nichts davon
ein Kopfwäsche.
[ Amelie ] Haben Sie schon einmal gesehen, wie durch ein Haus hindurch die Lichter einer Verkehrsampel blinken und leuchten?
Rot und Gelb und Grün wechseln in kürzester Zeit ab. Das geht ganz schnell immer : Rot. Gelb. Dann ist schon wieder Grün.
Manchmal übersiehst du’s, dann hast du grade noch die Idee von grünem Blinken, da ist’s schon wieder Rot. Das geht immer so weiter, auf einmal gehen zwei auf das Haus zu (oder auf das Leuchten) und einer greift nach der Hand des anderen.
Einer : ein junger Mann gibt dem Mädchen einen Strauß. Er ist blondgelockt und ist ein junger Mann mit einer Zukunft.
Mit einer schönen Zukunft; sagen wir einmal : er wird sein Architekturstudium abschließen, in einem Architektenbüro Häuser planen, in denen die Menschen leben mögen.
Heute trägt er eine feinfaserige dunkelblaue Jacke (steht ihm ausgezeichnet!).
[ Marija ] Wenn es zu warm ist oder zu kalt : dagegen ist leicht was einzuwenden.
Aber Hände in Gummi! Niemand hat jemals zu mir gesagt : zieh die Handschuhe aus, das ist mir unangenehm. Weil alle an die Lösungsmittel denken und niemand davon ausgeht, er hat ein Recht auf Haut auf Haut. Recht auf Haut?
[ Amelie ] Haben Sie auch so eine kleine Schwester, auf die Sie schon ein halbes Leben warten, ach was! Stimmt nicht : länger?
Wenn sie dann da ist, muss sie meistens gleich wieder weg.
Oder sie holt nachher ihren Lover ab oder muss den noch irgendwo hinbringen.
Oder sie bringt große Frauen mit, die sie erst mal lange küsst, ohne sie vorzustellen; manchmal entscheidet sich so eine, dass es jemanden gibt, der sie viel mehr braucht. Und das ist immer jemand anderer.
Ich habe gesungen, das hab ich immer gern gemacht. Natürlich mit den Großen.
Aber darüber redet man doch nicht, wenn man selber vorne steht.
Die Zeit ist heute eine andere. Irgendwer filmt heimlich, ist immer alles gleich auf YouTube zu sehen oder auf MySpace oder wie die Foren alle heißen.
Für mich ist das nichts.
Amelie versucht sich in Folk … Amelie gibt ein Privatkonzert … Ist das ihr Neuer? … Amelie übt jetzt schon öffentlich … Nein. Ist alles vorbei jetzt.
Der Blumenstrauß ist sich fremd in dieser waldigen Gegend.
Das Mädchen trägt auch blonde Haare, aber die will es gar nicht.
Hose Hemd sogar die Schuhe sind dem Mädchen viel zu groß.
Die Blumen will das Mädchen auch nicht haben, auf dem Weg nachhause wird es ihn den Hasen und Rehen als Futter anbieten und das ist : lächerlich.
Dabei : zirpende Grillen oder Frösche, die sich die Seele aus dem Leib schreien.
Nur weil es Bäume gibt oder Büsche, nur weil da ein Wasser ist.
Sumpf Moor schwarzes Nass.
Natur kannst du dir überall hin holen, musst nur aufpassen.
Musst doch nur hinhören oder hinschauen oder deinen Kopf hinhalten oder deinen Kopf unter Wasser tauchen.
Dann sich von der Musik wegbewegen oder auf sie zu.
Dann wissen Sie alles, was Sie wissen müssen.
Oder eine Mutter, die eigentlich immer Privatradio gemacht hat. Und hat das gehasst. Wollte das alles nicht.
Dann hören Sie : Mama ist eine Künstlerin. Macht Möbel Mode probiert immer wieder neue Sachen aus. Eine Entdeckerin.
Dass sie zum Beispiel reist, diese Mama, und wirklich unterwegs ist und Urlaub macht. (Tauchen surfen oder endlos in Secondhandläden chillen.)
Und dass das eine Mutter ist, die Spanisch spricht. Wow!
So mit vier hat sie ein Poster von mir in der Wohnung aufgehängt : ich trage ein Dirndl, was glaub ich eine Extraanfertigung für mich war; egal.
Meine Mum hängt dieses Poster auf. Ich konnte damals wohl schon meinen Namen schreiben, hab Autogrammkarten signiert : Love Aimée!
