Samstag, 24. September 2016

Weekend

Ein schöner Morgen im Herbst. Nachdem Mann und Sohn die Wohnung verlassen haben, weil letzterer für das dritte Meisterschaftsspiel seines Fußballvereins aufgestellt ist, vollziehe ich einen, wie mir scheint, tadellosen Hausfrauenvormittag, zumal an einem Wochende. Dazu gehört, sich unmittelbar nachdem sich die Wohnungstür geschlossen hat, einen weiteren Kaffee zu machen und die Zeitung zu lesen, wie eigentlich immer beginne ich mit dem großen Interview. Danach mache ich die Küche sauber, die Sonne scheint beim französischen Fenster herein, man hört einen der Nachbarn, der im Garten zwei seiner Räder repariert wie häufig samstags. Laufen war ich gestern, heute steht ein bisschen Workout am Programm und als ich damit fertig bin, erledige ich den Einkauf. Tja, die Blumen vergessen, aber auch nur deshalb, weil mir im Supermarkt einfällt, dass die größere Tochter später vorbeikommen will und ich beschließe, einen Guglhupf zu backen. Damit der fertig wird bis zu ihrer Ankunft, muss ich den Gang zum kleinen Bauernmarkt am Platz dieses Wochenende auslassen. Der Guglhupf steht schon im Backrohr, als ich in den Nachrichten höre, dass in einem Einkaufszentrum im Bundesstaat Washington ein Mann vier Frauen erschossen hat und flüchtig sei. Das Motiv ist noch unklar. Den Satz würde ich auch verschiedenen Berichten in verschiedenen Medien entnehmen können, und einmal mehr rätsele ich über diesen Satz. Egal, ob ein (meistens weißer) Mann vier, zwölf und noch mehr Menschen erschießt, meist ist zuerst zu hören, ob man bereits davon ausgeht, ob der Mörder aus terroristischen Gründen handelte – oder? Motiv? Sobald man die Identität der Amokschützen, Killer, Massenmörder herausgefunden hat, lässt sich zumeist schnell feststellen, ob jemand die Mordwaffen legal erstanden hat oder über dunkle Kanäle, mittlerweile mitunter das dunkle Netz. Die Menschen besitzen Waffen, sie benutzen sie. Ebenso erstaunt mich, dass die Angst vor Zuwanderern letzten Jahr auch in Österreich den Waffenverkauf ziemlich in die Höhe getrieben hat. (Wie wir auf dem Weg zu einem Abendessen an einem Waffengeschäft vorbeikamen: drinnen mehr als ein Dutzend Menschen beim Late-Night-Shopping). Welches Gefühl von Sicherheit kann einem der Besitz einer Waffe vermitteln? Was zählt das Motiv, wenn einer in die Damenabteilung eines Bekleidungsgeschäftes geht und auf die Menschen schießt, die er dort zufällig antrifft?
Diesen kleinen Text schreibe ich, bevor alle eintrudeln, am Küchentisch. Auch für ein paar Notizen, kommt mir kleiner, schreibender Hausfrau vor, eine gute Tradition.

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