn löst.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die absolute Liebe zum Paradoxen und zum Absurden: jetzt neu aufgelegt. Ein hilfreiches Inhaltsverzeichnis und eine Rezension von Heinz Schaffroth ergänzen die schöne Droschl-Ausgabe. Unbedingte (Wieder-)Leseempfehlung!!</description>
    <dc:creator>agnesz</dc:creator>
    <dc:subject>Über Texte</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2011 agnesz</dc:rights>
    <dc:date>2011-05-26T08:29:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://angelikaexpress.twoday.net/stories/herzzeit/">
    <title>Herzzeit</title>
    <link>http://angelikaexpress.twoday.net/stories/herzzeit/</link>
    <description>Für mich stellt sich nicht die Frage nach der Rolle der Frau, sondern nach dem Phänomen der Liebe  wie geliebt wird. () Liebe ist ein Kunstwerk, und ich glaube nicht, dass es sehr viele Menschen können.&lt;br /&gt;
So Ingeborg Bachmann in einem Interview 1971. Das Briefgespräch zwischen ihr und Paul Celan ist da längst verstummt, bereits Anfang der 1960er Jahre verdunkelten die sog. Goll-Affäre (Plagiatsvorwürfe der Witwe Claire Goll an Celan) und eine als antisemitisch empfundene und eine existenzbedrohende Krise auslösende Rezension des Gedichtbandes Sprachgitter im Berliner Tagesspiegel das Verhältnis zwischen Celan und Bachmann, im April 1970 wählte Celan den Freitod in der Seine.&lt;br /&gt;
Der Briefwechsel  lange gesperrt und nun früher als angekündigt veröffentlicht und sehr sorgfältig kommentiert und ediert  kann als Einübung und Nachempfinden dieses Kunstwerks Liebe gesehen werden. Freundschaft, Distanz, Missverständnisse, existentielle Enttäuschungen  die Stationen dieser Beziehung sind naturgemäß nicht scharf voneinander abzugrenzen, oftmals ging das eine ins andere über, existierte mehreres gleichzeitig. Es ist ein symptomatisches Gespräch, nicht nur für eine exemplarische Liebe der deutschen Nachkriegslyriker, sondern auch ein dramatisches Stück Literatur- und ein eindrückliches Beispiel Nachkriegsgeschichte  wird doch der Beginn und die Parallelität von Dichtung und Leben gezeigt: Bachmann, die junge Künstlerin aus der österreichischen Provinz mit ehemaligen NSDAP-Mitglied als Vater und Celan, der staatenlose Juden aus der Bukowina, der seine Familie im KZ verloren hat. Schwere und Schuld, Schweigen sind denn auch Schlüsselwörter ihres Gesprächs und ihrer Beziehung.&lt;br /&gt;
Biographisch ist die Entwicklung, die die Bachmann im Laufe dieser Briefwechsels durchlaufen hat, die erstaunlichere: Sie möchte der sein, der sie geworden ist. Sie ist diejenige, die den Freund und Geliebten unterstützt und fördert, für ihn sogar auch praktische Dinge wie eine Anreise zum Treffen der Gruppe 47 mitorganisiert; seine Opfer-Rolle allerdings ist sie letzten Endes nicht bereit zu akzeptieren. &lt;br /&gt;
Mein Leben ist zu Ende, denn er ist auf dem Transport im Fluß ertrunken, so das Traum-Ich in Bachmanns Roman Malina, und: er war mein Leben. Ich habe ihn mehr geliebt als mein Leben. Im poetologischen Nachwort sprechen die Herausgeber vom Briefgeheimnis der Gedichte, deren Spuren zeichnen sie wunderbar nach und es entspinnt sich wirklich ein neuer Roman, in dem nun beide Stimmen gemeinsam zu hören sind; zusammen mit den Briefen Max Frischs an Celan und Gisèle Celan-Lestranges an Bachmann interessanter und eindrücklicher, vor allem aber so vielstimmig-berührend wie es nicht zu vermuten war nach all den Jahren.  	  	&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bachmann, Ingeborg / Celan, Paul&lt;br /&gt;
Herzzeit&lt;br /&gt;
Ingeborg Bachmann  Paul Celan. Der Briefwechsel&lt;br /&gt;
(Beiträge von Frisch, Max / Celan-Lestrange, Gisèle. Herausgegeben von Badiou, Bertrand / Höller, Hans / Stoll, Andrea / Wiedemann, Barbara), Suhrkamp 2008.</description>
    <dc:creator>agnesz</dc:creator>