Meine Mum weinte ohne Ende.
Bald ist sie ausgezogen. Sie wollte das alles nicht.
Der junge Mann will ein Mädchen, das sich über die Blumen freuen kann.
Er will ja jetzt mit dem Strauß da seine Heftigkeit wieder gutmachen. Da ist Leichtigkeit drin und Ernstes auch; Blumen sind schließlich bunt.
Leid tut es ihm.
Er will eine liebe Freundin, die im richtigen Moment Schreikämpfe oder Wut wenigstens, das ja, und zur rechten Zeit so etwas wie Abstand zeigt oder empfindet.
Oder meinte er Anstand? Denn : einen Anstand soll das Mädchen auch haben, natürlich, der gehört zur Zukunft, die er sich denkt für sie zwei.
Dann kommt so ein Pepe ins Spiel.
In Interviews wird ja gerne immer gesagt, dass Pepe alles für sie getan hat. Dass er immer auf die Ausbildung geachtet hat. Auf Alternativen Standbeine was Fixes.
Und dann hat er das viele Geld, ja : ist es viel?
Darüber reden sie nicht so gern, weil wie schaut denn das aus. Oder : es kommt doch nicht auf Summen an!
Aber so ein Pepe ist ein Waschlappenvater, der sich drangehängt hat, weil ihm selber schon früh die Ideen ausgegangen sind.
Macht nichts, könnte ein Lehrer gewesen sein in seinem früheren Leben oder Studienabbrecher, einer, der immer mehr wollte als er sich hat vorstellen können und das heißt dann Ideale große Idee oder Glück.
Pepe, da wissen Sie gleich : wird als Licht wahrgenommen. Sonnenschein!
Oder sie sagen, dass sie gar nicht über ihn reden wollen.
So ein Pepe nimmt schon einmal selber das Mikro in die Hand oder eines stellt sich ihm in den Weg. Ist zurückhaltend von Natur aus. Einer, der gar nicht ins Rampenlicht will undsoweiter.
Sich eben kümmert. Um die Vermarktung, aber in Wahrheit natürlich : Seelenheil Entziehungskur Zweitvilla.
Manchmal hab ich das Gefühl, die Ampeln werden gar nicht ausgeschaltet.
[ Marija ] Die Farbe nicht ganz getroffen? Das macht nichts. Es wird bestimmt eine Nuance sein, die besser zum Teint passt, als man sich’s selber vorstellen kann. Es werden da die Grübchen betont oder die hohen oder breiten Wangenknochen, je nachdem.
Ist ein bisschen wie bei der Wurst. Darf’s ein bisschen mehr sein?
Kolleginnen sind schon verklagt worden, aber da ging’s immer um die Länge.
Bevor die Farbe zum Streitfall wird, kann man umfärben ohne Ende.
[ Amelie ] Annäherungsversuche im gemeinsamen Hotelzimmer : die muss das Mädchen aber abwehren. Nämlich abwehren wollen. Aber hallo!
Die anderen sind immer da.
Egal ob es Nacht ist oder Tag oder ob ich eine Woche lang nicht zuhause war. Die brauchen mich nicht zu suchen. Die wissen immer. Wo ich bin. Meinen Terminkalender kennen die besser als ich selber.
Zeit haben sie. Das ist ihr Job. Ich versteh das, kann ich akzeptieren. Dadurch verschwinden sie auch wieder.
Menschen sind wie du und ich. Unsichtbar. Die alle ihre Arbeit machen. Müssen. Stell dir vor, wie lange die dran sind an so einer Story.
Zum Beispiel du kommst aus einem Club nachhause und sie hängen vor der Tür rum. Manchmal ist es ja auch kalt, meistens ist es Nacht oder bewölkt.
Kommt nicht vor, die Sonne. Oder nur bei mir. Kommt kein Sonnenschein vor. Durch – muss es heißen.
Meine kleine Schwester sagte oft : bald kommt die Sonne durch, dann können wir wieder hinausgehen. Auch wenn wir draußen waren.
Dann können wir rausgehen.
Ich habe schon gewusst, dass es heißen muss : Sonne kommt nicht vor, nicht in dieser Straße. Sonne war nicht.
Er will doch nur, dass das Mädchen einsieht, dass es gut für sie ist, mit ihm zu sein.
Immer.
