Dienstag, 28. Februar 2006

merci Barbara Weber, Mike Müller

aber eigentlich : herzlichen Dank Susa Meyer, Katharina Strasser, Andy Hallwaxx und Lorenz Nufer*)

hu1
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Betritt man den HUNDSTURM, die seit dieser Saison neue kleine Bühne des Wiener Volkstheaters (die leider schon einige Regisseure verschlissen hat & wo bereits mehrere Stücke vorzeitig abgesetzt wurden - lange vor der Premiere), ist man erstens von freundlichen jungen Leuten umgeben & von viel Retrostyle. Die Sitz- & Flötzmöbel, die Luster, die Tapeten : es sieht alles ein bisschen so aus, als hätten sich Jugendliche mit dem, was sie irgendwo irgendwie bekommen haben, ihr Theater eingerichtet. Und einigermaßen Geschmack bewiesen dabei. Die Stimmung ist lässig, aber nicht berufsjugendlich, auch nicht so intellektuell durchtränkt wie in der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. (An die muss man ja immer wieder denken, weil der gerade-nicht-geklaute Schriftzug, die neue Volkstheater-Maxim-Gorki-CI, einem überall entgegenschreit. Naja.)

Egal. Der Bühnenraum ist ein selbstdefinierter, auf die erwarteten Zuschauer abgestimmter Raum in dem alten Theater, hinten lehnt eine alte Klomuschel, das hat alles seinen Reiz. Die Bühne ist vollgestopft mit Devotionalien aus den entsprechenden Epochen : Bilder aus dem Nazi-Reich, Eichen, die beileibe keine sind, die eine oder andere Hakenkreuzfahne "neu interpretiert" (nein: so dargestellt wie es das Mitläufertum gerne hatte: schon da, aber auch wieder nicht zu aufdringlich & in jedem Fall in mehrere Richtungen abgesichert). Man könnte auch sagen vollgemüllt. Eine Jelinek-Portraitkopie hängt auch irgendwie, es passt alles von Anfang an.

Anders als in den Pollesch-Stücken haben die SchauspielerInnen ihren Text mitunter auf Zetteln vor sich (was dem Eindruck entgegenwirkt, sie würden ihn nicht verstehen, zum Beispiel), auch die werden komisch inszeniert. Wie überhaupt: selten soviel gelacht im Theater wie an diesem Abend! Die Schauspieler sind komisch, halten viel (Selbst-)Ironie aus, wie's scheint, gehen mit dem Stoff beholfen um. Einziger Wermutstropfen: zu kurz abgehandelt wurde der Jelinek-Burgtheater-Skandal in den 80ern, zu abrupt endet das Ganze nach einer knappen Stunde (man hätte gerne noch ein bisschen mehr gehabt). Andererseits ist es nur konsequent, diesen "Skandal" zu streifen, aber nicht auszuführen - schließlich geht es ja um den Mythos P. W.

hu2
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Weber/Müllers UNPLUGGED-Theatersystem beinhaltet ja verschiedene Themen mittlerweile (STARS- & HOLLYWOOD UNPLUGGED, RAF) & trifft ziemlich genau eine interessante Form des jüngeren, zeitgenössischen Theaters. Keine braven Dialoge oder unwahr, weil überholt wirkende Plots in einem eben-nicht-mehr-bürgerlichen Milieu angesiedelt, aber auch nicht ein unerträglich überladener Theorie-Wulst, der auch ganz schön aufgeblasen daherkommt.

Also: hingehen, es gibt offensichtlich noch Termine in der laufenden Saison, solange noch ein Regisseure im Hundsturm bleiben & inszenieren, ist das nicht nur die bessere Alternative zur Hauptbühne, es ist sogar ziemlich gut & lässig. Und man kann dann auch noch gut in der Bar abhängen, wie gesagt : die Leute sind freundlich & gutgelaunt (kommt ja auch nicht so häufig vor).


*) das sind nämlich die verrückten SchauspielerInnen von PAULTSCHI UNPLUGGED/ DER MYTHOS PAULA WESSELY zurzeit im Volkstheater am Hundsturm, Wien

http://www.barbaraweber.ch/
http://www.volkstheater.at/spielplan_hundsturm.html?&no_cache=1

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