    <dc:subject>Über Texte</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2011 agnesz</dc:rights>
    <dc:date>2011-05-26T08:26:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://angelikaexpress.twoday.net/stories/18130930/">
    <title>Wild!</title>
    <link>http://angelikaexpress.twoday.net/stories/18130930/</link>
    <description>Constantin Göttfert: In dieser Wildnis&lt;br /&gt;
Erzählungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Constantin Göttfert eröffnet seinen Erzählband mit einer langen Kamerafahrt, die an einen Western erinnert: Er zoomt von bekannten Österreich-Bildern über eine Wahrheit des Erzähler-Ichs  was ich meine Heimat nenne, eine flachgedrückte Ebene  und eine einsame Zugstation (sicher kein Bahnhof!) zu unendlichen Sonnenblumenfeldern; er lässt eine Medikamentendose über ein Kanalgitter rollen, lässt den Wind wehen (man hört die Mundharmonika und spürt den Staub in den Augenwinkeln), gelangt endlich in ein Elternhaus hinein, es wird eng, geht im Laufe der Geschichte in den Keller, wohin sonst: In den Wänden. Göttfert zeigt ein absurd-abstraktes Österreich, das aus Provinzen und Rändern besteht, auch wenn die Orte Innsbruck oder Graz, Ebensee oder Semmering heißen. Es ist aber zweitrangig, dass man das Meiste verorten kann. Und eine flachgedrückte Ebene hat auch nichts mit Weite und Offenheit zu tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn eine Figur stundenlang in einem Bahnhofscafé sitzt oder eine andere eine fragwürdige Kommune in der Nähe von Görlitz besucht, flirrt eine subtile Dramatik zwischen den Zeilen umher, dass es immer wieder unklar ist (oder bleibt), ob die Figuren Welten zurücklegen und dabei auf der Stelle treten oder umgekehrt. Sie bewegen sich (oder bleiben) allesamt auf gefährlichem Terrain. Alles verloren, aber es kann noch schlimmer werden  und grausamer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verwilderte, Devastierte, Heruntergekommene ist bei Göttfert vor allem inwendig; sichtbar gemacht wird es auch an Äußerlichkeiten. Es gelingt ihm zum Beispiel, lediglich mit der Anbringung eines Plakates zum sogenannten Ausländervolksbegehren der FPÖ bzw. dessen Existenz noch Jahre später, präzise Auskunft über einen Ort und seine Bewohner und über deren Verfasstheit, zu vermitteln, ohne es ausführlich beschreiben zu müssen. Sie sind immer (noch da), sie haben keine Zukunft, sie haben keine Chance; was hinter ihnen liegt und auf ihnen bürdet, ist eine Zumutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wildeste Wildnis ist naturgemäß die Familie, davon erzählt Göttfert in beunruhigenden Bildern und Szenen, in denen die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung verwischen; wenn sich seine Figuren auf den Weg machen, ist aber ein Ziel nicht in Sicht. Eltern und Kinder belauern sich gegenseitig, Sätze werden wie Formeln wiederholt, die zu keinem Ergebnis führen werden. Die Grausamkeiten eines misshandelnden Vaters, der über seine Familie (und darüber hinaus) herrscht, sind nie auf einen Täter und seine Opfer beschränkt, längst haben sie sich ausgebreitet. Die Unverschämtheit der eigenen Existenz zeigt sich als Schamlosigkeit, die als Gewalt oder Gleichgültigkeit zwischen den Menschen an den Tag tritt. Von dieser Verantwortung wird auch der Misshandelte nicht ausgenommen und so schildert einer, wie die (ebenso misshandelte) Mutter junge Katzen langsam zu Tode quält nicht einmal das, er fragt sich: Und wie lange noch war ich dort gestanden, versteckt hinter der Stallmauer, und hatte entsetzt mit ansehen müssen, dass Mutter einfach gegangen war und die Halbtoten mit zerquetschten Leibern und gebrochenen Knochen einfach am Leben ließ?