Immer tanzen sie besonders viel, immer, wenn ich es nicht mehr aushalte, schwingen sie ihre Arme, wie die Wilden, weiß nicht, ob die denken, ich krieg das nicht mit oder was. Was soll das denn für eine Hilfe sein!?
Aber so ist das.
So ist das nicht.
Immer wollen sie ablenken, von dem was passiert. Mit mir. Was passiert denn da. Weißt du das etwa?
Immer immer immer.
[ Marija/Amelie ] Wer dann die Rechnungen bezahlt : wen interessiert das!?
Ja eh, würden wir alle gerne wissen, von welchen Summen hier geredet wird, aber ganz im Ernst : dafür gibt es Listen.
Also wenn Sie das wirklich wissen wollen, blättern Sie sich halt durch, bitte!
[ Amelie ] Es wird dann geredet von kleinen Schwestern, denen der rosarote Infantinnenthron finanziert wurde und die nach all den Versteigerungen mit einer Ersatzmutter daherkommen.
Björn der Produzent erzählt auf irgendeinem Event die Geschichte seines Lebens. Im Moment ist er zwar Single, aber er will eine Familie, er will immer auf eine andere Party, wo vielleicht die Frau seines Lebens auf ihn wartet.
Natürlich ist er in seinem tiefsten Inneren Philosoph.
Macht sein Geld mit Shows (die seine Kinder niemals schauen dürften), die die Jugend verderben und hat noch ein paar andere Sachen laufen, Zigarettenindustrie Kreditkarten Internet.
Wenn sich die anderen gut fühlen können, weil er selber ein moralisches Arschloch ist, geht’s ihm gleich besser.
Dann hat Pepe jemanden bezahlt für das aufstrebende Sternchen und die haben zwar nicht geheiratet, aber eine Zeitlang waren sie zusammen. Oder war das nur für die Öffentlichkeit?
Auf einer Modenschau strahlen Tochter und die kamerascheue Mutter Seite an Seite, Mutterarm über der Tochterschulter, ganz vertraut. Ein paar Fotografen halten das kleine Glück fest, dieses eine Mal.
Was ich jetzt brauche ist Schönheit!
Also da will ich hin. Wenn du wirklich an die Schönheit herankommst, an die leuchtende, strahlende, wirklich wahre Schönheit : dann hast du es doch geschafft.
Ich dagegen. Ich schwitze. Da, vorne am Dekolleté, zwischen den Brüsten. Morgens nach dem Aufwachen ist die Haut zerknittert wie bei einer uralten Frau.
Ich muss mich immer umdrehen und umdrehen, mir das Wasser von der Brust wischen, es rinnt in Strömen.
Was er wahrscheinlich nicht wollte : dass alle den Satz, den er mit Bleistift in säuberlicher Architektenschrift vorne in Camus’ Pest geschrieben hat, als das Letzte betrachten, was von ihm im Leben des Mädchens übrigbleibt.
Dann decke ich den Tisch für alle.
[ Marija ] Wenn Sie durch das Geschäft durchgehen, kommen Sie in einen kleinen Aufenthaltsraum mit Sofa und Kaffeemaschine, und dann gehen Sie an der Toilette vorbei, der Gang führt direkt auf den Hof.
[ Amelie] Da kann man alles mit Kerzen ausleuchten oder ein Partyzelt aufstellen, dann sieht man die Mülleimer vielleicht nicht.
Eine große Tafel, das Silberbesteck ist echt. Diesmal ist es echt.
Über die Schläge, die dumpfen, die Beats und das Hämmern auf Nerven oder Bühnenbretter.
Über die Unverantwortlichkeit, mich oder uns überhaupt in die Welt zu setzen, das muss man sich einmal vorstellen!
Scheinargumente, man redet sich auf die Verwandtschaft aus, meistens auf ältere Geschwister oder Bekannte der Eltern, auf die vor allem!
In der Zwischenzeit leert sich der Tisch, was sonst.
Geschirr klirrt, Schweiß rinnt, ich versuche meine Haut zu glätten, aber so, dass es niemand sieht.
Auch die andern ziehen sich zurück : von denen ist keine Unterstützung zu erhoffen, auch diesmal nicht, gerade jetzt!
Unfug Verschwendung Fake, Mama.
Die Mutterrolle ist dabei nicht ganz eindeutig. Scheinbar auf meiner Seite, naja, aber sie spielt das wirklich nicht sehr überzeugend.
Achten Sie bitte einfach auf die Ampel.
