Dienstag, 12. April 2005

ÜBER JOHANNES SCHRETTLE (MINIPORTRAIT)

«die sterne sind in einer riesengroßen fluchtbewegung.» sagt holger in DEIN PROJEKT LIEBT DICH.

einige grazer theaterinteressierte kennen DEIN PROJEKT LIEBT DICH von Johannes Schrettle, das beim letzten steirischen herbst in einer szenischen lesung aufgeführt wurde.
mit diesem stück, einem projekt, das seinen autor vielleicht auch ein wenig liebt, ist Johannes Schrettle zum diesjährigen berliner theatertreffen eingeladen. das heiszt, dass ihn bald wahrscheinlich nicht nur grazer theaterfreundInnen kennen werden, sondern auch noch berliner und umland-berliner, düsseldorfer, zürcher usw.
und das ist gut so.
für FLIEGEN / GEHEN / SCHWIMMEN hat er im letzten jahr den grabbe-preis der stadt detmold erhalten. was auch gut ist [& nicht nur, weil ihn jetzt auch schon ein paar detmolder kennengelernt haben].

johannes schrettle ist 1980 in graz geboren, hat im theater im bahnhof angefangen, für theater zu schreiben, im uni-t inszeniert, im forum stadtpark.

«geschriebene texte interessieren mich eigentlich nicht», schreibt mir Johannes in einem ersten e-mail über sich. aber was ihn interessiert, glaube ich, sind die menschen. von denen gibt er beiläufige nachrichten aus einem permanenten krisengebiet, in dem niemand «befristete verträge, sondern unbefristete» will – aber in der realität von schrettles stücken/ also in echt : «gibt’s das nächste mal in dem sinn nicht».
er erzählt lässig, spricht aber nie ungenau – im gegenteil. die sätze sitzen haargenau und tun oft weh – in ihrer banalität, ihrer harmlosigkeit, ihrer gemeinheit und vor allem wegen der schlichten wahrheiten, die ohne schonung losgelassen werden. viele sind dabei so wie die, die sie aussprechen : harmlos, gemein, daneben, aber eben gerade-nicht-daneben. und ähneln denen, die zuhören, zuschauen auf treffendste weise.
alles bleibt projekt und abschiebungen finden überall statt, natürlich auch in beziehungen, die zumindest kurzfristig eine identität verleihen können.

in einer groszen fluchtbewegung sind wahrscheinlich nicht nur die sterne, sondern vielmehr noch die protagonisten in Schrettles stücken : «die sterne sind in einer riesengroßen fluchtbewegung.» sagt holger («und holger ist: kulturwissenschaft, radiohead, sensible grüne augen, kino») und er sagt: «reflektieren tut weh.»

graz 11. april 2005 | minoriten

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