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Figurenkonstellationen in diesen Erzählungen lassen einen an eine Familienaufstellung denken, jemand muss weggehen, um seine Position (seine Beziehung) zum anderen orten zu können. In der Erzählung Keine Katastrophe etwa fahren Vater und Sohn in ein Überschwemmungsgebiet, lediglich, so scheint es, um von dort aus die Mutter wieder und wieder anzurufen. Wenn sie nach kürzester Zeit zu ihr nachhause zurückkehren, ist gleichzeitig vollkommen klar und unklar, worauf sich diese Katastrophe, die angeblich keine ist, bezieht, dies aber zu benennen, kommt für den Erzähler nicht in Frage. Das erinnert mitunter an die surrealen Techniken eines David Lynch und sorgt für jenen Sog, der einen ratlos und rastlos weiterlesen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kleinverlagen erschienen vor In dieser Wildnis bereits zwei Kurzprosabände des 1979 in Wien geborenen Göttfert, der nach einem Germanistikstudium gerade seinen Abschluss am Leipziger Literaturinstitut macht. Und auf alles, was von ihm noch kommt, kann man sehr gespannt sein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leipzig: poetenladen, 2010&lt;br /&gt;
121 Seiten, geb., Euro 16,80&lt;br /&gt;
ISBN: 978-3-940691-15-6</description>
    <dc:creator>agnesz</dc:creator>
    <dc:subject>Über Texte</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2011 agnesz</dc:rights>
    <dc:date>2011-05-26T08:24:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://angelikaexpress.twoday.net/stories/im-park-am-see-im-zimmer/">
    <title>Im Park, am See, im Zimmer</title>
    <link>http://angelikaexpress.twoday.net/stories/im-park-am-see-im-zimmer/</link>
    <description>Alfred Kolleritsch zum 80. Geburtstag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man sich der Blumenhalde, das während meiner Anwesenheit das Türschild Literaturatelier trägt, nähert, von der S-Bahn kommend z.B., quert man die stark befahrene Seestraße, man sieht keinen Ort(skern), nur die Straße. Stadt, Land, wir kennen das. Und dennoch Raum für alle Bedürfnisse. Augenblicklich ist die Straße im Rücken verschwunden und man befindet sich in einem großzügigen, schön und schlicht eingerichteten Atelier, kein unnötiges Mobiliar verstellt den Blick aufs Wesentliche (See oder was innen ist, denn man möchte ja arbeiten, am Text), alles ist vorhanden, an alles wurde gedacht, so dass man herkommen kann und anfangen oder weitermachen, beenden, ganz wie man möchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die junge Frau, ein Mädchen noch, das immer weiße oder schwarze Kleidung trägt, lagert mit anderen Jugendlichen auf dem kleinen Hügel im Stadtpark von Graz, hinter dem Haus. Dunkel ist es, keiner wohnt hier mehr: die Dichter sind ausgezogen. Das Mädchen schleicht um das verfallende Häuschen herum, lässt sich nieder: inmitten kiffender Vögel, Krähen vielleicht, aber was haben sie wirklich miteinander zu tun, außer gemeinsam jung zu sein? Die anderen interessieren sich nicht für Alfred und Peter, auch für Franz nicht oder Klaus. Das Mädchen raucht nicht von ihrem Tabak, rührt das Marihuana der anderen nicht an. Dass es eine Dichterin sein wird, das ist gewiss für das Mädchen, aber hier, in der Nachlässigkeit und Dunkelheit des Parks, will das niemand wissen. Jahrelang hält es das Maul, dann rettet es sich nach draußen. Undurchlässig ist alles, was es umgibt, das Zimmer mit dem Balkon, auf dem die nahe Autobahn zu hören ist, die Familie, die Luft um das Haus herum, in dem es seine Kindheit verbringt. Eine junge Frau. Weg mit ihr. Weg von hier. Sie zieht aus, verstaut Zettel, verbrennt Papier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Orte, an die man sich zum Schreiben begibt, nicht immer von besonders großer Relevanz. Es kann vorkommen, dass ich direkt nach der Ankunft, auch im Text, an dem ich arbeite, ankomme. Mich orientiere, darin herumgehe, schaue, Räume inspiziere, neu vermesse und Pläne überarbeite : Anbau hier, diese