[ Marija ] Sagen Sie, wenn Ihnen die Gummihandschuhe wehtun. Bei mir löst ja schon der Gedanke daran Schüttelfrost aus, Sie können mit Verständnis rechnen.
[ Amelie ] Wir waren doch ein Team, wir sind doch wie eine Familie!
Hemd Hose Schuhe und der Wunsch nach ein bisschen Schönheit. War das schon alles?
Wie viel Konzentration wohl notwendig ist um zu erkennen, wo genau die Vergangenheit und die Zukunft aufeinander stoßen?
Ich meine : es geht um den Moment. Du hast es oder hast es nicht.
In seiner zierlichen Architektenschrift steht da : die Hölle, das ist man selber.
Da regt sich was und ich sehe aus einiger Entfernung der Geburt eines Kindes zu. Das ist aber gar nicht so weit weg und in einem Kopfpolster hat es sich schon einmal aus der Fruchtblase befreit.
Es ist klein, es ist winzig und witzig, es kann schon reden. Es kann eigentlich alles und da schau : sind ja doch durch die Nabelschnur verbunden. Der Kindsvater wird nicht verständigt, der Termin ist ja viel früher eingetreten als erwartet. Kindsvater : hör ich zum ersten Mal, dieses Wort.
Ich warte auf die Hebamme, weil ich nichts finden kann, mit dem ich die Nabelschnur durchtrennen könnte. (Auf welcher Seite bin jetzt ich?)
Das Kind reißt aber dran.
Will sich das Haus anschauen.
Das Licht wird ihm wichtig sein oder die Schatten, da kenne ich mich nicht so gut aus. Gut, dass noch keine Fenster eingesetzt sind, so kann es alles besser sehen.
Das Kind kann ja schon gehen und umfallen, weil es doch noch nicht so stabil ist; es verletzt sich die ganze Zeit.
Rot Grün Gelb und Wiederholung.
Grün oder Rot Grün Grün.
Ich zeige dem Kind alles und dann liegen wir gemeinsam im Bett, und es will von meiner Brust trinken, schläft ein dabei, trinkt wieder und es hat blonde Haare und wird nicht bei mir bleiben und nichts davon. Ist lächerlich.
[ Amelie ] Haben Sie schon einmal gesehen, wie durch ein Haus hindurch die Lichter einer Verkehrsampel blinken und leuchten?
Rot und Gelb und Grün wechseln in kürzester Zeit ab. Das geht ganz schnell immer : Rot. Gelb. Dann ist schon wieder Grün.
Manchmal übersiehst du’s, dann hast du grade noch die Idee von grünem Blinken, da ist’s schon wieder Rot. Das geht immer so weiter, auf einmal gehen zwei auf das Haus zu (oder auf das Leuchten) und einer greift nach der Hand des anderen.
Einer : ein junger Mann gibt dem Mädchen einen Strauß. Er ist blondgelockt und ist ein junger Mann mit einer Zukunft.
Mit einer schönen Zukunft; sagen wir einmal : er wird sein Architekturstudium abschließen, in einem Architektenbüro Häuser planen, in denen die Menschen leben mögen.
Heute trägt er eine feinfaserige dunkelblaue Jacke (steht ihm ausgezeichnet!).
[ Marija ] Wenn es zu warm ist oder zu kalt : dagegen ist leicht was einzuwenden.
Aber Hände in Gummi! Niemand hat jemals zu mir gesagt : zieh die Handschuhe aus, das ist mir unangenehm. Weil alle an die Lösungsmittel denken und niemand davon ausgeht, er hat ein Recht auf Haut auf Haut. Recht auf Haut?
[ Amelie ] Haben Sie auch so eine kleine Schwester, auf die Sie schon ein halbes Leben warten, ach was! Stimmt nicht : länger?
Wenn sie dann da ist, muss sie meistens gleich wieder weg.
Oder sie holt nachher ihren Lover ab oder muss den noch irgendwo hinbringen.
Oder sie bringt große Frauen mit, die sie erst mal lange küsst, ohne sie vorzustellen; manchmal entscheidet sich so eine, dass es jemanden gibt, der sie viel mehr braucht. Und das ist immer jemand anderer.
Ich habe gesungen, das hab ich immer gern gemacht. Natürlich mit den Großen.
Aber darüber redet man doch nicht, wenn man selber vorne steht.
Die Zeit ist heute eine andere. Irgendwer filmt heimlich, ist immer alles gleich auf YouTube zu sehen oder auf MySpace oder wie die Foren alle heißen.
Für mich ist das nichts.
Amelie versucht sich in Folk … Amelie gibt ein Privatkonzert … Ist das ihr Neuer? … Amelie übt jetzt schon öffentlich … Nein. Ist alles vorbei jetzt.
Der Blumenstrauß ist sich fremd in dieser waldigen Gegend.
Das Mädchen trägt auch blonde Haare, aber die will es gar nicht.
Hose Hemd sogar die Schuhe sind dem Mädchen viel zu groß.
Die Blumen will das Mädchen auch nicht haben, auf dem Weg nachhause wird es ihn den Hasen und Rehen als Futter anbieten und das ist : lächerlich.
Dabei : zirpende Grillen oder Frösche, die sich die Seele aus dem Leib schreien.
Nur weil es Bäume gibt oder Büsche, nur weil da ein Wasser ist.
Sumpf Moor schwarzes Nass.
Natur kannst du dir überall hin holen, musst nur aufpassen.
Musst doch nur hinhören oder hinschauen oder deinen Kopf hinhalten oder deinen Kopf unter Wasser tauchen.
Dann sich von der Musik wegbewegen oder auf sie zu.
Dann wissen Sie alles, was Sie wissen müssen.
Oder eine Mutter, die eigentlich immer Privatradio gemacht hat. Und hat das gehasst. Wollte das alles nicht.
Dann hören Sie : Mama ist eine Künstlerin. Macht Möbel Mode probiert immer wieder neue Sachen aus. Eine Entdeckerin.
Dass sie zum Beispiel reist, diese Mama, und wirklich unterwegs ist und Urlaub macht. (Tauchen surfen oder endlos in Secondhandläden chillen.)
Und dass das eine Mutter ist, die Spanisch spricht. Wow!
So mit vier hat sie ein Poster von mir in der Wohnung aufgehängt : ich trage ein Dirndl, was glaub ich eine Extraanfertigung für mich war; egal.
Meine Mum hängt dieses Poster auf. Ich konnte damals wohl schon meinen Namen schreiben, hab Autogrammkarten signiert : Love Aimée!
Meine Mum weinte ohne Ende.
Bald ist sie ausgezogen. Sie wollte das alles nicht.
Der junge Mann will ein Mädchen, das sich über die Blumen freuen kann.
Er will ja jetzt mit dem Strauß da seine Heftigkeit wieder gutmachen. Da ist Leichtigkeit drin und Ernstes auch; Blumen sind schließlich bunt.
Leid tut es ihm.
Er will eine liebe Freundin, die im richtigen Moment Schreikämpfe oder Wut wenigstens, das ja, und zur rechten Zeit so etwas wie Abstand zeigt oder empfindet.
Oder meinte er Anstand? Denn : einen Anstand soll das Mädchen auch haben, natürlich, der gehört zur Zukunft, die er sich denkt für sie zwei.
Dann kommt so ein Pepe ins Spiel.
In Interviews wird ja gerne immer gesagt, dass Pepe alles für sie getan hat. Dass er immer auf die Ausbildung geachtet hat. Auf Alternativen Standbeine was Fixes.
Und dann hat er das viele Geld, ja : ist es viel?
Darüber reden sie nicht so gern, weil wie schaut denn das aus. Oder : es kommt doch nicht auf Summen an!
Aber so ein Pepe ist ein Waschlappenvater, der sich drangehängt hat, weil ihm selber schon früh die Ideen ausgegangen sind.
Macht nichts, könnte ein Lehrer gewesen sein in seinem früheren Leben oder Studienabbrecher, einer, der immer mehr wollte als er sich hat vorstellen können und das heißt dann Ideale große Idee oder Glück.
Pepe, da wissen Sie gleich : wird als Licht wahrgenommen. Sonnenschein!
Oder sie sagen, dass sie gar nicht über ihn reden wollen.
So ein Pepe nimmt schon einmal selber das Mikro in die Hand oder eines stellt sich ihm in den Weg. Ist zurückhaltend von Natur aus. Einer, der gar nicht ins Rampenlicht will undsoweiter.
Sich eben kümmert. Um die Vermarktung, aber in Wahrheit natürlich : Seelenheil Entziehungskur Zweitvilla.
Manchmal hab ich das Gefühl, die Ampeln werden gar nicht ausgeschaltet.