Etage kommt weg, an der anderen Seite des Gebäudes wird aufgestockt. Ein notwendiger Abriss wird wohlüberlegt, geht aber trotzdem blitzschnell und der Blick auf das Ganze stellt sich ein. Ich arbeite vor mich hin, sichte und erstelle einen genauen Kapitelplan etwa. Oder ich gehe einfach weiter, die Straße ist eine andere, natürlich, hier sind andere Menschen unterwegs und ich bin eine Andere. Der Text, an dem ich arbeite, ist das Zimmer, von dem aus ich die (neue) Umgebung betrachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Montpellier oder Marseille oder sieben Grad mehr als da, wo sie geboren, zehn mehr als in der Stadt, in der sie zuletzt gelebt hat. Sie ist eine Reisende jetzt, vielleicht erwachsen. Die Menschen sitzen auf Terrassen, die keine sind, sondern Tische mit Stühlen auf Plätzen, Trottoirs. Die junge Frau trinkt Pastis, es ist früh am Abend. Sie geht durch die schmalen Gassen, schaut in dunkle Handwerksläden. Streift über die Corniche und gibt sich Vermutungen und Ahnungen und der Farbe des Himmels oder des Meeres hin. Schreibt Listen mit Leuten, denen sie Briefe schreiben könnte. (An jedem Morgen sind andere Namen durchgestrichen, einmal zum Beispiel : Bernadette Peter Konstanze Dagmara Bernhard.) Direkt nach dem Aufwachen im Hotel des Touristes nimmt sie Johnsons Jahrestage vom Nachttisch und liest darin, bis ihr Geliebter sie herausscheucht, manchmal. Gekommen, um zu schreiben, aber sie liest und vergisst, in den Tag hineinzumarschieren, oder in die Nacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Uerikon habe ich die letzten Seiten (die nicht mit dem Schluss des Buches identisch sind) eines Romans geschrieben, das war ein Darauf-los-Schreiben ohne Hadern mit Konstellationen von Raum oder Figuren, alles war sehr präsent, wenn Umstellungen notwendig waren, ergaben sie sich organisch in dem Sinn, dass man es gestern nicht wusste, wie es geht (vielleicht auch nicht, dass es so nicht geht), heute aber auf einmal sehr wohl. &lt;br /&gt;
Schönheit und Ruhe hatte ich erwartet, aber als ich ankomme  und es dauert tatsächlich nur wenige Momente, vielleicht gar nur einen  bin ich über das Ausmaß der Stille und Stimmung am See und des Sees erstaunt, überwältigt, aber diese Gefühlsregung hat nichts mit Landschaftslyrik zu tun. Klarheit im Blick. Lesen, auf den See schauen. Schreiben, dann wieder über die Weinberge rennen, Hombrechtikon, Feldbach oder mit dem Fahrrad nach Stäfa. Der Wintereinbruch im März und das Heizen der Kachelöfen halten mich ebenso in Trab wie das Bedürfnis, täglich zu laufen, warm eingepackt und mit nassen Füssen im hohen Neuschnee. Das Gefühl der Leere, das sich einstellen kann, unmittelbar nach dem Abschluss eines Textes, liegt als leichter Nebel über dem See, hat mit mir sehr wenig zu tun, ist eher Zufriedenheit. Die Ruhe nach dem Text, das Arbeiten an dem einem Text, ich lese und recherchiere für den nächsten Roman, auf dem Schreibtisch ein Strauß Tulpen wird im Laufe der zweiten Woche zu einer Geschichte  in diesem Fall ein Prozess der Dematerial- und Literarisierung, dem etwas sehr Selbstverständliches innewohnt, kein Umkreisen eines Themas oder Textes, kein Warten und Hinauszögern; und Robert Walser lese ich wieder, Cervantes, Clemens Setz, bald wird Lektüre nachgefasst in den Brockenhäusern Zürichs. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plätschern des Wassers, das Krächzen der Möwen, Enten, die am Wasser landen. Jugendliche unterhalten sich in der Nähe. Zwitschern, Autos, die braunen Blätter von Bäumen, die nicht im Garten der Frau stehen, und über die Wiese rascheln. Krokusse und Maiglöckchen. Sie beschließt, darüber ihr nächstes Gedicht zu schreiben, ähnlich vielleicht Mirrador, das von den Pflasterern in Granada inspiriert war. Es soll ein Gedicht für Alfred werden, der für sie ja schon lange der einzige denkbare Grund ist, Lyrik zu verfassen. Ein Gedicht über dieses Haus am See und den See, über die Frequenzen-Lektüre und jene Abende im Grazer Stadtpark, als das alte Forum-Häuschen noch stand, ein Text über einzelne Stationen zwischen Graz und Uerikon und jene waghalsigen Anfänge oder Versuche, aus denen keine Texte und noch weniger Bücher geworden sind, sollte es sein. Dafür und überhaupt notiert sie die Geräusche, die vom See und von der Straße her kommen, was sie sieht, wenn sie über die Weinberge rennt und dass sie das Rennen in den Augen der Nachbarschaft eventuell rehabilitieren könnte. Für den Briefträger und die Hauswartin ist sie morgens nicht zugänglich und das löst bei der Frau schlechtes Gewissen aus, als würde sie immer noch im Haus der Eltern leben, wo man früh aufzustehen hat und hart zu arbeiten. Aber es ändert nichts daran, dass sie schläft, bis sie von selbst aufwacht und zu dem Buch greift, das am Nachtkästchen liegt (Cervantes), ehe sie die schweren Vorhänge auf die Seite zieht um aufs Wasser zu schauen. Daran, dass sie nichts mehr überprüft, wenn sie aus dem Fenster blickt. Sie verbringt Vormittage auf dem Balkon und liest auf Englisch Artikel über Menschen, die wohnen. Die Hauptfigur ihres nächsten Romans meldet sich nicht wie vereinbart und die Frau versteht das und heißt es zwar nicht besonders gut und hört auf, auf sie zu warten. Der alte Mann von nebenan schaut wie sie auf die drei Männer, die ganz oben in einem Baum die Äste beschneiden, sie sind angeseilt. Ganz feiner Staub, Pollen und Haare flattern zu ihr hinüber, viel davon, auch in ihren Tee. Die Spatzen oder Sperlinge sind laut, es ist schön, wenn sie sich in den kleinen Büschen, die die Grundstücke akkurat voneinander trennen, tummeln und dabei schreien so laut es geht. Weil das Wohnen der anderen, in der spanischen Zeitschrift beschrieben, so spannend ist, verpasst sie leider, wie die drei Männer herunterklettern. Sie ist keine Dichterin geworden, aber eine Schreibende. (Sie benutzt ihre eigenen Satzzeichen und trägt alle möglichen Farben.)&lt;br /&gt;
Als dann vierundzwanzig Stunden später alles, auch alle Geräusche, unter einer schweren Schneedecke liegt, muss die Frau, die nicht alt ist und nicht jung, an jenes Haus im Herbst denken, an Alfreds kranke Mutter, die nicht mehr oben in ihrem Zimmer liegt, sondern im nahen Krankenhaus. Sie denkt an die hundertjährigen Frauen, die das schlechte Gewissen tilgen können, an die Farben der Bäume und der Wiese und wie sie zum Schloss hinüber gegangen sind, das sie aus der Literatur kennt, an diesen verzauberten Tag mit Backhendel und Salat und mit Köchen, die den Weg weisen. Wie sie an ihre Großmutter denkt, fällt ihr das Mittagessen mit Alfred und Andrea ein, sie aßen gebratene Nieren und dass er sie fragte, schüchtern, woher sie ihre Sprache habe und als sie ihm das erklärte, so gut sie konnte, dachte sie, sie hätte vielleicht früher schon hineingehen können, in das Haus im Stadtpark. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort, an dem man sich begibt um zu schreiben, ist ganz und gar irrelevant und so wichtig zugleich. Auch, wenn das eigene Schreiben das erste Zimmer ist, um das herum alles zu bauen/denken ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuerst erschienen in: Manuskripte 189/190, Dez. 2010&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.droschl.com/programm/person.php?person_id=62&quot;&gt;Literatur von Kolleritsch im Droschl-Verlag&lt;/a&gt;</description>
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    <dc:subject>Prosa</dc:subject>
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    <title>Scherbenhügel</title>
    <link>http://angelikaexpress.twoday.net/stories/scherbenhuegel/</link>