[ Marija ] Die Farbe nicht ganz getroffen? Das macht nichts. Es wird bestimmt eine Nuance sein, die besser zum Teint passt, als man sich’s selber vorstellen kann. Es werden da die Grübchen betont oder die hohen oder breiten Wangenknochen, je nachdem.
Ist ein bisschen wie bei der Wurst. Darf’s ein bisschen mehr sein?
Kolleginnen sind schon verklagt worden, aber da ging’s immer um die Länge.
Bevor die Farbe zum Streitfall wird, kann man umfärben ohne Ende.
[ Amelie ] Annäherungsversuche im gemeinsamen Hotelzimmer : die muss das Mädchen aber abwehren. Nämlich abwehren wollen. Aber hallo!
Die anderen sind immer da.
Egal ob es Nacht ist oder Tag oder ob ich eine Woche lang nicht zuhause war. Die brauchen mich nicht zu suchen. Die wissen immer. Wo ich bin. Meinen Terminkalender kennen die besser als ich selber.
Zeit haben sie. Das ist ihr Job. Ich versteh das, kann ich akzeptieren. Dadurch verschwinden sie auch wieder.
Menschen sind wie du und ich. Unsichtbar. Die alle ihre Arbeit machen. Müssen. Stell dir vor, wie lange die dran sind an so einer Story.
Zum Beispiel du kommst aus einem Club nachhause und sie hängen vor der Tür rum. Manchmal ist es ja auch kalt, meistens ist es Nacht oder bewölkt.
Kommt nicht vor, die Sonne. Oder nur bei mir. Kommt kein Sonnenschein vor. Durch – muss es heißen.
Meine kleine Schwester sagte oft : bald kommt die Sonne durch, dann können wir wieder hinausgehen. Auch wenn wir draußen waren.
Dann können wir rausgehen.
Ich habe schon gewusst, dass es heißen muss : Sonne kommt nicht vor, nicht in dieser Straße. Sonne war nicht.
Er will doch nur, dass das Mädchen einsieht, dass es gut für sie ist, mit ihm zu sein.
Immer.
Immer tanzen sie besonders viel, immer, wenn ich es nicht mehr aushalte, schwingen sie ihre Arme, wie die Wilden, weiß nicht, ob die denken, ich krieg das nicht mit oder was. Was soll das denn für eine Hilfe sein!?
Aber so ist das.
So ist das nicht.
Immer wollen sie ablenken, von dem was passiert. Mit mir. Was passiert denn da. Weißt du das etwa?
Immer immer immer.
[ Marija/Amelie ] Wer dann die Rechnungen bezahlt : wen interessiert das!?
Ja eh, würden wir alle gerne wissen, von welchen Summen hier geredet wird, aber ganz im Ernst : dafür gibt es Listen.
Also wenn Sie das wirklich wissen wollen, blättern Sie sich halt durch, bitte!
[ Amelie ] Es wird dann geredet von kleinen Schwestern, denen der rosarote Infantinnenthron finanziert wurde und die nach all den Versteigerungen mit einer Ersatzmutter daherkommen.
Björn der Produzent erzählt auf irgendeinem Event die Geschichte seines Lebens. Im Moment ist er zwar Single, aber er will eine Familie, er will immer auf eine andere Party, wo vielleicht die Frau seines Lebens auf ihn wartet.
Natürlich ist er in seinem tiefsten Inneren Philosoph.
Macht sein Geld mit Shows (die seine Kinder niemals schauen dürften), die die Jugend verderben und hat noch ein paar andere Sachen laufen, Zigarettenindustrie Kreditkarten Internet.
Wenn sich die anderen gut fühlen können, weil er selber ein moralisches Arschloch ist, geht’s ihm gleich besser.
Dann hat Pepe jemanden bezahlt für das aufstrebende Sternchen und die haben zwar nicht geheiratet, aber eine Zeitlang waren sie zusammen. Oder war das nur für die Öffentlichkeit?
Auf einer Modenschau strahlen Tochter und die kamerascheue Mutter Seite an Seite, Mutterarm über der Tochterschulter, ganz vertraut. Ein paar Fotografen halten das kleine Glück fest, dieses eine Mal.
Was ich jetzt brauche ist Schönheit!
Also da will ich hin. Wenn du wirklich an die Schönheit herankommst, an die leuchtende, strahlende, wirklich wahre Schönheit : dann hast du es doch geschafft.
Ich dagegen. Ich schwitze. Da, vorne am Dekolleté, zwischen den Brüsten. Morgens nach dem Aufwachen ist die Haut zerknittert wie bei einer uralten Frau.
Ich muss mich immer umdrehen und umdrehen, mir das Wasser von der Brust wischen, es rinnt in Strömen.
Was er wahrscheinlich nicht wollte : dass alle den Satz, den er mit Bleistift in säuberlicher Architektenschrift vorne in Camus’ Pest geschrieben hat, als das Letzte betrachten, was von ihm im Leben des Mädchens übrigbleibt.
Dann decke ich den Tisch für alle.
[ Marija ] Wenn Sie durch das Geschäft durchgehen, kommen Sie in einen kleinen Aufenthaltsraum mit Sofa und Kaffeemaschine, und dann gehen Sie an der Toilette vorbei, der Gang führt direkt auf den Hof.
[ Amelie] Da kann man alles mit Kerzen ausleuchten oder ein Partyzelt aufstellen, dann sieht man die Mülleimer vielleicht nicht.
Eine große Tafel, das Silberbesteck ist echt. Diesmal ist es echt.
Über die Schläge, die dumpfen, die Beats und das Hämmern auf Nerven oder Bühnenbretter.
Über die Unverantwortlichkeit, mich oder uns überhaupt in die Welt zu setzen, das muss man sich einmal vorstellen!
Scheinargumente, man redet sich auf die Verwandtschaft aus, meistens auf ältere Geschwister oder Bekannte der Eltern, auf die vor allem!
In der Zwischenzeit leert sich der Tisch, was sonst.
Geschirr klirrt, Schweiß rinnt, ich versuche meine Haut zu glätten, aber so, dass es niemand sieht.
Auch die andern ziehen sich zurück : von denen ist keine Unterstützung zu erhoffen, auch diesmal nicht, gerade jetzt!
Unfug Verschwendung Fake, Mama.
Die Mutterrolle ist dabei nicht ganz eindeutig. Scheinbar auf meiner Seite, naja, aber sie spielt das wirklich nicht sehr überzeugend.
Achten Sie bitte einfach auf die Ampel.
[ Marija ] Sagen Sie, wenn Ihnen die Gummihandschuhe wehtun. Bei mir löst ja schon der Gedanke daran Schüttelfrost aus, Sie können mit Verständnis rechnen.
[ Amelie ] Wir waren doch ein Team, wir sind doch wie eine Familie!
Hemd Hose Schuhe und der Wunsch nach ein bisschen Schönheit. War das schon alles?
Wie viel Konzentration wohl notwendig ist um zu erkennen, wo genau die Vergangenheit und die Zukunft aufeinander stoßen?
Ich meine : es geht um den Moment. Du hast es oder hast es nicht.
In seiner zierlichen Architektenschrift steht da : die Hölle, das ist man selber.
Da regt sich was und ich sehe aus einiger Entfernung der Geburt eines Kindes zu. Das ist aber gar nicht so weit weg und in einem Kopfpolster hat es sich schon einmal aus der Fruchtblase befreit.
Es ist klein, es ist winzig und witzig, es kann schon reden. Es kann eigentlich alles und da schau : sind ja doch durch die Nabelschnur verbunden. Der Kindsvater wird nicht verständigt, der Termin ist ja viel früher eingetreten als erwartet. Kindsvater : hör ich zum ersten Mal, dieses Wort.
Ich warte auf die Hebamme, weil ich nichts finden kann, mit dem ich die Nabelschnur durchtrennen könnte. (Auf welcher Seite bin jetzt ich?)
Das Kind reißt aber dran.
Will sich das Haus anschauen.
Das Licht wird ihm wichtig sein oder die Schatten, da kenne ich mich nicht so gut aus. Gut, dass noch keine Fenster eingesetzt sind, so kann es alles besser sehen.
Das Kind kann ja schon gehen und umfallen, weil es doch noch nicht so stabil ist; es verletzt sich die ganze Zeit.
Rot Grün Gelb und Wiederholung.
Grün oder Rot Grün Grün.
Ich zeige dem Kind alles und dann liegen wir gemeinsam im Bett, und es will von meiner Brust trinken, schläft ein dabei, trinkt wieder und es hat blonde Haare und wird nicht bei mir bleiben und nichts davon. Ist lächerlich.
agnesz - 2008.10.15, 09:40
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