    <description>Es ist wie mit den Tulpen, einer Sorte Blumen, die ich immer noch nicht richtig ernst nehmen kann. Wenn die Menschen anfangen, ernsthaft den Frühling zu erwarten, herbeizuwünschen, ja einzufordern, tauchen sie plötzlich überall auf. Manche Floristen stellen sie gar vor die Tür, gut eingepackt und durch Plastikplanen oder partyzeltähnliche Verschläge vor dem Wetter geschützt, das noch zu kalt ist. Rot und Gelb und ausbleichendes Rosa, bunte Sträuße oder unifarben sortiert warten sie darauf, dass jemand auf diese Illusion hereinfällt, wieder einmal, ärgerlich ist das Jahr für Jahr. Wenn du nicht aufpasst, stehst du plötzlich im Laden und hörst dich zum Verkäufer sagen : einen violetten Strauß für sechs Euro bitte. Stellst dir die violette Pracht auf dem kleinen Tisch neben dem Sofa vor, die den Schwindel entschuldigt, obwohl du doch gar nicht den Frühling ins Wohnzimmer holen möchtest, denn dann würdest du doch Narzissen kaufen, aber das wäre ja noch um einiges abgeschmackter. Der Verkäufer fischt den Strauß heraus und als er ihn auf den Arbeitstisch legt, stellt sich der Strauß als ein in dünnes, beinahe durchsichtiges Papier gewickelter Bund von drei Sträußen zu je sechs Euro heraus, ein paar Gummiringe werden gelöst, dann doch nicht alle und der Verkäufer fragt beiläufig und ohne dich anzuschauen nach : wie viele?, weil er diese Szene wahrscheinlich jeden Tag mehrmals erlebt. Da hat sich das Bild von der violetten Pracht auf dem kleinen Marcel Breuer-Tisch (Nachbau) schon in Luft aufgelöst und du überschlägst im Kopf und siehst deine Vernunft dir den Vogel zeigen, du kaufst jetzt wohl nicht ein paar holländische Tulpen für 18 Euro?! und ärgerst dich bereits über die Naivität, die vielleicht doch etwas zu tun hat mit dem Frühling, den du dir ebenso wünschst wie alle anderen. Dann stehen die Tulpen im Wohnzimmer, sind auch hübsch, weil eben genau das ihr Wesen ist. Hübschheit. Ihre wächserne Farbe, die immer unnatürlich wirkende Hübschheit, die vielleicht in einer sehr großen Menge, also unbezahlbar, an Schönheit herankommen könnte, verleiht dem Raum, der ganzen Wohnung, deinen Ideen oder Vorstellungen der nahen Zukunft etwas Unwirkliches, Verlorenes, Sinnloses. Und lass es einen bunten Strauß sein, neun verschiedenfarbige Tulpen, die nach Tagen immer noch nicht verwelkt sind, was sie vielleicht auch gar nicht vermögen, verwelken, denn sie lassen in unterschiedlichen Phasen und Stufen die Köpfe hängen, strecken ihre Kelche in alle Richtungen, auch nach oben, öffnen sich und erreichen nach einer Woche ein bemerkenswertes Stadium der Leere und das hat vielleicht etwas mit Schönheit zu tun, jetzt weiß man bereits, dass nichts darauf folgen wird. Kalter Wind ist zurückgekehrt und die Krokusse auf den Wiesen müssen noch einmal Schnee tragen und du fragst dich nach dem biochemischen Prozess, wenn das Wasser, das über die Stängel in einer sichtbaren Rasanz aufgenommen wird, an die Luft zurückgegeben wird oder sich auflöst. Was hier umgesetzt wird in farbige, manchmal zaudernde Vakuumbehälter und gelangweilte linealbreite Blätter. Dass hier chemische Energie freigesetzt wird, die das Gefühl, in der Welt zu sein, auf irgendeine Weise unterstützt, sich vorteilhaft auswirkt auf die Energiebilanz deiner Umgebung, ist unwahrscheinlich. Es gefällt dir, wenn die Tulpen, kurz vorm Verkommen, ausgebleicht sind und nicht wissen, was aus ihnen werden wird, ha, da musst du lachen, denn es ist ihnen anzusehen. Sie wissen es haargenau. []&lt;br /&gt;
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&lt;a href=&quot;http://www.sonderzahl.at/BUECHER/neuerscheinungen/neu_Stift_Rom.htm&quot;&gt;Alle Wege, 13 Rom-Geschichten, Sonderzahl 2010.&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>agnesz</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2011 agnesz</dc:rights>
    <dc:date>2011-02-01T12:57:00Z</dc:date>
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